Mittwoch, 31. Oktober 2012

Was ist Geld? Was sind folglich die Target2-Salden in der Eurozone?


Geld (i. S. von Fiatgeld) ist nichts anders als ein Schuldschein (man könnte auch sagen: ein Kreditbrief)
[Erg. 23.12.2014: Mittlerweile ziehe ich den Begriff "Gutschein" vor. "Schuldschein" könnte irrig i. S. einer Einlösepflicht von konkreten Wirtschaftssubjekten missverstanden werden]
  • ausgestellt von einer Volkswirtschaft (und entsprechend bei jedem Wirtschaftssubjekt - Person, Firma - in dieser Volkswirtschaft einlösbar)
  • gesetzlich vertreten durch die jeweilige Notenbank.    [Erg. 15.06.13: Bei "Giralgeld" ist es die Geschäftsbank, welche als quasi "gesetzliche Vertreterin der Volkswirtschaft" Geld schöpft.]

  • Die DM war ein Schuldschein auf die deutsche Volkswirtschaft, ausgestellt von der Bundesbank.
  • Der Euro ist ein Schuldschein der Eurozonen-Volkswirtschaften, ausgestellt (im Grunde) von der Europäischen Zentralbank (EZB).
  • Weil aber die einzelnen Volkswirtschaften als solche weiterbestehen (Europa ist ja kein Staat wie die USA), bestehen nach wie vor Ansprüche (bzw. Schulden) der Volkswirtschaften untereinander.
  • Solche Ansprüche drücken sich normalerweise in Devisenreserven aus.
  • Weil aber die Eurozone eine gemeinsame Währung hat, drücken sich diese Ansprüche in den Salden des Target2-Zahlungssystems des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) aus.
  • Zerfällt die Eurozone, oder tritt/treten ein oder mehrere Mitgliedsland/~länder aus, müssen die Target2-Salden als das behandelt werden, was sie ihrer Natur nach sind: Ansprüche von Volkswirtschaften und somit, wenn ein oder mehrere Land/Länder eine neue Währung einführen: Als Forderungen gegen dieses Land bzw. Verbindlichkeiten dieses Landes (gegen die Volkswirtschaft, nicht gegen den Staat, wie bei Staatsanleihen!) in seiner neuen Währung.
Vor allem: Geld ist nicht, wie viele zu glauben scheinen (auf der volkswirtschaftlichen Ebene; privat sehen die das natürlich anders), einfach eine Zahl auf einem Konto, oder etwas, was eine Notenbank nach Belieben drucken könnte. (Kann sie natürlich, führt aber in aller Regel zu Inflation, wenn auch manchmal nur in einem Teilbereich - z. B. Immobilien, Rohstoffe usw. .)


Nachtrag 08.04.2013

Zum Geldbegriff vgl. jetzt auch meinen Blott "Einen Kredit gibt es nicht. 100 Jahre "Kredittheorie des Geldes" (Credit Theory of Money) von Alfred Mitchell Innes".


Nachtrag 24.07.2016
Bei Abfassung des vorliegenden Blotts war mir der Aufsatz "Zahlungsbilanzkrisen im Eurosystem: Griechenland in der Rolle des Reservewährungslandes?" von Prof. Wilhelm Kohler (Tübingen) noch unbekannt. Erschienen war er bereits im ifo-Schnelldienst 16/2011. Und er besagt, nach meinem Verständnis, dasselbe, was ich oben gesagt habe: Dass die Target-Salden so etwas wie Devisenreserven sind, und auf jeden Fall Forderungen gegen ausländische Volkswirtschaften, nicht gegen Staaten.




ceterum censeo
Die Steuertöpfe quellen über -
Doch für Verkehr und Bildung ist kein Geld mehr über?
Kein deutsches Geld für Eurozone:
Wir leben besser "Eurotz-ohne"! 

Textstand vom 24.07.2016. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm.
Eine vorzügliche, laufend aktualisierte Übersicht über die Internet-Debatte zur Eurozonenkrise bietet der Blog von Robert M. Wuner. Für diesen „Service“ ihm herzlichen Dank!
Für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden später z. T. aktualisiert bzw. geändert.

Kommentare:

  1. Diese Analogie ist nach meinem Verständnis kurz und richtig! Ausgezeichnet!

    Devisenreserven (bei unterschiedlichen Währungen) = Target2-Guthaben (in gemeinsamer Euro-Zone)

    Und ich ergänze:

    Ohne gemeinsame Währung entschuldet sich die Volkswirtschaft, indem sie Geld druckt, Inflation erzeugt und damit die Ansprüche in Form der Devisenreserven real entwertet. In der Euro-Zone geht nun durch die gemeinsame Währung eine einseitige Inflationierung eines Landes nicht mehr. Wenn man das System erhalten will, müssen(!) alle gleichzeitig inflationieren, so dass schlicht alle(!) Forderungen entwertet werden, nicht nur die uneinbringlichen des betreffenden Landes. Das ist tödlich für das seriöse Wirtschaften in Deutschland.

    Ohne Inflationierung zerlegt es den Euro aber sofort in die Einzelteile, was der einzig sinnvolle Ausgang wäre und den Indutriestandort Duetschalnd noch retten könnte. Die Politik aber will den Fehler mit dem Euro aber nicht wahrhaben/zugeben.

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  2. So ist es, RealTerm, danke für den Kommentar und die klare Schilderung der Folgen, die sich aus der aktuellen euhaftungspolitischen Geisterfahrt unserer Regierung und Blockparteien ergeben!

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