Sonntag, 10. Juli 2005

"Spar dich reich!"

verlockt die Werbung. Ausgeben macht reich? Doch, ich glaube schon, dass die Reichen durch Ausgeben noch reicher werden. Wenn ich mir z. B. meine Wanderschuhe ansehe; für die habe ich, wiewohl das genaue Gegenteil von reich, viel Geld hingeblättert. Dafür habe ich sie aber schon – vielleicht 15? – Jahre. Ich habe zwar noch keinen "Spaziergang [von Leipzig] nach Syrakus" (http://gutenberg.spiegel.de/seume/syrakus/syrakus.htm; s. a. http://www.seume.at/ und http://www.seume.de/Sites/Spazier/Spazier.htm) gemacht; aber insgesamt sicherlich schon mehr Kilometer abgelaufen als Seume, welcher am Schluss seines Reisebuches unter dem o. a. Titel seinen Schuhmacher wie folgt lobt:
"Zum Lobe meines Schuhmachers, des mannhaften alten Heerdegen in Leipzig, muss ich Dir noch sagen, dass ich in den nämlichen Stiefeln ausgegangen und zurückgekommen bin, ohne neue Schuhe ansetzen zu lassen, und dass diese noch das Ansehen haben, in baulichem Wesen noch eine solche Wanderung mitzumachen."
Diese Passage, welche gern als Nachweis der Überlegenheit alter Handwerksarbeit über neuen 'Fabrikschrott' zitiert wird, betraf allerdings nur das Oberleder (in Palermo z. B. brauchte er neue Sohlen; vgl. http://www.lyrikwelt.de/gedichte/seumeg1.htm: "lasse eben meine Stiefeln besohlen"); während bei mir sogar die ersten Sohlen noch dran wären, hätte ich sie nicht wegen der Glätte bei Schnee und Eis austauschen lassen.
So kann man sich wirklich reich sparen, indem man Geld ausgibt. (Und das geht sicherlich mit anderen Textilien ebenso: einen guten Mantel z. B. kann man 10 Jahre tragen; die Volks-Mäntel ist man nach 2 Jahren leid, selbst wenn sie noch halten.)
Name, Anschrift? Schuhe wie Flügel sind es; "Red Wing" heißen sie (aber nicht: "folglich"); und unter http://www.redwingshoes.com/europe/locator.cfm?Country=Germany&x=5&y=10 gibt es auch einen "Dealer Locator" im Web.
Der Name leitet sich nicht aus den vorzüglichen Geheigenschaften her, sondern von ihrem Herkunftsort, der Ortschaft "Red Wing" in Minnesota, wo sie schon seit 1905 hergestellt werden (siehe http://www.redwingshoe.com/europe/about-us/history.cfm).
Nicht nur die Qualität ist beeindruckend, auch die theoretische Auswahl, weil die Schuhe in drei Breiten hergestellt werden. Aber leider nicht für jedes Modell in jedem Laden in Deutschland verkauft; da dreht man dem Kunden dann trotz Fußvermessung lieber zu enge an (wie mir vor langer Zeit bei Straßenschuhen). Kaufe also keine Straßenschuhe mehr dort und denke: Amerika, du hast es besser!


Nachtrag vom 09.12.2009
Die Wanderschuhe selbst sind unverwüstlich, die Sohlen naturgemäß nicht. Deshalb habe ich sie jetzt neu besohlen lassen; Preis (halte ich hier nur "for the records" fest) 80,- €. Ein Paar neue Schnürsenkel gab es im Laden gratis dazu. Das ist schon okay; indes will ich hier, ebenfalls "for the records", nicht verfehlen festzuhalten, dass die Dinger deutlich dünner geworden sind. Sign of the times ... . (Aber die alten werden noch viele Jahre halten.)





Textstand vom 09.12.2009. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Zu einem „Permalink“, d. h. zu einem Link nur zum jeweiligen Artikel, gelangen
Sie mit einem Klick auf das Erstellungsdatum unterhalb des jeweiligen Eintrages.
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen