Sonntag, 3. Februar 2008

Das sogenannte Gute

Eine Zugfahrt ins "Aquasalis" in Bad Salzschlirf spielte mir heute die schon in meinem vorangegangenen Blott erwähnte "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (vom 03.02.08) in die Hände, welche sich durch einen ungewöhnlichen Reichtum an "Blog-Katalysatoren" auszeichnet.

Interessant als Meinungs-Generator kann es manchmal sein, eine Verbindung ganz unterschiedlicher Meldungen herzustellen (vgl. als Beispiel auch meinen Eintrag "Kopf oder Zahl? Oder acephal?").

Die eine entnehme ich dem Bericht über die Linkswähler "Links ist, wenn die Reichen zahlen", der online leider nur für Abonnenten zugänglich ist.
Dort sagt der Linkswähler Axel Kilo, Tierarzt in Trebur:
"Ich kaufe nicht die Billig-Bohrmaschine aus China, sondern nehme die Hilti". Er handelt also als Idealist nach dem Motto "Buy local" um Arbeitsplätze hier (oder wenigstens in der benachbarten Schweiz; kommt nicht die "Hilti" von dort?) zu sichern und nimmt dafür erhebliche Mehrausgaben in Kauf.

Gleiches tun auch die Kunden der Fa. Moema Espresso. Über die berichtet der (gleichfalls online nicht allgemein zugängliche) Artikel "Fairer als fair: Gourmet-Espresso fürs gute Gewissen", dass die Firma die Bohnen in Brasilien nicht nur zu einem hohen (oder fairen) Preis einkauft, sondern, im Gegensatz zur Konkurrenz, dort auch rösten lässt: "... genau jene Veredelung macht einen erklecklichen Anteil an der Wertschöpfung aus. Und der bleibt bei den Bauern in Brasilien".
Sehr wahr: die Arbeitsplätze bleiben in Brasilien. Und wenn Deutschlands Kaffeetrinker nun sämtlich auf "Moema" umsteigen, werden Deutschlands Kaffeeröster arbeitslos. Ein massenhafter Umstieg ist freilich nicht zu befürchten, denn wer Kaffe zu Kilopreisen für 19 bis 25 Euro kauft, muss auf Geldscheinen gebettet sein.
Oder im Kopf angebohrt.
Ob mit der Hilti oder mit dem Billigbohrer aus China, macht dann auch keinen Unterschied mehr.

Indes gilt auch hier das italienische Sprichwort: "Gli estremi si toccano": Die Extreme lassen sich in irgend einer Hinsicht immer auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Hier ist es der hohe Preis, den die Exponenten beider Richtungen -Arbeitsplatzerhalter pro Inland, Arbeitsplatzbeschaffer für die Armen im Ausland - für ihr gutes Gewissen zu blechen bereit sind.


Textstand vom 05.02.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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