Samstag, 3. September 2011

Griechenland-Bailout: Die WELT hat wirklich die Schnauze voll!

Unter den großen Zeitungen war nach meiner Wahrnehmung der entschiedene Widerstand gegen den Eurozonen-Bailoutismus (denn um die Eurozone geht es, nicht um den Euro, wie unsere Schurkenpolitiker uns Blödmicheln einreden wollen!) bislang das Privileg der FAZ.


Jetzt will die WELT anscheinend nachholen, was sie bisher versäumt hat.
Auf den gestrigen Kommentar " "Griechenland muss von der Euro-Zone isoliert werden"" von Jan Dams lässt sie heute einen noch weitaus wütenderen folgen, von einer Frau: "Europa wird zur Haftungsanstalt für bockige Griechen" konstatiert Andrea Seibel und konstatiert u. a. knallhart (meine Hervorhebungen):
"Es ist eben keinem Ressentiment oder einer anti-europäischen, gar nationalen Verzerrung geschuldet, wenn man feststellt, dass Griechenland nicht in der Lage ist, sich im Rahmen der EU zu sanieren. Seine mit der EU vereinbarten Sparziele kann es schon in diesem Jahr nicht einhalten. Was aber noch schlimmer ist: Es scheint auch nicht bereit, sie einzuhalten. Beobachter sprechen von einer regelrechten Bockigkeit und Keckheit der Athener gegenüber IWF und EU-Kommission. Die Griechen, denen auf dem Krisengipfel vom 21. Juli Rettungsschirm-Darlehen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren, Tilgungs-Auszeiten und niedrige Zinsen versprochen wurden, lehnen sich offenbar zurück."
Bei Frau Seibel konnte ich über die Google-Seitenrecherche in der WELT nicht erkennen, dass sie sich bisher gegen die Eurozonen-Rettungsschirme geäußert hätte. Auch hier liegt also wohl eine Wende im Denken vor, die hoffen lässt, dass es bald auch andere - und hoffentlich nicht nur Journalisten, sondern vor allem auch Politiker - 'erwischt'.

Hier noch Links zu einigen BILD-Artikeln (alle vom 02.09.2011):

Nachträge 04.09.2011
Tag für Tag legt die "WELT" ein Brikett nach, heute unter der Überschrift "Wirtschaftsprofessor van Suntum. 'Die Griechen nehmen uns aus wie Weihnachtsgänse'." Der Titel ist insofern etwas irreführend, als van Suntum keineswegs im Zentrum steht, sondern nur in einem Mix von Informationen und Meinungen erscheint. Allerdings ist seine Feststellung besonders wichtig:
" „Konkret sollte die Europäische Zentralbank griechische Staatsanleihen nicht mehr eins zu eins als Sicherheit akzeptieren, sondern nur noch zu ihrem Marktwert. Solange das nicht passiert, nehmen uns die Griechen aus wie die Weihnachtsgänse“. "
Mit anderen Worten: wir zahlen keineswegs (wie auch ich immer wieder irrtümlich denke) nur über die diversen Hilfspakete Gelder an bzw. für Griechenland aus. Auch über die EZB fließen Gelder in gigantischem Umfang an die Griechen ab.

Gestern, am 03.09.11, hatte die WELT auch dem Rettungsschirm-Kritiker Hans-Olaf Henkel einen längeren Artikel gewidmet: "Ex-BDI-Chef. Henkel sieht in Euro-Krise Raum für neue Partei".
Seit dem 04.09.11 ist das Henkel-Interview auch online. "Transferunion. Marsch deutscher Lemminge scheint unaufhaltsam". So ist es, und das gilt nicht zuletzt auch für die FDP-Lemminge, denen Olaf Henkel zu Recht rät:
"Die FDP sollte die Koalition verlassen, in die Opposition gehen und für eine alternative Euro-Politik kämpfen. Dann hätte sie noch eine Überlebenschance."
Übrigens hatte ebenfalls in der WELT bereits am 31.08.2011 Christoph B. Schiltz gefordert: "FDP sollte sich Merkels Rettungspolitik verweigern". Begründung:
"Die Euro-Rettungspolitik der Regierung gründet lediglich auf vagen Hoffnungen. Es wäre besser, zumindest Griechenland vorübergehend aus der Eurozone auszuschließen." Schiltz geißelt die Illusion, dass der Bundestag, wenn er einmal dem Rettungsfonds zustimmt, später bei Einzelaktionen wirksam mitbestimmen [also vor allem etwas ablehnen!] könne:
"..... das Rettungsgerüst der Europäer steht auf wackligem Grund: Es hängt im Wesentlichen von der uneingeschränkten Kreditwürdigkeit Deutschlands und Frankreichs ab. Sinkt – nicht zuletzt wegen steigender Bürgschaften – die Kreditqualität einer dieser beiden Länder, wankt das gesamte Rettungskonstrukt. Das ist fatal. Vor allem auch deshalb, weil sich die bisherige Rettungspolitik der Euro-Länder lediglich auf vage Hoffnungen gründet. Dabei haben die Retter nicht einmal wirksame Sanktionsmittel in der Hand, falls sich Griechenland oder Portugal nicht an die EU-Vorgaben halten – Strafaktionen, wie das Einfrieren von Hilfskrediten, würden das Überleben der Krisenländer gefährden. Wer retten will, muss also immer weiter zahlen. Die Euro-Retter sind in Wahrheit Getriebene – die Märkte und die Pleitestaaten treiben sie gnadenlos vor sich her." Im Schlussfazit beschränkt er sich allerdings auf die Forderung nach einem Ausschluss Griechenlands:
"Es wäre darum besser, neue Wege zu gehen und zumindest Griechenland vorübergehend aus der Eurozone auszuschließen. Das Land leidet nicht nur unter einem Schuldenberg, es ist vor allem eine unterentwickelte Transformationsökonomie mit massiven Strukturdefiziten. Der Ausschluss Griechenlands wäre ein wichtiger Schritt hin zu einem „optimalen Währungsraum“ (Robert Mundell). Es wäre vor allem ein Schritt hin zur Stärkung Europas. Die EU erodiert, wenn sie im Kern nur noch eine Haftungsgemeinschaft ist."
Schiltz ist nicht erst seit gestern Realist. Bereits am 05.07.2011 kritisierte er die Verschleierungstaktiken um eine Beteiligung des privaten Sektors an der Griechenlandhilfe in seinem Kommentar "Schäubles Schnapsidee":
"Wie soll eine Beteiligung der Privaten auch "freiwillig" und zugleich "substanziell" sein? Das schließt sich aus. Das gesamte Konstrukt war eine Schnapsidee, entstanden in den Wärmestuben der Pariser und Berliner Ministerialbürokratie. Es diente lediglich zur optischen Täuschung: Die Kritiker im Bundestag und die empörte Öffentlichkeit in Europa wollte man glauben machen, dass bitte schön nicht nur die Steuerzahler, sondern auch der Privatsektor an den Rettungskosten beteiligt werden. Das klingt ja auch gut, aber in Wahrheit ist es nichts weiter als eine Schimäre, die Gerechtigkeit vorgaukelt. ..... Am Ende, so ist zu befürchten, werden die EU-Matadoren ..... ein Modell finden, das eine Beteiligung von Privaten an den Rettungskosten möglich macht - aber dieses Modell wird so kompliziert sein, dass es außer Finanzmarktspezialisten niemand mehr versteht. ..... Damit werden die Probleme nur verschleiert und nicht gelöst. Denn der entscheidende Punkt für die Kreditwürdigkeit Griechenlands wird nicht eine marginale Beteiligung von Banken und Versicherungen sein, sondern die Frage, ob Griechenland sein drakonisches Sparprogramm umsetzen kann. Dafür spricht im Moment sehr wenig."
"Schimäre, die Gerechtigkeit vorgaukelt": genau so ist es ja dann auch gekommen!
Konsequenter Weise forderte er schon damals (meine Hervorhebung):
"Die Abgeordneten des Bundestages sollten nach ihrem Gewissen und gesunden Menschenverstand entscheiden - und weitere Milliarden für Griechenland ablehnen. Die Parlamentarier sind in erster Linie den Bürgern verpflichtet, nicht der Fraktion oder der Kanzlerin. Je länger sie warten, desto teurer wird es. Das bankrotte Griechenland ist nicht mehr zu retten."


Nachträge 05.09.2011
Andrea Seibel legt heute in der WELT unter "In Europa werden die Starken verachtet" noch einmal nach - und weiß doch, dass der Marsch der Lemminge vorerst weitergehen wird:
"... selbst wenn sie [die Rettungspakete] nur Zeit schaffen sollten, fragt man sich, für was? Alle lieben die europäische Idee, doch offenbar müssen die Fehlentwicklungen noch mehr schmerzen, bis es zu wahrhaftem Handeln kommt."
Verachtet werden vor allem die Dummen - also wir Deutschen, weil wir dumm genug sind, für andere die Zeche zu zahlen.

Derweil mehren sich die Zeichen für griechische Spar-Renitenz. So erfährt man in dem WELT-Artikel "Euro-Retter sind uneins" von heute (meine Hervorhebung):
"Europäische Politiker blicken auch deshalb sorgenvoll nach Italien, weil sich im hoch verschuldeten Griechenland eine Abkehr vom strengen Sparen abzeichnen könnte: Nach der Unterbrechung der Verhandlungen mit den Kreditgebern - Europäischer Union, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) - gab Griechenlands Regierungschef Giorgios Papandreou nicht zu erkennen, dass er weiter kürzen will. Die EU müsse "eine neue und dynamische Wachstumsstrategie" entwerfen, sagte der Premier stattdessen auf einem Parteitreffen. Wenn die Dinge weiterliefen wie bisher, "werden sich Griechenland, Irland, Portugal und andere selbst mit unseren Sparprogrammen in großen Schwierigkeiten sein"."

Eine Nahaufnahme der griechischen Probleme bietet, auf der betriebswirtschaftlichen Ebene, der sehr detaillierte Bericht "Deutsche Telekom. Hellas' Wahnsinn" Von Simon Hage und Astrid Maier von heute im Manager Magazin über die Probleme der Telekom mit ihrer griechischen Tochter, dem ehemaligen Staatskonzern (jetzt hält der griechische Staat nur noch einen Minderheitsanteil) OTE. Die Gehälter und dem entsprechend die Kosten sind höher als in Deutschland; außerdem müssen sie automatisch jedes Jahr um 2,5 % angehoben werden. Gleiche Verhältnisse dürften auch in den andren Staatskonzernen herrschen - und dafür sollen wir bezahlen?
Dagegen müssen die Beschäftigten in der Privatwirtschaft darben. In dem Bericht "Griechische Schuldenkrise. Warum Herr Tassakos jetzt in Athen investiert", Manager Magazin vom  16.06.11, erfahren wir: " "Durch die Krise sind die Löhne deutlich wieder gesunken", sagt Tassakos. "Mitunter bekommt ein Ingenieur als Berufsanfänger nur 1000 Euro im Monat." Vielen Griechen sei daran gelegen, in der Heimat zu arbeiten - auch wenn sie im Ausland studiert haben und dort ein Vielfaches verdienen könnten."




ceterum censeo

Der Wundbrand zerfrisst das alte Europa,
weil es zu feige ist ein krankes Glied zu amputieren!

POPULISTISCHES MANIFEST
(für die Rettung von zwei Billionen Steuereuronen!):
Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst einer europäischen Transferunion und Haftungsunion.
Im Herzland des alten Europa haben sich die Finanzinteressen mit sämtlichen Parteien des Bundestages zu einer unheiligen Hatz auf die Geldbörsen des Volkes verbündet:
·        Die Schwarzen Wendehälse (die unserem Bundesadler den Hals zum Pleitegeier wenden werden),
·        Die Roten Schafsnasen (vertrauensvoll-gutgläubig, wie wir Proletarier halt sind),
·        Die Grünen Postmaterialisten (Entmaterialisierer unserer Steuergelder wie unserer Wirtschaftskraft),
·        Die machtbesoffenen Blauen (gelb vor Feigheit und griechisch vor Klientelismus), und selbstverständlich auch
·        Die Blutroten (welch letztere die Steuergroschen unserer Witwen, Waisen und Arbeiter gerne auflagenlos, also in noch größerer Menge, gen Süden senden möchten).
Wo ist die Opposition im Volke, die nicht von unseren Regierenden wie von deren scheinoppositionellen Komplizen als Stammtischschwätzer verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, welche sich der Verschleuderung der dem Volke abgepressten Tribute an die europäischen Verschwendungsbrüder wie an die unersättlichen Finanzmärkte widersetzt hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor:
Das Volk wird von fast keinem einzigen Politiker als Macht anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass wir, das Volk, unsere Anschauungsweise, den Zweck unserer Besteuerung und unsere Tendenzen gegen die fortgesetzte Ausplünderung durch das Finanzkapital bzw. durch die Bewohner anderer Länder und durch seine/deren politische Helfershelfer vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen von dem grenzenlosen Langmut der Deutschen den Zorn des Volkes selbst entgegenstellen.

Textstand vom 05.09.2011. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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