Sonntag, 10. Juli 2005

Der Wächtersbacher Synergiekirchturm in seiner Bedeutung für die Haushaltsführung der deutschen Gebietskörperschaften

 
 
Bei uns steht die Kirche noch im Dorfe, pardon: in der Stadt natürlich; schließlich waren wir mal ummauert. Kirche ohne Turm – das konnte nicht sein; aber Turm war teuer. Die alten Wächtersbacher waren clever: Kirche an die Stadtmauer bauen, Turm davor = Wehrturm = Kirchturm. So spart man Geld!

Und übrigens spart die Kirche noch heute: nach wie vor gehört der Turm der Stadt. Weshalb er auch jetzt bei der Renovierung des Kirchenschiffs nicht frisch gestrichen wurde. Ist freilich auch vernünftig, dass die Stadt stattdessen lieber der Gemeinde bei der Restaurierung der Kirche half; so nötig hatte es der Turm noch nicht.

Und die überörtliche Bedeutung? Synergieeffekte nutzen! Beispiel Schule: Turnhalle = Aula; da könnte man Kosten sparen. Macht aber niemand; "Aula" klingt so aulisch, dass den Verantwortlichen unsere Steuergelder gleich aus den Taschen fließen. Wär' ja schrecklich, wenn der Schulrektor 'ne Rede halten würde, und die Gäste müssten auf Ballflecken an den Wänden starren. Nein: da muss ein eigener, würdiger Raum her: wir haben's ja. Lieber ein paar Steuern erhöhen, als sparen. Das Wahlvolk ist ja so blöd ... .
Oder Bürgerhäuser: anno 13 (oder so) hat der Kriegerverein "Heldenleier" seine patriotischen Lieder im Saal des Gasthauses zur Deutschen Eiche gesungen. Und die Kehlen zum Nutzen des Wirtes geölt. Heut baut kein Wirt mehr einen Saal, weil er gegen die steuerfinanzierte Bürgerhauskonkurrenz eh' keine Chance hätte. Und also tagen Taubenzüchter und Briefmarkensammler in Bürgerhäusern: subventionierte Vereinsarbeit. Wär' ja nichts gegen zu sagen, würde uns der Staat nicht jetzt bis zum Letzten ausquetschen.
Sicherlich, das sind örtliche Erdnüsse, kleine Beispiele nur für die große Geldverschwendung, auch in Artotheken, Bibliotheken, die hauptsächlich mit Unterhaltungsliteratur gefüllt sind (Hauptsache, die Leute lesen was ...), allen möglichen Projekten bis zum "Dieser-Weg-wird-im-Winter-nicht-gestreut-Schild", das zwar haftungsrechtlich erforderlich sein mag, aber dann gehört halt auf der Ebene was geändert. Von Opernhäusern und hoher und niederer Kultur gar nicht zu reden, und das ist alles nur die kommunale Ebene.

Wenn wir bald wieder wählen dürfen, fehlt eine Partei: die MDS-Partei. Muss das sein? Macht das Sinn? Macht's doch selber!
Aber nein, meine gebefreudigen Mitbürger werden wohl die Angela und ihre Mehrwertsteuerpaladine wählen. Einige gar eine noch spendierfreudigere Neupartei.
Mehrwertsteuern sind ja so gerecht; muss schließlich jeder zahlen, der was kauft, auch die Reichen, die Kapitalertragssteuern gern hinterziehen. Nur müssen die von ihrem Geld recht wenig für Einkäufe ausgeben, wir aber mehr oder weniger alles. Ist wohl doch nicht so gerecht, gelle? Und warum wehrt sich keiner, wenn man uns weichknetet für die nächste Staatsknetenbeschaffungsaktion? Nur, leider, müssten wir uns wohl in erster Linie gegen uns selbst wehren!
Weil das schwer fällt, machen wir weiter im Volkstrott – der immer gleiche politische Tanz.
Wohltaten fordern, und auf die Politiker schimpfen.
Dabei könnten wir doch sagen: von Wächtersbach lernen, heißt sparen lernen!


Textstand vom 16.07.2006; Bild ergänzt 16.07.06.
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