Donnerstag, 12. Februar 2009

Im Land der doch nicht ganz so Freien: "Inclusionary Zoning" und andere staatliche Regulierungen des Wohnimmobilienbaus in den USA

Kürzlich habe ich als Informationsquelle für wirtschaftswissenschaftliche Lehrmeinungen wie auch aktuelle Entwicklungen die amerikanische Webseite "Library of Economics and Liberty" für mich entdeckt. U. a. enthält sie eine "Concise Encyclopaedia of Economics" mit zahlreichen ausführlichen Artikeln von teilweise hochkarätigen Wirtschaftswissenschaftlern (vgl. z. B. das Stichwort "What Is the Money Supply?" von Anna J. Schwartz, die 1963 zusammen mit Milton Friedman das in Ökonomenkreisen berühmte -teilweise auch berüchtigte- Buch "A Monetary History of the United States, 1867–1960" verfasst hatte; dieser Artikel ist nicht nur fundiert, sondern auch leicht verständlich geschrieben).
Man darf die Einträge freilich nicht allzu naiv lesen, denn häufig erscheinen sie doch allzu Deregulierungs-euphorisch. Gleichwohl erscheint mir dieses Wirtschaftslexikon (und auch diese Webseiteinsgesamt) als eine wertvolle Informationsquelle.


Eigentlich bräuchten uns Immobilien in den USA wenig zu interessieren (falls wir nicht gerade in solche investieren wollen). Da jedoch die Immobilienkrise (Mortgage crisis, subprime crisis usw.) in den USA (einer) der Auslöser der weltweiten Finanzmarktkrise und zweiten Weltwirtschaftskrise war, muss man sich wohl auch ein wenig mit dem amerikanischen Immobilienmarkt und Immobilienrecht befassen, wenn man ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge zu gewinnen sucht.

Die Lexikoneinträge sind grundsätzlicher Natur und in der Regel schon einige Jahre alt; auch das Stichwort "Housing" hat nichts mit der Hypothekenkrise zu tun.
Interessant ist dennoch zu lesen, dass der Bau von Wohngebäuden in Amerika keineswegs so unreguliert ist, wie wir uns dass vielleicht vorstellen.

Besonders kurios dürfte für uns sein (bzw. ist jedenfalls in meinen Augen) das Instrument des "Inclusionary zoning". Die Kommunen zwingen damit Immobilienentwickler, bei größeren Bauprojekten einen bestimmten Anteil der Häuser zu niedrigen Preisen an einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu verkaufen.
Die Autoren Benjamin Powell (assistant professor of economics at San Jose State University and director of the Center for Entrepreneurial Innovation at the Independent Institute) und Edward Stringham (assistant professor of economics at San Jose State University) kritisieren das als Investitionshemmnis, und meines Erachtens nicht zu Unrecht.
Aber unabhängig davon, wie man darüber urteilt (mir erscheint das, was gelegentlich als "pragmatisches" Herangehen der Amerikaner an Probleme gelobt wird, nicht selten als eine eher primitive Herumbastelei), gewinnt man auf jeden Fall tiefere Einblicke in Strukturen dieser Gesellschaft, als sie unsere Medien vermitteln (können).



Textstand vom 12.02.2009. Auf meiner Webseite
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