Donnerstag, 29. Dezember 2022

Björn Höcke ist nicht von dieser Welt!


I. ADOLFS ARMLEUCHTER oder HÖCKE ALS NAZI-FAN

"Volk in Bewegung & Der Reichsbote (ViB) ist eine als rechtsextrem und neonazistisch eingestufte Zeitschrift. Sie erscheint seit 2008 im neonazistischen Nordlandverlag im thüringischen Fretterode ..... . Herausgeber ist der militante Neonazi Thorsten Heise. Die Aktivitäten der Zeitschrift waren Gegenstand zahlreicher Verfassungsschutzberichte, so wird sie im Verfassungsschutzbericht 2009 des Bundesministeriums des Innern (BMI) als neonazistisch klassifiziert. Laut Jörg Geibert, Innenminister von Thüringen, erschienen in der Zeitschrift 'größtenteils neonazistische und geschichtsrevisionistische' Beiträge. Speziell gehe es auch um die deutsche Kriegsschuldfrage" informiert der einschlägige Wikipedia-Eintrag.

Heise war nicht immer Herausgeber. Vielmehr erfahren wir in dem Artikel  "Angriff auf die Lachmuskeln: Nordland-Verlag übernimmt 'Volk in Bewegung' " im Magazin "Endstation rechts" vom 04.04.2011 (meine Hervorhebungen): 
"Als ..... Leser des rechtsextremen Magazins 'Volk in Bewegung' (ViB) flatterte uns jüngst ein Schreiben des NPD-Bundesvorstandsmitglieds Thorsten Heise in den Kasten. Und siehe da: Er kündigte im Namen des Nordland-Verlages an, das Blatt als Herausgeber übernommen zu haben. ..... Während bereits Anfang des Jahres angekündigt worden war, dass der bisherige 'Schriftleiter' Andreas Thierry das Handtuch schmeißen würde, aus "persönlichen Gründen', wie es damals hieß, scheint 'Volk in Bewegung' doch vor erheblichen Veränderungen zu stehen. Für die aktuelle Ausgabe jedenfalls wurde schon einmal das Titelbild völlig neu gestaltet. Aber das wird nur der Anfang sein, wenn man Heises Worten Glauben schenken darf.
Vorliegend sind Heises Sprüche über das angeblich "hohe, bisherige Niveau der Zeitschrift", die er als "wichtigste Publikation mit Niveau im nationalen Lager" bezeichnet, unerheblich. Für mich geht es allein darum, dass im Heft 05/2011, also unmittelbar nach der offenbar im März 2011 erfolgten Übernahme der Herausgeberfunktion durch Thorsten Heise (Wikipedia-Stichwort) mit "Landolf Ladigein neuer Autor auftaucht, und zwar als Verfasser des Artikels
"Deutsche Impulse überwinden den Kapitalismus. Krisen, Chancen und Auftrag"  (Download z. B. auf der Webseite von Prof. Hajo Funke möglich)

Daran, dass Björn Höcke hinter dem Pseudonym "Landolf Ladig" steckt, habe ich nicht die mindesten Zweifel. Zwar hat Höcke schon manchem mit einer Klage gedroht, der diese Identität positiv behauptet. Aber weder hat er seine großspurige Ankündigung wahr gemacht, noch
gibt Landolf Höcke alias Björn Ladig eine eidesstattliche Erklärung über die Nicht-Identität ab. Tatsächlich liefert eine synoptische Gegenüberstellung von "Ladig-" und Höcke-Texten (erstellt von Andreas Kemper, der diese Identität aufgedeckt hatte, und in dessen Blog herunterzuladen) eine Fülle von Indizien, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Identität des pseudonymen Schreibers "Landolf Ladig" mit dem AfD-Politiker Björn Höcke nachweisen. Und dieser NS-Fan ist Landes- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen!
Als weiteres (schwächeres, aber ergänzendes) Indiz kommt Höckes unbestrittene Bekanntschaft mit dem eingangs erwähnten Thorsten Heise hinzu - sowie die oben besprochene Tatsache, dass der Autor "Landolf Ladig" justament nach der Übernahme der Herausgeberschaft durch Heise in dem NPD-Theorieblättchen auftaucht.

In seinem o. a. "Antikapitalismus"-Artikel outet sich der Autor als Nazi-Fan (meine Hervorhebungen):
"Nicht die Aggressivität der Deutschen" sei "ursächlich für zwei Weltkriege" gewesen, "sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, daß die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomische Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen. Der zweite Krieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, wären ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich allerorten Nachahmer gefunden hätte."

Die Idee, dass die Nationalsozialisten eine "Antiglobalisierungsbewegung" gewesen seien, hat sich Ladig/Höcke nicht selber ausgedacht. In ähnlicher Weise findet sie sich z. B. in dem Buch "Unternehmen Patentenraub 1945: Die Geheimgeschichte des größten Technologieraubs aller Zeiten" von Friedrich Georg (erschienen 2008, 5. Auflage 2010, im ultrarechten Tübinger Grabert-Verlag), wo es heißt:
"Es mußte für ihr [der US-Eliten] wirtschaftliches Wohlergehen ..... verhindert werden, daß sich ein neues Handelssystem [nämlich das NS-System des Tausch-Außenhandels] den globalen Weg bahne und den wirtschaftlichen Liberalismus wie eine Börsenblase platzen lasse. Auch von einer anderen Seite drohte Gefahr für das 'westliche System', wie wir es heute kennen: Was würde geschehen, wenn autoritä­ren Wirtschaftssystemen der Nachweis gelingen werde, daß der bis heute immer noch für zutreffend gehaltene 'unaufhebbare Zusammenhang' zwischen liberaler Demokratie und Wohlstand ein reiner Zufallstreffer war?"

In Wahrheit betrieben die Nazis eine kriegsvorbereitende Autarkiepolitik (s. a. hier und, sehr interessant, dort), die wenig erfolgreich und definitiv wohlstandsmindernd war. Speziell zur Außenwirtschaft gibt es die Seminararbeit "Der deutsche Handel zur Zeit des Nationalsozialismus" von 1998. (Ich vermute, dass die dortigen Angaben weitgehend auf dem Buch "Deutschland als Welthandelsmacht 1930-1945" von Prof. Willi A. Boelcke aufbauen, das mir jedoch nicht vorliegt.)
Besonders ist auf die Arbeit "Das NS-Regime und die Überwindung der Weltwirtschaftskrise in Deutschland" von Christoph Buchheim zu verweisen, die 2008 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte erschienen ist (meine Hervorhebung):
"Die Legende ist zählebig. Hitler, so lautet sie, habe nach der Machtergreifung sofort energische Maßnahmen ergriffen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, und damit binnen kurzem beachtliche Erfolge erzielt. Christoph Buchheim, einer der renommiertesten deutschen Wirtschaftshistoriker, widerlegt diese apologetische Sicht: Die Konjunktur sprang bereits vor dem 30. Januar an, außerdem griffen die von den Vorgängerregierungen eingeleiteten Arbeitsbeschaffungsprogramme, während die Regierung Hitler viel zu spät und viel zu halbherzig tätig wurde, um den Aufschwung in nennenswertem Maße beeinflussen zu können. Schließlich räumt Buchheim auch mit der Vorstellung auf, der Arbeiterschaft sei es nach 1933 rasch besser ergangen. Noch 1938 war beim Nettolohn das Niveau von 1928 nicht erreicht."
Zur Entwicklung des privaten Verbrauchs vgl. z. B. auch "Guns and Butter – But No Margarine: The Impact of Nazi Economic Policies on German Food Consumption, 1933-38", ein "Discussion Paper" von Mark Spoerer und Jochen Streb von der Uni Hohenheim (2010).
Warum die Menschen damals dennoch relativ zufrieden waren, versucht Fabian Wahl in seiner Untersuchung "Die Entwicklung des Lebensstandards im Dritten Reich: Eine glücksökonomische Perspektive" zu erklären.
Allerdings haben die Nazis durchaus auch einige soziale Wohltaten eingeführt.


Die einschlägige Fachliteratur der seriösen Forschung zu rezipieren, ist freilich nicht die Sache von Höcke/Ladig. Der hält die Nazis offenbar für hervorragende Ökonomen, welche um Haaresbreite die gesamte Welt mit ihrem Antiglobalismus beglückt haben würden. Doch ach: Finstere Mächte haben die braunen Lichtgestalten heimtückisch in einen Krieg verwickelt!
Somit war der liebe Onkel Adolf bei seinem Überfall auf Polen nicht etwa ein imperialistischer Landräuber. Sondern nach Meinung von "Landolf Ladig" (alias, wie wir gesehen haben, Björn Höcke) seinerseits das bedauernswerte Opfer böser, böser Mächte! 
Solche Geschichtsklitterung mag NPDlern runtergehen wie Öl. Dass der Nazi-Fan Höcke allerdings in der Alternative für Deutschland nicht nur einen Platz gefunden hat, sondern mit seinem Flügellanten-Anhang diese Partei weitgehend dominiert: Das ist ein starkes Stück! Würde der AfD-Bundesvorstand seinen eigenen "Grundsatzbeschluss zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung" ernst nehmen (mit dem er auf der AfD-Homepage nach wie vor seine Verfassungstreue vorzuspiegeln versucht), dann müsste er Höcke aus der Partei rauswerfen. Oder zumindest ihn (und ebenso seinen Thüringer Landesverband) zu einem Gerichtsverfahren gegen den Verfassungsschutz zwingen.

Denn unter Ziff. 3 heißt es:
"..... wenn ein Mitglied Äußerungen macht oder andere Verhaltensweisen vornimmt, die rechtmäßig als Anhaltspunkte für gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Bestrebungen der AfD gewertet werden können, ist das ein erheblicher Verstoß gegen die Grundsätze der Partei."

Zwar macht der Text unter Ziff. 4 eine (grundsätzlich durchaus berechtigte!) Ausnahme:
"In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass die Verfassungsschutzbehörden häufig Äußerungen oder andere Verhaltensweisen als Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen der AfD oder einer Gliederung der Partei bewerten, obwohl ..... die Bewertung der Verfassungsschutzbehörden nach Auffassung der AfD ..... rechtswidrig ist."

Aber letztlich hat sich der AfD-BuVo zu einer gerichtlichen Klärung verpflichtet (meine Hervorhebung):
"Die AfD geht in geeigneter Weise gegen rechtswidrige Bewertungen der Verfassungsschutzbehörden gerichtlich vor." (Ebenfalls Ziff. 4)

Dieser Klärung weicht der amtlich als Rechtsextremist zertifizierte Björn Höcke aus, und wird dabei vom AfD-Bundesvorstand gedeckt.
Natürlich kann der BuVo nicht für das Parteimitglied Björn Höcke klagen; auch nicht für den Thüringer Landesverband der Partei. Wohl aber könnte (und müsste!) er beiden die Pistole auf die Brust setzen: Klagt - oder verlasst die Partei!
Da er das nicht tut, macht er die AfD für den Verfassungsschutz angreifbarer, als nötig wäre. Und nimmt es hin, dass die AfD-Mitglieder in Thüringen als Extremisten dastehen. Das hat z. B. zur Folge, dass die Gewerkschaft ver.di in diesem Bundesland AfDler rauswerfen bzw. denen die Aufnahme verweigern kann.
Aber okay: Solange 
sich die Schäfchen gefallen lassen, dass ihrem Landesvorsitzenden seine eigene Ehre sowie Ehre und Wohlergehen der Mitglieder (und letztlich die Gesamtpartei - und am Ende sogar Deutschland!) total unwichtig sind und er seine persönlichen Diäteninteressen über alles stellt, ist das deren eigene Naivität. Eventuelle Schäden daraus treffen sie nicht unverdient.
Weil nach Höckes eigener Meinung (im Buch) "Unsere Zukunft auch an der Frage männlicher Ehre und Würde" hängt, müsste er sich eigentlich freiwillig aus der Politik verabschieden. Denn wer sich öffentlich von deutschen Behörden als "Rechtsextremist" einstufen lässt, ohne dagegen vorzugehen, ist eine erbärmlich feige Germemme, der jedwede "Ehre" und "Würde" am Allerwertesten vorbeigeht: Hauptsache, seine fetten Diäteneinkünfte sind gesichert!

In einer Rede vom 23.01.2019 "bei Dresden") (S. 99 ff. des Höcke-Heftes der COMPACT-Edition) hatte Höcke noch große Töne gespuckt (S. 102; meine Hervorhebung):
"Wir sollten den juristischen Kampf [gegen den Verfassungsschutz] auf allen Ebenen bis in die letzte Instanz durchfechten!"
Dass er nunmehr den Kampf gar nicht erst aufnimmt, liegt nicht (wie die meisten seiner Fans unterstellen) an seinem mangelnden Vertrauen in die Justiz:
"Ja, werden dann einige zu Recht anmerken: Die Richter sind doch auch von den Kartellparteien eingesetzt. ..... Trotzdem gibt es noch genügend Richter, die sich nur an Recht und Gesetz gebunden fühlen."
Offenkundig hat er Angst, dass seine Identität mit Landolf Ladig vor Gericht thematisiert wird. Wie es unweigerlich der Fall wäre, wenn der Vorwurf des Rechtsextremismus gegen ihn und seinen Landesverband dort abgehandelt würde.
Also kneift der GröFaZ (Größte Feigling aller Zeiten), der vielleicht auch Angst hat, dass die Gerichte ihn tatsächlich als Rechtsextremisten einstufen könnten.
Ich selber lasse hier offen, ob zu Recht oder nicht; aber nachvollziehbar wäre eine solche Einordnung für mich.


Freilich mögen manche von der Identität Björn Höckes mit dem Nazi-Fan Landolf Ladig nicht überzeugt sein. Die Frage wäre also, ob sich er auch während seiner Zeit in der AfD in einer Weise geäußert hat, die Indizien für seine positive Einstellung zum NS-System liefert.
Zur Klärung untersuchen wir eine Reihe von Äußerungen, die Höcke unter seinem Klarnamen gemacht hat:


1) In einem Interview*, das er Anton Troianovski, dem Deutschland-Korrespondenten des Wall Street Journalam 17.1.2017 gegeben hat (und zwar, wie ich mich aus anderer Quelle erinnere, direkt im Anschluss an seine berüchtigte "Dresdner Rede" vom gleichen Tag) beantwortete Höcke die Frage des Interviewers
"Es gibt zum Beispiel den Historiker [Stefan] Scheil, ich habe gelesen, Sie haben zusammen mal mit ihm ein Interview gemacht in der Sezession. Was halten Sie von seinen Thesen? Da geht es ja auch darum die unmittelbare Schuld, oder wie auch immer, für den Anfang des Zweiten Weltkriegs etwas anders zu sehen
mit dem Versuch einer wenigstens teilweisen Reinwaschung Hitlers vom Vorwurf der Entfesselung des 2. WK (meine Hervorhebungen):
"Stefan Scheil hat sicherlich zu dem Thema profund geforscht. Es gibt andere Bücher, die erschienen sind in den letzten Jahren, die für große Furore gesorgt haben. Zum Beispiel, Gerd Schultze-Rhonhof, der kein Historiker von Hause aus ist, der aber ein sehr guter Autodidakt ist, der aber ein Buch geschrieben hat, das heißt, '1939: Der Krieg, der viele Väter hatte'. Das ist über 50.000 Mal meines Wissens auch verkauft worden und da geht’s eben darum. Wissen Sie, das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt. Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt. Und dass es viele Grautöne gibt. Und es gibt viele Quellen, die darauf schließen lassen, wenn man es interpretiert, dass dieser 2. Weltkrieg nicht unbedingt zum 2. Weltkrieg — Betonung auf Weltkrieg — hätte werden müssen, wenn nicht auch interessierte Mächte am Werke gewesen wären, die diesen Krieg eskaliert haben. Und ich denke, das wird sicherlich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch zur entsprechenden Aufarbeitung führen und wird sicherlich neue Historikerdiskussionen auch hervorrufen. Ich glaube, jetzt ist so die Zeit, die letzten Überlebenden der Zeit des 2. Weltkrieges sterben langsam, es gibt dann kaum noch einen der lebt und diese Zeit am eigenen Leibe erlitten und erlebt hat, und es wird dann auch zu einer anderen, zu einer neuen Sicht auf die Dinge führen, und zu einer neuen Fragestellung, davon bin ich überzeugt."

* [Wohl erstmalig wurde das Interview in einem - kostenpflichtigen - WSJ-Bericht vom 02.03.2017 erwähnt. Teilweise veröffentlicht wurde es dann am 07.03.2017; daher ist in einer ganzen Reihe von Sekundärquellen das Interview-Datum falsch angegeben. In meinen Blotts "Björn Höckes historische Schokoladenkur: Medizin gegen den Schuldkult - oder gegen seine Schuldgefühle?" vom 20.1.2017, "Höckes Hitler-Reha: 50.000 Buchkäufer können nicht irren!" vom 9.3.2017 und schließlich noch "Deutsch sein heißt, sein Vaterland DENNOCH lieben: Schlammpatriotismus und andere Gefahren für die AfD" vom 14.7.2019 hatte ich die Sache bereits ausführlich erörtert; aber den infantilen Ultranationalismus eines Höcke kann man gar nicht oft genug entlarven.]


2) In seinem Gesprächsbuch "Nie zweimal in denselben Fluss" behauptet er :
"Der alte Wirtschaftskrieg der Seemächte Großbritannien und USA gegen den Kontinent im 20. Jahrhundert nährt weiterhin die Konfliktdynamiken des 21. Jahrhunderts".
Natürlich wurden der Erste und der Zweite Weltkrieg auch als Wirtschaftskriege geführt. Aber darum geht es ihm nicht: Sondern um "den" "alten" Wirtschaftskrieg - angeblich sogar gegen den ganzen Kontinent! Damit weist Höcke implizit England und den USA auch an beiden Weltkriegen die Schuld zu. Denn nach dieser Darstellung hätten beide Mächte während des gesamten 20. Jahrhunderts einen Dauerkrieg gegen "den Kontinent" geführt: meist versteckt als "Wirtschaftskrieg", der dann zu anderen Zeiten in einen "heißen" Krieg übergegangen wäre. Und zwar dadurch, dass Deutschland aus purer Verzweiflung "zum Schwert greifen musste", oder dass Großbritannien und/oder die USA das Gefühl hatten, Deutschland mit einem bloßen Wirtschafts"krieg" nicht beikommen zu können und deshalb dieses bedauernswerte Unschuldslamm heimtückisch verleitet haben, einen Krieg zu beginnen. 

Auch die Vorstellung von einem durchgängigen Wirtschaftskrieg der Anglo-Amerikaner gegen Deutschland ist nicht auf Höckes eigenem Mist gewachsen. 
Im "Internet Archive" ist ein Text mit dem Titel "Hitler, Adolf - Das Geheime Zweite Buch" eingestellt. Angeblich soll Hitler ihn 1928 verfasst haben, wollte ihn dann aber doch nicht veröffentlichen lassen. Was (bzw. wer) immer dahinter stecken mag: Jedenfalls ist auch in diesem Text von einem DURCHGÄNGIGEN Wirtschaftskrieg die Rede und wird der I. Weltkrieg als Fortsetzung des angeblich schon vorher geführten Wirtschaftskrieges auf der "heißen" Ebene interpretiert (meine Hervorhebung):
"Es gehört wirklich die ganz unglaubliche bürgerlich-nationale Naivität dazu, zu meinen, daß England eine ihm gefährliche deutsche Konkurrenz dulden würde oder auch nur könnte. Dabei sind das dieselben Leute, die sehr genau wissen und es auch immer betonen, daß Deutschland im Jahre 1914 den Krieg nicht gewollt hat, sondern daß es buchstäblich hineingestoßen wurde. Und daß es England gewesen ist, das aus reinem Konkurrenzneid die sonstigen Feindschaften in Europa sammelte und gegen Deutschland losließ. Heute aber bilden sich diese unverbesserlichen Wirtschaftsphantasten ein, daß, nachdem England in einem 4 1/2 jährigen ungeheuren Weltkrieg die ganze Existenz seines Weltimperiums auf das Spiel gesetzt hat und dabei Sieger blieb, jetzt eine deutsche Konkurrenz mit anderen Augen betrachten würde wie damals. Als ob diese ganze Frage überhaupt für England eine sportliche Angelegenheit wäre. Nein. England hat jahrzehntelang vor dem Kriege versucht, die bedrohliche deutsche Wirtschaftskonkurrenz, den anwachsenden deutschen Seehandel usw., mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen zu brechen. Erst als man einsehen mußte, daß dies nicht gelingen würde, und im Gegenteil Deutschland durch die Bildung seiner Kriegsflotte anzeigte, daß es entschlossen war, seinen Wirtschaftskrieg wirklich bis zur friedlichen Eroberung der Welt durchzuführen, hat England als letzte Hilfe die Gewalt angerufen. Und nun,, nachdem es Sieger geblieben ist, glaubt man, könne sich das Spiel von neuem wiederholen, wobei Deutschland zu allem Überfluß heute gar nicht in der Lage ist, eben dank seiner Innen- und Außenpolitik irgendein gewichtiges Machtmoment in die Waagschale zu werfen."

Bei der neueren Rechtsaußen-Literatur werden wir fündig z. B. in dem Buch "Ausplünderung Deutschlands seit 1919 / 18 Billionen bis 2010" von Hans Meiser, erschienen 2010 im (ultrarechten) Tübinger Grabert Verlag. Dort heißt es bereits in der Einleitung (meine Hervorhebungen):
"Im 20. Jahrhundert wurde das deutsche Volk gleich zweimal das Opfer eines alliierten Vernichtungswillens, der sich weder gegen die kaiserliche Monarchie noch gegen das NS-Regime HITLERS richtete, sondern einzig und allein gegen die Vormachtstellung des Deutschen Reiches. Der deswegen geführte »Zweite Dreißigjährige Krieg«*, wie CHURCHILL diese Periode bezeichnete, war keineswegs mit dem Kriegsende 1945 abgeschlossen. Er wurde, wie in der Zwischenkriegszeit, auch nach 1945 bis heute unaufhörlich weitergeführt, wenn auch mit anderen Mitteln. Die Anglo-Amerikaner hatten sich schon in der Vergangenheit keineswegs nur auf heiße Kriege beschränkt, sondern meistens Wirtschafts- und Handelskriege geführt."
* Den Begriff "Dreißigjähriger Krieg" hat Churchill tatsächlich benutzt, jedoch nicht erfunden. Er wollte damit auch keineswegs sagen, dass Großbritannien Deutschland durchgängig vom 1. bis zum 2. Weltkrieg bekämpft habe.

Das vermittelt eine Vorstellung davon, aus welchen Mistkübeln Höcke seine polit-paranoiden Wahnvorstellungen aufgabelt. Der Mann ist schlicht nicht dicht; er ist ein politisch unzurechnungsfähiger Spinner. Und allemal ist er als Geschichtsrevisionist jemand, der Adolf Hitler zumindest teilweise von der Kriegsschuld zu entlasten versucht. Die NS-Verbrechen leugnet Höcke nicht; jedoch will er sie einerseits in den Hintergrund rücken und andererseits kompensieren, indem er dem Adolf gute Seiten andichtet. (Die hatte Hitler auch wirklich: z. B. war er väterlich-fürsorglich zu seinen Sekretärinnen. Aber für die Bewertung Hitlers ALS HISTORISCHEM AKTEUR sind solche privaten Züge unerheblich. Sie rechtfertigen, entschuldigen oder relativieren in keinster Weise Hitlers historische Rolle als DAS ABSOLUTE BÖSE IN DER DEUTSCHEN GESCHICHTE.)

Jedenfalls wissen wir nun, wo der "Landolf Ladig" zwar nicht den Most holt, aber dafür jene Jauche süffelt, die er für geistiges Manna hält.
Erfährt man andererseits, welchen ausgesprochenen Schwachsinn der große Weltendenker Höcke über das Reproduktionsverhalten der Afrikaner verbreitet und aus welcher Jauchegrube dieser intellektuelle Müllschlucker jenes "Wissen" geschöpft hat, dann wird man die Identität von Ladig und Höcke ohne weiteres für plausibel halten.
Liest man (im FOCUS) schließlich noch über Höckes Selbstverständnis, "Er habe 'Geschichte mit den westlichen Erklärungsansätzen studiert' und in den 'letzten zehn Jahren so viel gelesen, dass die Westsicht nicht mehr für mich zu vertreten' sei", kann man sich gut vorstellen, welchen ultrarechten Schund der sich reinzieht. Und das 
wohl kaum erst seit 10 Jahren.
Und das tut er nicht etwa kritisch, wie er das als studierter Historiker könnte und müsste. Vielmehr zeigt sein Umgang mit dem Buch von Schultze-Rhonhof (dessen vermeintlichen Wert er nicht inhaltlich, sondern - unterschwellig - durch die Auflagenhöhe beweisen zu können glaubt!), dass er wie ein ausgetrockneter Schwamm allen Spülicht gierig aufsaugt, der seinem ultranationalistischen Weltbild scheinbare Bestätigungen liefert.


3) In Höckes  bereits erwähntem Gesprächsbuch legt ihm sein Partner einen Steilpass vor, damit er sich vermeintlich vom Ruch des Rechtsaußen befreien kann:
"Sie sind also nicht grundsätzlich gegen eine »Vergangenheitsbewältigung«?"
Höcke "verwandelt" mit der für ihn charakteristischen Methode einer Begriffsverwirrung einerseits und Relativierung des Nazi-Regimes andererseits (meine Hervorhebung):
"Im Gegenteil: wir brauchen sogar eine erneute Beschäftigung mit unserer Geschichte, aber eben eine ganz andere als die wir heute erleben. Dieses übereifrige Abhaken von gut und böse zeugt eher von einer Bequemlichkeit, die einem tiefergehenden, auch schmerzlichen Nachdenken über die eigene Vergangenheit ausweichen will. Es geht nicht um das »Weißwaschen« anstelle eines »Braunfärbens«. Die Wirklichkeit ist immer viel komplexer und widersprüchlicher, als es die allzu simplen politischen und moralischen Schubladen erfassen können. Schon wer den Begriff »Vergangenheitsbewältigung« für die heutige Art und Weise der Geschichtsverarbeitung verwendet, unterliegt einem semantischen Irrtum: Bewältigt werden soll hier gar nichts – das wäre ja innere Reifung und Stärkung –, sondern nur unser nationales Selbstwertgefühl unterminiert werden."
Hier ist zunächst einmal festzuhalten, dass Höcke dem Leser einen Gegensatz unterjubeln will, wo in Wahrheit "Äpfel und Birnen" in den Raum gestellt werden: Wer sich mit der Geschichte BESCHÄFTIGEN will, der will keineswegs zwangsläufig eine VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG betreiben! Aber Höcke will ÜBERHAUPT KEINE Beschäftigung (der breiten Öffentlichkeit) mit der Nazi-Zeit; seine empörte Entgegnung "im Gegenteil" ist nichts als die Streubüchse eines ewiggestrigen Sandmännchens.

Denn wie wir anhand der Kriegsschuldfrage (oder der uns angeblich von den Siegern aufoktroyierten Vergangenheitsbewältigung) gesehen haben, ist sein Gerede von einem "tiefergehenden", oder gar "schmerzlichen" Nachdenken nichts als heiße Luft. Dieser Mann denkt ÜBERHAUPT NICHT  über die Nazis nach, jedenfalls nicht in einem irgendwie objektiven Sinne. Das einzige, worüber er tatsächlich vertieft nachgedacht hat, ist die Frage, wie er so polyvalent formulieren kann, dass er seinen Äußerungen immer die gegenüber dem jeweiligen Rezipienten für ihn günstige Bedeutung unterschieben kann. 
Freilich kommt in der Summe eben doch die Wahrheit heraus: Höcke leidet nicht nur unter den Untaten der Nazis. Er versucht, sich seinem Leiden durch Geschichtsmanipulation zu entziehen:
- Einerseits durch Relativierung, indem er Hitler wenn schon nicht weiß, dann doch wenigstens "grau" waschen will. 
- Andererseits durch kollektives Vergessen [durch Abschaffung des, wie es an anderer Stelle heißt, "öffentlichen Erinnerungszwang(s)"]. 

Übrigens beweist der Satzteil "Die Wirklichkeit ist immer viel komplexer und widersprüchlicher, als es die allzu simplen politischen und moralischen Schubladen erfassen können" neuerlich, dass Höcke keineswegs nur die Erinnerung an die guten Aspekte bzw. Zeiten deutscher Geschichte fördern will, sondern sogar auch dem NS-Regime gute Seiten zusprechen. Angesichts seiner anzunehmenden Identität mit dem Nazi-Fan Landolf Ladig ist das nicht verwunderlich; zudem stimmt es mit seiner bereits in dem o. a. WSJ-Interview präsentierten Bewertung (s. o.) überein:
"..... das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt. Wir wissen aber natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt. Und dass es viele Grautöne gibt.
Hitler war also, auch jenseits der Kriegsschuldfrage, gar nicht so böse, wie man ihn heute sehen will. Und wenn es in der NS-Geschichte "..... kein Schwarz und kein Weiß gibt", sondern "viele Grautöne", dann war die auch kein Zivilisationsbruch mehr, sondern ist auf die ganz normale Geschichtsebene mit 'Licht und Schatten' heruntergebrochen. Durch diese Operation wäre Hitler endlich nicht mehr das "absolute Böse", sondern mit anderen Herrschern der deutschen Geschichte kommensurabel. Plötzlich ist der alte Adolf gar nicht mehr so schlimm. Sondern, wie andere historische Figuren auch, eine Mischung von Gut und Böse: mal vom einen etwas mehr, mal vom anderen etwas weniger. Um den Teufel wenigstens grau zu waschen, muss man den vielen schwarzen Flecke genügend weiße entgegensetzen. Entsprechend verharmlost Höcke kurzerhand die gesamte Nazizeit mit seiner Einschätzung, dass eine pauschale Verurteilung das NS-Regime in "allzu simplen politischen und moralischen Schubladen erfassen" würde!

Der Interviewer hatte Höcke dann leider auf das Gebiet einer quasi ethik-mathematischen Debatte entschlüpfen lassen:
WSJ: "Natürlich wenn jetzt in der deutschen Öffentlichkeit, wenn man das hören würde, dass Hitler irgendwie als absolut böse dargestellt wird und dass es Grautöne gibt, dann würde es bestimmt Aufruhr geben - also was meinen Sie genau damit - Grautöne?"
Höcke: "Alle menschliche Politik - also ich müsste jetzt philosophisch werden - Geschichten sind Grautöne. Also wir haben - in der Philosophie haben wir die Möglichkeit, Absolutes zu denken. Wir können Gott denken als allmächtiges, allgütiges Wesen, wir können den Teufel denken als absolut Böses. Aber die Welt hat - der Mensch hat - Grautöne. Sogar der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebenswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher. Das meine ich damit. Es gibt kein absolutes Schwarz und kein absolutes Weiß in der Sphäre der Wirklichkeit."


Bei mir hat es lange Zeit gedauert, bis der Groschen gefallen ist und ich Höckes Täuschungsmanöver durchschaut habe. (Wobei diese Täuschung bei ihm keine zynische Strategie ist: So clever ist der nicht. Aber die Technik des schlauen Ausweichens und vor allen Dingen auch diejenige der Selbsttäuschung beherrscht Höcke im Schlaf!) Indem er sagt
"..... die Welt hat - der Mensch hat - Grautöne. Sogar der schlimmste Schwerverbrecher hat vielleicht irgendetwas Gutes, irgendetwas Liebenswertes, aber er ist trotzdem ein Schwerverbrecher. Das meine ich damit"
erweckt er den falschen Eindruck, dass heutzutage jede einzelne Handlung Hitlers als böse dargestellt werde. Und er ihn vor dieser Ungerechtigkeit bewahren möchte.
Dieser Strategie bin ich selber tatsächlich auf den Leim gegangen - und habe mich empört, wenn die Medien es Höcke zum Vorwurf gemacht haben, dass er nicht bereit sei, Hitler als absolut böse zu bezeichnen. Schließlich hat Höcke in einem "ethikmathematischen" Sinn doch Recht, dass niemand täglich, stündlich und minütlich böse sein kann?
Mittlerweile weiß ich, dass die Medien Recht haben. Allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass die gar nicht genau wissen, warum sie mit ihrer Kritik richtig liegen.

Wie er das auch sonst gerne tut (z. B. mit dem Kapitalismus) baut nämlich Höcke hier einen Popanz auf, der gar nicht der Realität entspricht. Denn sicherlich behauptet NIEMAND, dass Hitler in jeder Minute seiner Existenz - oder meinetwegen erst ab 1933 oder 1939 - böse gewesen sei. Das fingiert Höcke.
Dennoch ist seine Behauptung korrekt, dass Hitler heute "als absolut böse" dargestellt wird. Nur hat sie eine völlig andere Bedeutung, als Höcke ihr unterzuschieben sucht.

Diese Charakterisierung gilt nämlich vor dem Hintergrund (mindestens) der deutschen Geschichte. Hitler ist eben in keinster Weise mit Friedrich dem Großen, Bismarck usw. kommensurabel (vergleichbar). Hitlers Verhalten war ein ABSOLUTER ZIVILISATIONSBRUCH. Alles andere war "normale" Geschichte mit 'Licht und Schatten'; Hitler dagegen war, in der historischen Dimension, tatsächlich das "absolute Böse".
Das ist der REALE Diskurshintergrund, auf den Höcke sich bezieht - und der ihm ersichtlich missfällt. Und weil genau diese (zutreffende!) historische Einordnung Hitlers den Höcke stört, ist die Schlussfolgerung gerechtfertigt, dass Höcke ein Hitler-Fan ist. An dem er offenbar so viele "weiße" Seiten sieht, dass eine aus seiner Sicht gerechte Würdigung Hitlers den "Schwerverbrecher" in einem strahlenden historischen Grau erscheinen lassen würde.


4) Dass Höcke in seiner Dresdner Rede die Rede des seinerzeitigen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 08.05.1985 (also zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation) als eine "Rede gegen das eigene Volk und nicht für das eigene Volk" denunziert hatte, lässt darauf schließen, dass ihm ein Fortbestand des NS-Regimes lieber gewesen wäre als die deutsche Niederlage. So fragt denn auch der SPIEGEL im Höcke-Interview "Ich denke ganz anders" (SPIEGEL-Druckausgabe Nr. 8/2017), ob Höcke sich eine Fortdauer der Nazi-Diktatur gewünscht hätte:
"In Ihrer Rede kritisierten Sie Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der den 8. Mai als 'Tag der Befreiung' bezeichnet hatte. Wäre es Ihnen lieber gewesen, die Naziherrschaft hätte angedauert?"
Einer ehrlichen Antwort weicht Höcke aus, indem er sagt: 
"Dass die Nazidiktatur überwunden werden musste, das ist doch selbstverständlich."
Wer freilich den Nationalsozialismus wann und auf welche Weise hätte überwinden sollen (und vor allen Dingen: hätte überwinden KÖNNEN!), wenn nicht Deutschlands Kriegsgegner, sagt (und weiß) Höcke nicht. Ebenso nichts dazu, was aus den besetzten Gebieten hätte werden sollen. Und dass diejenigen KZ-Insassen, die von den Alliierten doch noch gerettet werden konnten, bei einer Fortdauer des NS-Regimes sicherlich ebenfalls ermordet worden wären: Das alles erörtert Höcke nicht und vor allen Dingen interessiert es ihn nicht. Die Nazis waren Deutschland, die Niederlage der Nazis war die Niederlage Deutschlands - und diese Niederlage seines Landes ist für den ultranationalistischen Kryonik-Björn eine narzisstische Kränkung.

Im Fortgang belügt Höcke die Interviewer und Leser sogar vorsätzlich, wenn er  seine Kritik an v. Weizsäcker als einen Dienst an der historischen Wahrheit erscheinen lässt:
"Aber ebenso selbstverständlich war der 8. Mai 1945 für die Menschen, die in diesem vollkommen ausgebombten Land dahinvegetierten, nicht nur eine Befreiung, sondern eben auch eine totale Niederlage. Die Deutschen erlebten den 8. Mai 1945 nun mal ambivalent. Die einen hatten Glück und wurden von Soldaten befreit, die ihnen Kaugummis und Schokolade gaben. Andere trafen auf Soldaten und wurden vergewaltigt. Für viele Deutsche begann auch eine neue Diktatur. In Ostdeutschland war erst der 9. November 1989 der Tag der Befreiung. Als Geschichtslehrer muss ich diese Ambivalenz berücksichtigen."
Denn diese subjektive Ambivalenz der deutschen Niederlage hatte Weizsäcker bereits selber berücksichtigt (meine Hervorhebung):
"Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewußt erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, daß Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche vor dem geschenkten neuen Anfang. ..... Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. 
Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte. Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."

Wenn Höcke von einer "rhetorisch wunderbar ausgearbeitete[n] Rede, stilistisch perfekt" spricht, dann unterstellt er v. Weizsäcker eine bewusste Täuschungsoperation, um angeblich "gegen das eigene Volk und nicht für das eigene Volk" zu agitieren. Aber in allererster Linie hat Weizsäcker seine Rede insoweit INHALTLICH "wunderbar" und geradezu "perfekt" ausgearbeitet, als er wohl abgewogen ALLE Perspektiven berücksichtigt, die man (z. B. als Ausgebombter, Heimatvertriebener - oder eben als KZ-Insasse) auf die deutsche Niederlage haben kann. 
An seiner Schlussfolgerung "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" kann niemand rütteln: die stellt nämlich gerade NICHT auf subjektive Befindlichkeiten ab, sondern konstatiert im Kern die unleugbare Tatsache, dass der die totale Niederlage Deutschland vom NS-System befreit hat - und in dieser Hinsicht ein "Tag der Befreiung" war. Das ist, unabhängig von jeder Wertung (sowie auch von der anschließenden Wieder-Unterdrückung der Deutschen in der DDR durch ein anderes Regime) einfach Fakt.
Dagegen sind Weizsäckers Charakterisierungen des NS-Systems als "menschenverachtend" und als "GewaltherrschaftWERTENDER Natur. Aber selbstverständlich zutreffend. Wenn Höcke insoweit anderer Meinung ist, dann möge er das sagen. Oder wenn für ihn die vermeintliche "Antiglobalisierungsbewegung" der Nazis deren menschenverachtende Gewaltherrschaft aufwiegt. Letzteres HAT Höcke tatsächlich angedeutet (s. o.): Indem er Hitler und den Nazis attestiert, dass sie so abgründig böse, wie sie heute dargestellt werden, nun auch wieder nicht waren: Licht und Schatten halt.

Ich wüsste nicht, welche andere Passage als "Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung" Höcke als heimtückische Irreführung der Deutschen verstanden haben könnte? 
Etwa diese Stelle "Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg." - ???

Höcke ist jenen "große[n] Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit" mit denen uns der 8. Mai lt. Weizsäcker konfrontiert, psychologisch nicht gewachsen. Er ist ein amoralisches Würstchen, ein Drückeberger, dessen ganzes Weltbild darauf aufbaut, "den 8. Mai 1945 vom 30. Januar 1933 [zu] trennen" (verkürztes Zitat aus der Weizsäcker-Rede, der in der vollständigen Version - s. o. - gerade das Gegenteil fordert!). Ebenso leichtfüßig trennt Höcke die Bombardierungen deutscher Städte von der Kriegsschuld der Nazis sowie seinen Schmerz über Deutschlands Niederlage und seinen Hass auf die siegreichen USA vom Holocaust

Von allem anderen abgesehen zeigt es auch einen maximalen (National-)Narzissmus und ein maximal infantiles Weltbild, wenn Höcke sich wünscht (und es damit auch für realistisch hält), die Alliierten hätten Deutschland nicht bis zum bitteren Ende bekämpfen, sondern vorher Frieden mit dem Aggressor schließen sollen. Deutschland hatte die anderen Länder bis aufs Messer bekämpft - und die sollten dann, nachdem sie sichtbar auf der Siegesstraße waren, Frieden schließen und ihren aggressiven Feind weitgehend ungeschoren davonkommen lassen? Und das Nazi-Regime (ob nun mit oder ohne Hitler) fortbestehen lassen? Denn anders hätte das damalige Deutschland, wenn überhaupt, bestimmt keinen Frieden geschlossen.

Nein, mit dem NS-System hat der Herr Höcke nicht wirklich gravierende Probleme. 
Nur hat er sehr viel Pech beim (Nicht-)Denken.


5) Des GröFaZ* Höcke moralische Desertion vor den Nazi-Verbrechen
* Größter Feigling aller Zeiten

Im Jahre 2010 hatte Höcke an einer seinerzeit im SPIEGEL beschriebenen Neonazi-Demonstration in Dresden zur Erinnerung an die Bombardierung der Stadt 1945 durch britische und US-amerikanische Flugzeuge teilgenommen. Auf diesem Video ist u. a. Björn Höcke zu sehen. Zwar muss man dazu wissen, dass die martialisch klingenden Rufe "Wir wollen marschieren" nichts mit Nazi-Marschtritt zu tun hatten. Die bezogen sich lediglich darauf, dass Linke die Demo blockiert hatten und die Rechten ihre Demonstrationsroute nicht wie geplant ablaufen konnten. 
Aber natürlich hatten die rechtsextremistischen Demos in Dresden den Zweck, die Alliierten moralisch wegen ihres "Kriegsverbrechens" anzuprangern, wie Höcke das ausdrücklich wieder in seiner Dresdner Rede tut:
"Die Bombardierung Dresdens und der anschließende Feuersturm vernichteten das Elbflorenz und die darin lebenden Menschen. Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki."
Umgekehrt relativiert er damit die deutschen Nazi-Verbrechen mittels "Whataboutism": "Die anderen haben ja auch .....".

So wird auch seine  Behauptung verständlich (meine Hervorhebung):
"..... wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."
Damit jubelt er seinen Hörern unterschwellig die Geschichtsklitterung unter, dass andere Völker genau so schlimme Verbrechen begangen hätten wie der Holocaust, dessen "Singularität" er damit beiläufig ableugnet. 
Dass der Holocaust gänzlich unprovoziert war, dagegen die alliierten "Kriegsverbrechen" (wenn es denn nach damaligem Recht solche waren: das ist hier unerheblich) eine Reaktion auf den deutschen Eroberungskrieg waren, das spielt für Höcke keine Rolle. 

Ungewollt extrem verräterisch ist eine Bemerkung, die Höcke im Anfangsteil seines Buches macht, wo es um seine Lebensgeschichte geht. 
Ausgehend vom Vertreibungsschicksal seiner Großeltern ("Wie stark hat auf Sie das Vertreibungsschicksal der Großeltern gewirkt?") enthüllt Höcke dort seine relative Gleichgültigkeit gegenüber den Nazi-Opfern (meine Hervorhebungen):
"..... ist eine problematische Trennung zwischen Schicksalen entstanden, die allenfalls etwas bepflegt werden, damit Gras darüber wächst – denken Sie neben der Massenvertreibung aus Ostdeutschland auch an die hunderttausenden Alten, Frauen und Kinder, die im Inferno des anglo-amerikanischen Bombenterrors umkamen – und anderen, bei denen eine umfassende Erinnungsbewirtschaftung etabliert ist. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Dabei wird uns doch die Dimension des Grauens vor allem dort am deutlichsten bewußt, wo uns unmittelbar Nahestehende davon ergriffen werden."

Dieselbe Gleichsetzung der Opfer nimmt Höcke in diesem Passus vor:
"Keiner hat dabei die [heimatvertriebenen] zwanzigjährigen Mütter, die kaum mehr als ihres und ihrer Kinder nacktes Leben gerettet haben, gefragt, welche Traumata sie erlitten haben. Heute dagegen ist eine Konkurrenz um die grausigste Verfolgungsgeschichte entstanden, ein lukrativer Markt, auf dem das Gewicht des eigenen Leids die Waagschale nach unten drückt."

Unter der Lupe enttarnen diese Äußerungen einen ungeheuerlichen politisch-historischen Amoralismus des Sprechers:
  1. Sie stellen die deutschen Opfer des Kriegsgeschehens mit den Opfern der Nazis (den Opfern rassistischer und politischer Verfolgung ebenso wie den Kriegsopfern) auf ein und dieselbe Stufe: Beide Kategorien dampft Höcke auf das Kriterium "Opfer" ein. Das einzige Kriterium ist das Maß des erlittenen Leides ("Die grausigste Verfolgungsgeschichte").  Und wenn die NS-Opfer ihre Leiden beklagen, dann ist es ganz unerheblich, dass sie VÖLLIG UNSCHULDIG Verfolgte waren: Sie gehen mit ihrem Leid hausieren und glauben, sie wären die Einzigen, die damals gelitten hätten. Blind sitzen sie in der (und drücken sie auf die) "Waagschale" ihres eigenen Leides und wollen nicht sehen, wie sehr auch andere gelitten haben!
  2. Damit lässt Höcke völlig außen vor, dass Deutschland selber jenen Krieg ohne Not vom Zaun gebrochen hat, dem dann eben auch zahlreiche Deutsche (aber noch weitaus mehr Menschen in den Ländern der Kriegsgegner!) zum Opfer gefallen sind. Während etwa die Juden (hier als pars pro toto verstanden) die gänzlich unschuldigen Opfer einer in dieser Form noch nie dagewesenen Verfolgung geworden sind. Eine derartige "Gleichstufung" wäre dann logisch vertretbar, wenn nicht Deutschland die Auslösung des Krieges zu verantworten hätte, sondern es die anderen gewesen wären, die Deutschland irgendwie in diesen Krieg (den es ja unbestreitbar begonnen hat) hineingezwungen oder hineinmanövriert hätten: Dann wären ja auch die Deutschen - als Kollektiv verstanden - unschuldig. Genau das behauptet "Landolf Ladig" tatsächlich ("Wären ..... mehr Friedensjahre VERGÖNNT gewesen"). Und offenbar sieht er das als "Björn Höcke" genauso. Jedoch ist die Leugnung der alleinigen deutschen Schuld am II. Weltkrieg eine bewusste Geschichtslüge. Mit dieser Lüge wollen sich die Kriegsschuldleugner ("Revisionisten") vor der Auseinandersetzung mit der historischen NS-Schuld unseres Volkes defaitistisch drücken. 
  3. Ansonsten nimmt man eine solche Opfer-Gleichsetzung dann vor, wenn das eigene moralische Wertesystem auf einer kulturell primitiven Stufe stehengeblieben ist. Man ist dann ein sozusagen clanistischer Horden-Denker, dem die in den Hochkulturen entwickelten abstrakten Moralvorstellungen* fremd sind, ein moralischer Primitivling (moralisch infantil), dessen "Moral" sich darin erschöpft, die Welt tribalistisch in "die" und "wir" einzuteilen. Dann hält man es auch für ganz normal, dass die Großen die Kleinen fressen. (Außer die USA täten das; aber deren Landhunger ist schon seit etwa einem Jahrhundert befriedigt). Für diese Deutung spricht Höckes amoralische, rein machtpolitisch ("geopolitisch") urteilende Einstellung auch gegenüber Putins russischem Imperialismus (vgl. u.). Und der Umstand, dass er Deutschland verteidigt wie ein Kind, das etwas angestellt hat und tödlich beleidigt aufjault, wenn die Opfer darauf hinweisen, dass es Unrecht getan hat.    [* Woke-Wahn-Witzfiguren müssen mir die Vorstellung von kulturellen Stufen mit unterschiedlicher Wertigkeit im Rahmen ihre Ideo-Logik zwangsläufig als "Rassismus" ankreiden; dazu sage ich nur: Woke till you choke!]
  4. Höcke lügt, wenn er in seiner Dresdner Rede zu beklagen vorgibt, dass wir Deutschen unsere Opfer nicht betrauern. ("Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern.") Sowohl seine Teilnahme an dem rechtsextremen "Trauermarsch" 2010 in Dresden als auch seine Dresdner Rede zeigen, dass es ihm überhaupt nicht um Trauer geht. Die spiegelt er lediglich vor, damit nicht allzu deutlich aufscheint, dass es ihm AUSSCHLIESSLICH um eine ANKLAGE gegen die anglo-amerikanischen "Kriegsverbrechen" (und damit auch gegen diese Länder als "Kriegsverbrecher") geht. DAS - und, vom Vergessen deutscher Verbrechen abgesehen, NUR das - ist SEINE Vorstellung von "Vergangenheitsbewältigung"! Deutsche Verbrechen möchte er unter den Teppich kehren, britische und (vor allen Dingen!) amerikanische Kriegshandlungen, die vielleicht Kriegsverbrechen waren, rückt er immer wieder ins grelle Scheinwerferlicht!
  5. Zwar will er "das furchtbare Leid und die vielen Opfer der Juden während der NS-Zeit nicht in Frage" stellen. An einer Stelle bekennt er sich sogar ausdrücklich zu unserer Verantwortung gegenüber unserer Geschichte: "Wenn man unter einem Volk eine Gemeinschaft versteht, deren Angehörige in einer schicksalshaften, generationsübergreifenden Verbindung stehen, dann kann ich mich als Deutscher nicht einfach mit der Bemerkung aus der Verantwortung stehlen, das ginge mich gar nichts an, weil ich erst nach den Ereignissen geboren wurde. Damit würde ich ja wieder in ein »atomistisches« Selbstverständnis zurückfallen, das ich vorhin bereits bemängelt habe." Doch zeigen seine sonstigen Äußerungen zu diesem Thema, dass er sich mit aller Macht vor der Verantwortung für die verbrecherische Nazi-Politik drückt. Beispielsweise dadurch. dass er diese GÄNZLICH UNVERSCHULDETEN LEIDEN dem Leiden der deutschen Kriegsopfer unterordnen will (s. o.). Obwohl wir Deutschen, als Volk betrachtet (wie Höcke selbst uns sieht!), diese Leiden ja "selber" verschuldet haben, indem "wir" den Krieg begonnen haben. Höckes Äußerung, wonach uns "die Dimension des Grauens vor allem dort am deutlichsten bewußt [wird], wo uns unmittelbar Nahestehende davon ergriffen werden" ist eben nicht nur als (durchaus zutreffende) BESCHREIBUNG zu verstehen. Sondern vor allem als eine AUFFORDERUNG, nun endlich die damaligen Leiden der uns "Nahestehenden" in den Vordergrund zu stellen. Dass er zu diesen "Nahestehenden" zumindest auch die DEUTSCHEN Juden rechnen würde, ist allerdings nicht erkennbar. Das alles passt perfekt zu der von ihm in seiner Dresdner Rede geforderten "erinnerungspolitische[n] Wende um 180 Grad". Die dann bedeuten würde: Verbrechen der Nazis vergessen (oder jedenfalls nicht mehr erwähnen) und endlich "unsere" Opfer betrauern! In seinem Buch sagt er zwar brav "Selbstverständlich dürfen wir unsere Augen nicht vor den Fehlern und Verbrechen der NS-Zeit verschließen. Aber kein Mensch und kein Volk kann sein Selbstbewußtsein nur auf negativen Bezügen aufbauen. Die Lichtseiten der Geschichte bilden den Kern der Identität, ohne die ebenso vorhandenen Schattenseiten zu leugnen." Aber seine wütende Entgegnung (s. u.) "Sie haben natürlich jedes Recht und jede Freiheit, jeden Tag das Nazischweinchen durch das Thüringer Dorf zu jagenauf die Erinnerung des Thüringer Ministerpräsidenten Ramelow an die Befreiung Deutschlands durch die Alliierten am Kriegsende beweist, dass Höckes Behauptung, er wolle die Augen vor den Verbrechen nicht verschließen, eine reine "Schutzbehauptung" ist - vulgo eine dreiste LÜGE! LEUGNEN tut er die Schattenseiten der deutschen Geschichte nicht: Er übergeht sie einfach mit Schweigen! (Außer dort, wo er sich auf einer rein abstrakten Diskursebene von eben diesem Vorwurf zu reinigen sucht. Um sagen zu können, dass er ja gesagt habe ..... .)

Ein unvoreingenommenes und (soweit möglich) objektives historisches Denken ist ihm fremd, wie auch jegliche ernsthafte Selbstkritik. Oberflächliche Selbstkritik, mit der sich Fremdkritik abräumen lässt, gehört aber natürlich auch zu seinem Methodenkasten:
"Ich habe ein großes, ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt", sagte der Thüringer AfD-Chef auf dem Landesparteitag in Arnstadt (Mitte Februar 2017, also etwa einen Monat nach der Rede).
Ein inhaltliches Bedauern steht freilich nicht dahinter (meine Hervorhebung):
"Er sei in eine falsche Tonlage gefallen, habe Interpretationsspielräume zugelassen. 'Das war ein Fehler. Dafür möchte ich mich hier entschuldigen'."
Aber jedwede tiefere Einsicht darin, dass die sozusagen mit der Keule geschriebene "Hordengeschichte" der Menschheit abgeschlossen ist und die Welt ein neues Kapital aufgeschlagen hat bzw. aufschlagen möchte (und sollte), geht ihm gänzlich ab.

Den Charakter des Holocaust als "Zivilisationsbruch" banalisiert er in seinem Buch "Nie zweimal in denselben Fluss" durch Übertragung auf einen hypothetischen juristischen Sachverhalt der, selbst wenn es ihn real gäbe, nicht entfernt mit der Holocaust-Barbarei vergleichbar ist. 
Auf die Vorgabe seines Gesprächspartners "Es wird ja von Kritikern des Schuldkultes oft darauf hingewiesen, daß es ohnehin nur eine individuelle Schuld gebe und damit die Kollektivschuldthese hinfällig sei" erwidert er: "Rein strafrechtlich betrachtet ist das richtig. Sonst gäbe es ja eine Art nationaler Sippenhaft und das wäre ein Zivilisationsbruch.

An anderer Stelle diagnostiziert Höcke ein "kleines Fünklein nationalen Selbstbewußtseins", das allerdings "bizarre Züge" trage, im "ständigen Verweis auf die einzigartige, fabrikmäßige, durchorganisierte Tötung". "Selbst im Grauen .... [schimmere] hier bisweilen ein perverses Identitätsbild von uns Deutschen durch: Keiner mordet so perfekt, der Tod kann nur ein 'Meister aus Deutschland' sein". 
Damit ironisiert er die historische Singularität dieser Ausrottungsmaschinerie und macht die Erschütterung über deren Dimension lächerlich.

Da überrascht es nicht, wenn Höcke den treuherzigen Einwurf seines Gesprächspartners
"Ohne etwas zu relativieren, müssen wir uns vergegenwärtigen, daß damals in den Kriegszeiten überall haarsträubende Dinge passiert sind. Gottfried Dietze hat in seinem Buch Der Hitler-Komplex 1990 eindrücklich darauf hingewiesen"
dankbar aufnimmt:
"Ja, das 20. Jahrhundert ist allgemein ein Jahrhundert der brutalen Massenvernichtung gewesen. Das böse Gemisch aus fanatischem Sendungsbewußtsein und fortgeschrittener Technik bezahlten viele Millionen Menschen mit dem Leben".
Treuherzig ist die Steilvorlage deshalb, weil sie dem Leser subkutan suggeriert "in Kriegszeiten" sei dasselbe wie "wegen eines Krieges". Der Holocaust geschah zwar ebenfalls WÄHREND des (2. Welt-)Krieges. Es gab aber keinerlei Begründungszusammenhang zum Krieg. (Im Gegenteil hat seine prioritäre Durchführung die deutsche Kriegführung sogar behindert!) Und bei der "brutale[n] Massenvernichtung" macht es eben einen wesentlichen moralischen Unterschied, ob z. B. eine inkompetente oder rücksichtslose Wirtschaftspolitik eine Hungersnot auslöst (Mao Tse Tung; vielleicht auch Stalins "Holodomor"), ob politische Gegner eingesperrt und umgebracht werden - oder ob die offizielle Ideologie eines zentraleuropäischen Kulturstaates wie Deutschland einer ganzen Menschengruppe völlig grundlos ihr Menschsein abspricht und sich deshalb für berechtigt hält, diese Menschengruppe wie Vieh zur Schlachtbank zu führen und regelrecht zu Tode zu quälen.

Ich persönlich bin der Letzte, der als Deutscher bereit wäre, wegen der Nazi-Verbrechen auf ewig in Sack und Asche zu gehen. 
Aber ebenso bin ich der Letzte, der die unbegreifliche historische Singularität des Holocaust leugnen würde und der keinerlei moralische Unterschiede zwischen den Bombenabwürfen der Alliierten und den Gaskammern der Nazis akzeptieren wollte.

Die grauenhafte Einzigartigkeit des Holocaust (die NS-Vernichtung anderer Menschengruppen  z. B. durch bewusstes Verhungernlassen - russische Gefangene -, Erschießen - "Kommissarbefehl" - usw. schließe ich gedanklich ein) liegt natürlich nicht in der Zahl der Ermordeten begründet; insoweit mögen Stalin und insbesondere Mao noch weitaus schlimmer gewesen sein. Sondern in deren rassenideologischer Grundlegung einerseits und der staatlichen Durchorganisierung der Mordmaschinerie andererseits. Und das nicht ein einem unterentwickelten Land der 3. Welt, sondern in einem Land und durch ein Volk, von dem gerade Höcke wieder und wieder (und widerlich!) rühmt*, dass es "..... der Welt in der Musik alles, in der Philosophie der Neuzeit wesentliche Ansätze und darüber hinaus durch zentrale Entwicklungen und Entdeckungen in den Naturwissenschaften vieles gegeben“ habe. (Dass er dafür ein Buch von Peter Watson benötigt und damit einen hergelaufenen Briten😁 als Kronzeugen für angeblich deutsche Über-Größe heranziehen muss, ist ein Witz für sich. Zeigt freilich auch, dass der studierte Historiker noch nicht einmal Steins Kulturfahrplan kennt. Sonst wüsste er, dass Deutschland - der deutschsprachige Raum - lange Zeit intellektuell und vor allem künstlerisch rückständig war und in großem Umfang Anregungen aus dem Westen und Süden adaptierte. Und erst ab dem späten 18. Jh. größere eigene Beiträge zur europäischen Kulturentwicklung leistete, jedoch selbst im 19. Jh. außerhalb der Musik keine neuen Künstler mit weltweiter Bedeutung hervorbrachte.)
* [auch in seiner Dresdner Rede prahlt er mit "den großen Wohltätern, den bekannten weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern ..... , von denen wir ja so viele haben, ..... vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt". (Meine Hervorhebung) Um endlich in der GEGENWART anzukommen, sollte sich Kryonik-Björn dringend den Artikel "Willkommen in der Deutschen Deppokratischen Republik" bei Tichys Einblick vom 04.03.2023 zu Gemüte führen!]

Jedenfalls:
Gerade, dass sich der Holocaust im Volk von Gutenberg und Luther, Bach und Beethoven, Kant und Hegel, Goethe und Schiller abspielen und VON DIESEM VOLK BEGANGEN werden konnte ist es, was uns Deutsche zutiefst erschüttern sollte!
Nicht so den Herrn Höcke: Für den ist der Holocaust ein Vogelschiss (sagt er zwar nicht ausdrücklich; jedoch wird diese Sichtweise aus seinem ganzen Reden - und noch mehr aus seinem Nicht-drüber-Reden - deutlich), eine historische Randnotiz einer nationalen Geschichte, mit deren positiven Zügen er sich ekelhaft prahlerisch schmückt. Höcke leugnet die Judenvernichtung usw. nicht; seine persönliche psychologische Bewältigungsstrategie besteht in der Relativierung nach dem Motto "Es gab ja auch gute Seiten der Nazis" und dem Whataboutismus "Andere haben ja auch .....".


ALLERDINGS: In einem wesentlichen Punkt trifft Höckes Kritik am derzeitigen Mainstream-Denken voll ins Schwarze:
"..... bis jetzt ist der offizielle Erinnerungszwang weitestgehend ethnisch exklusiv. Hier besteht ein eklatanter Widerspruch zur ebenfalls offiziellen Negierung alles Volkhaften".
Das ist so. Wenn es kein Kollektiv (kein "Volk") mit inhärenten Bindungswirkungen gibt, sondern nur eine Bevölkerung (heute "Verfassungspatrioten", damals halt "Rassepatrioten"), dann gibt es auch keine kollektive Verantwortung. Wenn Völker (als irgendwie emotional zusammengekittete Gemeinschaften) nicht existieren, dann kann das nicht existente "deutsche Volk" auch keine Verbrechen begangen haben; somit hätten wir auch keinen Grund, Verbrechen "unseres Volkes" zu bedauern oder uns dafür zu entschuldigen. Das waren dann halt Verbrechen von Einzelpersonen aus der (damaligen) Wohnbevölkerung in Deutschland, die uns genauso nah oder so fern stehen, wie die Verbrechen von Dschingis Khans Mongolenhorden.
Zwar haben wir auch dann noch valide rationale Gründe, uns an die damaligen Verbrechen zu erinnern: Nämlich um deren zukünftige Wiederholung zu verhindern. Aber emotional kann uns das am Allerwertesten vorbeigehen. Wenn wir keine Deutschen sind, weil es keine "Deutschen" gibt, dann müssen wir auch keine Verantwortung für deutsche Verbrechen übernehmen, die vor vielen Jahrzehnten irgendwelche Gestalten mal begangen haben.
(Dies als Gedankenfutter für die herrschenden Deutschland-Destruenten!)


6) Sehr gut erfasst der WELT-Kommentar "NAZI-VERGANGENHEIT. Höcke ist Gefangener seiner Dämonen" von Jacques Schuster (18.01.2017) Höckes NS-Obsession:
"Es ist seltsam, dass gerade diejenigen, welche mit der Nazi-Vergangenheit brechen wollen, nicht von ihr loskommen. Björn Höcke ist so ein Beispiel. Öffentlich ruft der Thüringer AfD-Politiker die Deutschen dazu auf, sich von den Schatten des 'Dritten Reiches' zu befreien, und nimmt selbst nicht wahr, dass er ein Gefangener eben dieser Schatten ist. ..... Durch eine fast krankhaft zu nennende Fixierung auf die Nazizeit beschädigen er und seinesgleichen die an sich nicht anstößige Idee des Nationalkonservatismus, den sie eigentlich befördern wollen."
Schuster irrt allerdings (und widerspricht sich selber), wenn er Höcke ein eiskaltes Kalkül unterstellt:
"..... nach der Debatte über die schwächelnde NPD mag Höcke hoffen, ihre Wähler für sich zu gewinnen."
Höcke ist - wie Schuster ja selber richtig festgestellt hatte - schlicht unfähig, sich geistig vom Nazi-System und von den feuchten Großmachts-Träumen der Deutschnationalen abzunabeln.
Recht hat Schuster gleichwohl mit seiner Schlussfolgerung:
"Aber jeder brave Konservative, der einst für die CDU stimmte oder seit Langem nicht wählen geht, doch die Demokratie bejaht, wird durch Höckes Geschmacklosigkeiten von der AfD eher abgestoßen sein. Und das zu Recht."
Wenn man ergänzt, dass Höckes "Geschmacklosigkeiten" ein Ausdruck seiner autoritär-nationalistischen Fixierung sind, kann ich Schuster nur zustimmen.


Ein Beispiel für Höckes Nazi-Obsession liefert auch eine Landtagsrede, die er am 08.05.2020 gehalten hat. Eigentlich ging es in der Debatte um die Corona-Maßnahmen der Thüringer Landesregierung. Aber weil es der Jahrestag der deutschen Niederlage 1945 war, hatte sich der (linke) Ministerpräsident Ramelow in der Einleitung zu seiner Regierungserklärung auch dazu geäußert, und zwar in einer relativ zurückhaltenden und staatsmännischen Weise (S. 682):
"An diesem 8. Mai gedenken wir einer zweifachen Befreiung: von Krieg und von nationalsozialistischer Terrorherrschaft. Diese Sicht auf den 8. Mai war in der Geschichte unseres Landes nicht unumstritten. Insbesondere in der alten Bundesrepublik war lange Zeit die Rede von Kapitulation oder Niederlage.
Es ist dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und seiner zu Recht berühmt gewordenen Rede aus dem Jahr 1985 zu verdanken, dass die Interpretation des 8. Mai 1945 als Tag des Aufbruchs und des Neubeginns ohne Nationalismus und Chauvinismus erfreulicherweise gesamtdeutscher Konsens ist, auch wenn der Aufbruch in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Ost und West unterschiedlich lange gedauert hat.
Ein Neubeginn auf der Grundlage der ehrlichen Anerkennung der Singularität des Holocausts und der millionenfachen Opfer der NS-Herrschaft. Wir erinnern zudem an die zahllosen Opfer, die zur Befreiung Europas erbracht wurden. Opfer, die erbracht wurden sowohl vonseiten der Alliierten als auch von den vielen unterschiedlichen Widerstandsgruppen in zahlreichen europäischen Staaten gegen die NS-Besatzung, aber auch der Widerständler hier in Deutschland."
Höcke reagierte völlig unangemessen wie eine gestochene Tarantel u. a. mit dem Satz (meine Hervorhebung):
"Sie haben natürlich jedes Recht und jede Freiheit, jeden Tag das Nazischweinchen durch das Thüringer Dorf zu jagen."
Es ist kennzeichnend für Höckes "Argumentationsstrategie", wie er auch hier wieder seinen Gegner zunächst mit einer Falschbehauptung "einseift" ("freimt"): Der 20. Mai ist in der deutschen Geschichte eben NICHT "jeder Tag"!
Auch wenn ich alles andere als ein Fan von Bodo Ramelows LINKEN, der Mauermörderpartei, bin: Als Nachfolgerin der KPD, die ganz besonders unter der politischen Verfolgung durch die Nazis gelitten hat, muss man es Parteimitgliedern der LINKEN schon zubilligen, dass sie der NS-Opfer und derjenigen gedenken, die nur aufgrund der Kapitulation des NS-Regimes überlebt haben.


Auch angesichts solcher Falschdarstellungen und seiner Allergie gegen jegliche Erwähnung der Nazi-Verbrechen unterstelle ich Höcke, zumindest in einigen Bereichen ein Fan des damaligen Systems zu sein.


Höckes Schuldentlastungsstrategien hatte ich auch schon früher behandelt, in den Blotts:


II.  HÖCKE UND DER UKRAINEKRIEG: EIN PATRIOTENVERRÄTER TARNT SICH ALS FRIEDENSFREUND

Deutschlands Souveränität ist ihm heilig. Dagegen ist die Souveränität anderer Länder dem Ultranationalisten Höcke Hekuba. 
Dass die Staaten zwischen Deutschland und Russland für ihn Territorien minderen Rechts sind, zeigt seine am 24.02.2022 auf Facebook veröffentlichte Stellungnahme zum russischen Überfall auf die Ukraine, wo er u. a. schreibt (meine Hervorhebung):
"..... die Ukraine ist wie die vielen anderen ostmitteleuropäischen Staaten weder das eine noch das andere [weder West noch Ost], sie ist ein Zwischenland. Ostmitteleuropa ist weder Ost noch West. Sowohl Russland als auch die USA haben sich da rauszuhalten."
Höcke hält sich also für befugt, der Ukraine vorzuschreiben, sich nicht dem Westen anzuschließen! Auch hier erweist er sich wiederum als infantiler Nationalist-Narzisst, der anderen Ländern verweigert, was er für sein eigenes ganz selbstverständlich einfordert: Die volle Souveränität!
Höcke hat den traditionellen "kolonialen Blick" der deutschen National-Ultras (wie ihn freilich auch linke Moral-Germanen kultivieren) auf die "Zwischenländer" im Osten, die sich gefälligst zwischen Deutschland und Russland nach der Decke strecken sollen. 
Und dass er in Wahrheit die USA für den russischen Überfall verantwortlich macht und somit Putin weißwäscht, zeigt seine Behauptung
"Die Ukraine ist Opfer einer geopolitischen Auseinandersetzung auf globaler Ebene zwischen der NATO (Westen) und Russland (Osten)." (In Wahrheit ist Putins Überfall ein russischer Kolonialkrieg gegen das Land; aber um das zu erkennen muss man schon ein klein wenig mehr an Geschichtswissen und an Kenntnissen über Putins Ukraine-Äußerungen haben, als sie dem Bonsai-Bismarck aus Bornhagen zugänglich und zumutbar ist.)

Dass es Höcke wichtiger ist, den Westen (die USA) 'anzuschmieren', als Russlands unprovozierten Überfall auf ein friedliebendes Nachbarland zu verurteilen, zeigt auch sein im Facebook-Statement vom 24.02.22 geäußerter Satz „Leidtragende sind die Menschen in den Kriegsgebieten, die Bilder erinnern an die NATO-Bombenangriffe auf serbische Städte als es um den Kosovo ging."
Wie wäre es, wenn sich der Herr Höcke zur Abwechslung mal an die Bilder von Guernica erinnern würde? Aber dort waren die Deutschen die Täter: Das passt nicht in sein Lamento von den bedauernswerten total besiegten germanischen Opfer-Lämmern. 



III. BJÖRN HÖCKE IST VOM HASS AUF DIE USA ZERFRESSEN!

So gerne er die Nazi-Verbrechen seines eigenen Volkes vergessen möchte: Den Amis vergisst und vergibt er es nicht, dass sie uns angeblich in den "Gemütszustand eines total besiegten Volkes" gebombt haben:
"Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das auch fast geschafft. Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern.(Zitate aus Höckes Dresdner Rede vom 17.01.2017)

Dass Amerika Nazi-Deutschland besiegt hat, ist für Björn Höcke eine narzisstische KränkungDa sie nicht aus negativen Erlebnissen mit konkreten Personen herrührt, wird sie auch nicht auf der Ebene interpersonaler Beziehungen wirksam. Sondern entfaltet ihre unheilvolle Auswirkung in der politisch-ideologischen Dimension.
Nach seiner Weltsicht wurde sein Land von Feinden überlistetindem sie es irgendwie hinterrücks in einen Krieg gelockt oder manövriert haben. Jedenfalls ist es für ihn ein Unrecht, dass die Alliierten "sein" Deutschland besiegt haben. Right or wrong, Nazis oder nicht, Holocaust hin oder her: Für Ladig/Höcke ist auch Nazi-Deutschland zuallererst Deutschland. Und Deutschland ist ein alle anderen überragendes Land, dem seiner Meinung nach die Vorherrschaft jedenfalls über den "Großraum" Europa gebührt.

Liest man eine Beschreibung des Psycho-Symptoms der "narzisstischen Wut", dann ist man verblüfft, wie genau sie Höckes Haltung gegenüber den USA beschreibt (meine Hervorhebung): 
"Auffallend ist, dass die narzisstische Wut unverhältnismäßig lange anhält. Eigentlich kann man davon ausgehen, dass sich die Wut eines Menschen irgendwann wieder legt und das kränkende Ereignis zu den Akten gelegt wird oder es im besten Fall eine Aussöhnung gibt. So aber nicht bei einem Narzissten: Der Groll gegen den vermeintlichen Verursacher kann ein ganzes Leben lang anhalten. Ein Narzisst vergisst nie eine Kränkung, und noch weniger kann er dieses Vergehen jemals verzeihenDie narzisstische Wut kann so stark sein, dass es dem gekränkten Narzissten nur noch um Rache geht. ..... Wie mit einem Tunnelblick steuert er erbarmungslos auf sein Ziel zu: Er will den Verursacher der Kränkung unbedingt besiegen ..... .
"Ausmerzen", wie es in der zitierten Passage weiter heißt, will Höcke die USA vielleicht nicht. Aber rauswerfen will er sie, aus Europa. In seinem Buch "Nie zweimal in denselben Fluss" begründet er das mit der Selbstbestimmung der Völker (die seiner Meinung nach also von den USA beeinträchtigt wird - und die er selber freilich den "Zwischenländern" verweigert): 
"Die Etablierung von relativ autonomen Großräumen wäre ein gangbarer Mittelweg zwischen unipolarer und multipolarer Weltordnung und würde mit der Beschränkung auf kleinere, überschaubare Einheiten für die Selbstbestimmung der Völker größere Erfolgschancen bieten."

Der Einwand seines Gesprächspartners
"Aber ist die Idee des »Großraums« überhaupt noch anwendbar auf die
heutige Zeit?"
bietet Höcke die Gelegenheit, deutschem Nationalismus scheinbar abzuschwören:
"Natürlich müßte sie weiterentwickelt und von zeitbedingtem Ballast befreit werden – vor allem vom NS-Imperialismus, der eine Mißachtung des Selbstbestimmungsrecht[s] der Völker war und anstelle der nationalen Identitäten das Prinzip der Rasse favorisierte. Die nationale Selbstbestimmung darf nie angetastet werden, alle etwaigen Souveränitätsverzichte in einem übernationalen Verbund müssen auf Freiwilligkeit und freier Entscheidung basieren."
Indes ist die Großraumidee per se nationalistisch. Der Nazi-Jurist Carl Schmitt hatte sie aus der amerikanischen "Monroe-Doktrin" entwickelt, und wollte diese letztlich auf Europa übertragen. Diese Doktrin hatte der US-Präsident James Monroe 1823 in einer Rede formuliert, in der er eine "Nichteinmischung (non-intervention) der Vereinigten Staaten in europäische Konflikte" versprach und "ein Ende aller Kolonialisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre" forderte. "Außerdem kündigte er ein Eingreifen der USA für den Fall an, dass die europäischen Kolonialmächte diese politischen Grundsätze ignorieren sollten.(Sämtliche Zitate aus dem einschlägigen Wikipedia-Stichwort.)
Offensichtlich kann ein solches Programm nur aus einer Position der Stärke heraus formuliert werden, von einer Vormacht, also einem HEGEMON. Als solchen will Höcke tatsächlich Deutschland in Europa etablieren; vgl. dazu meinen Blogpost "Ein Reich, ein Großraum, ein GröFaZ: Björn Höcke und der NS-Jurist Carl Schmitt".

Die anderen europäischen Völker sind für ihn nur ein Instrument, um Deutschland gegen die USA zu stärken. Dass er seinerseits keineswegs bereit ist, Interventionen "raumfremder Mächte" in Europa zu verhindern, beweist seine Forderung nach deutscher "Neutralität" im Ukrainekrieg (die natürlich gar keine Neutralität wäre, sondern im Ergebnis auf eine Unterstützung Russlands zu Lasten der Ukraine hinauslaufen würde).
(Dass er - auch - Russland in Europa als "raumfremde Macht" ansieht, folgere ich aus seiner - wohlfeilen - Forderung "Sowohl Russland als auch die USA haben sich da [aus den "Zwischenländern"] rauszuhalten.")

Wenn amerikanische Politiker die schlichte Binsenweisheit aussprechen, dass sich die Angegriffenen gegen die Angreifer verteidigen müssen und dass die Angreifer nun einmal "die Deutschen" waren (und nicht etwa nur die überzeugten Nazis) dann mutiert das in Höckes einfältiger Weltsicht zu einer Ungeheuerlichkeit (meine Hervorhebung; seine Beurteilung der Umerziehung muss an dieser Stelle nicht interessieren):
"Man darf nicht vergessen, daß die nach 1945 einsetzende Umerziehung und Vergangenheitsbewältigung dieses Wachstum [der deutschen Selbstverachtung] begünstigte. Die beiden furchtbaren Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts, in denen die Alliierten nicht nur gegen die Militaristen und Nazis, sondern laut Roosevelt gegen die Deutschen an sich kämpften, hatten ja neben der materiellen auch eine psychologische Dimension, die bis in unsere Tage fortwirkt."


In einer Mitteilung der AfD-Landtagsfraktion Thüringen vom 16.08.2021 "Höcke: Die Demokratie Deutschlands wurde nie am Hindukusch verteidigt!" wettert der National-Autist dagegen, dass Deutschland den USA in Afghanistan gegen den dort domizilierenden islamischen Terrorismus solidarisch zu Hilfe geeilt ist (meine Hervorhebungen):
Bereits von Beginn an war der von der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder verabschiedete Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ein völliger Irrweg. Die Demokratie in Deutschland wurde nie am Hindukusch verteidigt, es ging nur um Vasallendienste für den Hegemon USA."

Natürlich ging es am Hindukusch nicht darum, die deutsche Demokratie gegen eine unmittelbare Bedrohung zu verteidigen (selbst wenn irgendwelche deutschen Politiker etwas anderes behauptet haben mögen): Auch hier baut Höcke wiederum einen Popanz auf, um sich einer Auseinandersetzung mit der Realität zu entziehen. Die sah, lt. Wikipedia-Stichwort "Krieg in Afghanistan 2001–2021
", so aus:
"Der Krieg in Afghanistan 2001–2021 begann mit der von den USA geführten Intervention Operation Enduring Freedom im Herbst 2001, mit dem eine neue Phase des seit 1978 andauernden Konflikts in Afghanistan eingeleitet wurde. Die Regierung der Vereinigten Staaten (von 2001 bis 2009 die Regierung unter George W. Bush) und ihre Verbündeten verfolgten dabei das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation al-Qaida zu bekämpfen."
Und DABEI hat (nicht nur) Deutschland diejenigen SOLIDARISCH unterstützt, die uns jahrzehntelang vor eventuellen sowjetischen Angriffen beschützt hatten. Nach den Terrorangriffen auf die Zwillingstürme des World Trade Center und auf das Pentagon (Stichwort "9/11") sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein - aber nicht für den Nationalautisten Björn Höcke. Der kennt nur Deutschland, Deutschland über alles - und dieses Deutschland endet an Deutschlands eigenen Grenzen. (Ob an den heutigen oder an denen von 1938: Das weiß ich nicht.)
Nicht auszudenken, wie ein Höcke gegen Amerika gewütet haben würde, wenn Terroristen aus Afghanistan den Kölner Dom zerstört hätten, Deutschland die GSG 9 zu deren Verhaftung nach Afghanistan hätte transportieren wollen - und die USA uns logistische Hilfe verweigert hätten, weil ja nicht sie angegriffen wurden und sich nicht in unsere Probleme reinziehen lassen wollten!

Wer unsere aktive Solidarität mit 
Amerika als "Vasallendienste für den Hegemon USA" verunglimpft, der ist ein kein Patriot, sondern ein politisch komplett amoralischer, speiübler Widerling!


Am 31.01.2015 hat das COMPACT-Magazins von Jürgen Elsässer unter der Überschrift "Lucke hat gesiegt – was macht jetzt der nationalkonservative AfD-Flügel?" u. a. ein Interview mit Höcke teilweise ins Internet eingestellt. Auch dort demonstriert Höcke eine Überkompensation seines Minderwertigkeitskomplexes gegen die Supermacht USA:
"Es gibt zwei Strömungen in unserer Partei - einerseits die Transatlantiker, die an der außenpolitischen Konzeption der alten und neuen Bundesrepublik festhalten wollen und andererseits Leute, die vor dem Hintergrund einer veränderten Weltlage nach Alternativen suchen."
Auf die Frage des Interviewers (also wohl Jürgen Elsässers)
"Fürchten Sie die Amerikanisierung Europas?"
kübelt Höcke sodann den ganzen Jauchewagen seiner intellektuellen Dürftigkeit und seiner deutschnationalen Überheblichkeit über die Amis aus (meine Hervorhebung):
"Es graut mir davor, dass die USA die einzige Supermacht sind und ihren american way of life über die ganze Welt ausdehnen wollen. Ihr Materialismus und ihr Laissez-faire-Individualismus führen zu einer Trivialisierung des Menschen, zu seiner 'Verhausschweinung', wie Konrad Lorenz es nannte. Auf diese Weise kann der Mensch seine Anlagen und Talente nicht entfalten. Die Selbstentfaltung seiner Anlagen ist aber in meinen Augen die zentrale Aufgabe des Menschen während seines Daseins. Die Tiefe des europäischen Denkens, wie sie etwa der Brite Peter Watson für die deutsche Geistesgeschichte in seinem Buch Der deutsche Genius beschrieb, wird durch den schnöden Materialismus der Amerikaner begrenzt, die Freiheit wird reduziert auf die Konsumfreiheit. Wobei ich, wenn ich 'die Amerikaner' sage, natürlich nicht das Volk meine, sondern im Wesentlichen eine kleine Elite."
Zunächst einmal widerspricht er sich auch hier (weitere Beispiele unten), ohne es zu merken. Denn "Materialismus" und "Konsumfreiheit" charakterisieren sicherlich nicht nur die Elite (eher im Gegenteil die breiten Massen). 
Und dass der Materialismus keineswegs nur in den USA dominiert, konstatiert er an anderer Stelle sogar selber mit seiner Feststellung, dass "In unserer westlichen Hemisphäre ..... Freiheit meist mit 'ungestörtem Fressen' gleichgesetzt wird". Was ist das anderes als "Materialismus" - der somit die gesamte westliche Hemisphäre beherrscht?

Die Konsumfreiheit hassen allenfalls  diejenigen Geister, die sich für berechtigt halten, den Konsum des Volkes einzuschränken und staatlich zu regulieren. Und siehe da: Zu denen gehört Höcke in der Tat (aus seinem Buch):
"[Die Containerschiffe transportieren im Rahmen der Globalisierung oft] Ramsch- und Saisonartikel für den schnellen Konsumspaß, die nach kürzester Zeit zu Müllbergen werden. Ich spreche hier von mehreren Millionen Tonnen Plastikmüll, die jährlich zwecks Profitmaximierung global agierender Unternehmen um die halbe Welt gefahren werden. Das ist für mich eine vollkommen falsch angelegte Globalisierung, die in dieser Form – um der Zukunft der Menschheit und dieses Planeten willen – beendet werden muß."
Vergleichbar verkündet der Volkserzieher an anderer Stelle:
"In der Summe geht es um das 'gute Leben' des Volkes. Allerdings nicht hedonistisch-materialistisch verstanden, sondern als 'eudaimonía' im antiken Sinne – als sinnvolles, sittlich-tugendhaftes Leben."
Willkommen in Höckes rechts-grüner Benevolenzdiktatur?!

Inwiefern "Laissez-faire-Individualismus ..... zu einer Trivialisierung des Menschen" führen soll, das müsste er erklären. Aber so viel wird aus seinem Bramarbasieren klar: Dass er selber ein Gegner individueller Freiheiten ist. Für ihn haben Mensch und Gesellschaft der Geschichte zu dienen, nicht die Geschichte den Menschen.
Einfältige Sklaven, die einem genialen Anführer (also ihm) gläubig folgen, eine amorphe Masse, die er formen kann: Das ist für ihn der ideale Menschentyp.

Dass er sich selber für den idealen Anführer hält, schimmert durch jede Ritze des Buches hervor. So z. B. wenn er hofft (und glaubt) "..... daß am Ende die überschlauen Taktierer und Finassierer doch den Kürzeren ziehen werden, weil die Menschen instinktiv den integren Führungspersonen folgen." 
Und zwar in einem Textzusammenhang, wo es um Risiken der (seiner Aussage nach) von ihm praktizierten "Vertrauenskultur" geht.
Wenn er (unausgesprochen) sich selber als Politiker so beschreibt:
"Der eigene Wille und die innere Festigkeit spielen bei größeren [politischen] Vorhaben eine entscheidende Rolle. Das sollte man nicht als Egomanie abtun. Oft fühlt man [also er!] sich lediglich als Medium, als Bewegter und Bewegender zugleich". 
Oder wenn er beklagt, dass 
"Wir Deutschen ..... im Zuge des westlich-dekadenten Liberalismus und der ausufernden Parteienherrschaft zu einer bloßen Bevölkerung herabgesunken" seien. 
Was nur politische "Zuchtmeister" wieder beheben können:
"Um ..... als Deutsche wieder zu einem vollwertigen, eigenständigen und differenzierten Volk zu werden, brauchen wir weniger die Not als Zuchtmeister, als eine fordernde und fördernde politische Elite, die unsere Volksgeister wieder weckt."

Einen Zuchtmeister braucht das deutsche Volk, weil ihm "die Aufgabe der Selbstentfaltung mitgegeben" ist. Das sei das ihm innewohnende Ziel, die "Entelechie". Bei Höcke steckt hinter alledem natürlich nichts anderes, als der von Kaiser Wilhelm für Deutschland reklamierte "Platz an der Sonne": die Großmachtphantasmen der Deutschnationalen damals wie heute. Nur heute um Meilen unrealistischer als damals.

Auch wenn er an einer Stelle eine "plurale Führung" erwägt, für die "eine enge Kommunikation und Zusammenarbeit mit dem Volk unabdingbar" wäre, ist er kein Demokrat:
"Der Parteigeist muß überwunden, die innere Einheit hergestellt werden". An anderer Stelle wettert er gegen die "ausufernde Parteienherrschaft".
Das alles hatten wir schon mal; damals unter dem Motto "Ein Volk, ein Reich, ein Führer". Und dies ist zweifellos eine jener 'weißen' Seiten, die er als Höcke unterschwellig und ausdrücklich als "Landolf Ladig" dem NS-System andichtet, um es grau zu waschen.
Zwar behauptet Höcke, diese Einigkeit durch Dialog mit dem politischen Gegner herstellen zu können. Aber wenn das (vorhersehbar!) nicht klappt, werden ihm schon robustere Methoden zur Durchsetzung der "inneren Einheit" einfallen.
(Amüsant, eigentlich aber traurig, ist die Tatsache, dass die "Spaltung" des deutschen Volkes auch vom Mainstream heftig beklagt wird. Den ich auch aus diesem Grunde als "Konsensfaschismus" identifiziere: Die größten Kritiker der Elche - sind bekanntlich selber welche!)


Weitere Teile dieses Interviews sind in dem von COMPACT herausgegebenen Sammelband "Höcke. Interviews, Reden, Tabubrüche" (Redaktionsschluss 05.08.2019) abgedruckt. Dort fordert er (S. 86; meine Hervorhebung) in der Außenpolitik eine
"Achse Paris-Berlin. Das ist für mich die notwendige und positive Westbindung. Ich würde sie aber nicht über den Atlantik ausdehnen wollen, sondern eher in die andere Richtung vervollständigen, zu einer Achse Paris-Berlin-Moskau."
Und dann kommt die für Deutschnationale typische Begründung, warum sie mit Russland kollaborieren wollen:
"Die Kombination unserer innovativen Industrie mit den russischen Rohstoffvorkommen wäre ein Unterpfand, dann müsste uns vor der Zukunft nicht bange sein."
Das ist zum einen ein arrogantes und realitätsfernes Herabschauen auf das vermeintlich rückständige Russland, das auf die Funktion eines Rohstofflieferanten für das großmächtige Deutsche Reich reduziert wird. Realitätsfern insofern, als die Russen eine mächtige Rüstungsindustrie haben - Deutschland dagegen nicht. Von Atomwaffen ganz zu schweigen. Sogar schon im 2. Weltkrieg, also in der Stalinzeit, hatten die Russen bessere Gewehre (die berühmten Kalaschnikows!) und in den Anfangsjahren deutlich bessere Panzer als Deutschland. Heute sind die USA, mit etwa der vierfachen Einwohnerzahl Deutschlands, weltweit auf mehr oder weniger ALLEN Gebieten mit Abstand dominierend:
  • Im IT-Bereich
  • Im Finanzwesen
  • In der naturwissenschaftlichen Forschung
  • In der Massenkultur, deren Glanz weltweit ausstrahlt und fasziniert und
  • Im Militärischen sowieso.
Dagegen können drei relative Zwerge wie Deutschland, Frankreich und Russland (dessen Wirtschaftsleistung derjenigen Spaniens entspricht!) auch deshalb nicht entfernt anstinken, weil sie keineswegs eine monolithische Einheit bilden, sondern jeweils ihre eigenen Interessen vertreten und ihre eigenen Sprachen haben. Dagegen ist die die Sprache der USA nicht nur weitgehend einheitlich, sondern eine Weltsprache, die "jeder" beherrscht. Wer dagegen lernt im Ausland Deutsch? (Französisch schon eher; für Russisch dürften sich, aktuell nach Putins Überfall auf die Ukraine, allenfalls noch wenige interessieren, von den Auslandsrussen abgesehen.)

Doch ist die Weltsicht der deutschen Rechtsaußen-Deppen heute noch genauso autistisch-realitätsfern, wie sie es schon immer war (1917, 1941!). Da überrascht es nicht, wenn die ihre Großmachtphantasien mit der (subalternen) Hilfe Russlands im Rahmen einer antiamerikanischen Achse verwirklichen zu können glauben. Über die Köpfe der "Zwischenländer", trampeln sie dabei - erst gedanklich, irgendwann real - brutal hinweg, wie das schon die Nazis gemacht haben. Aktuell geht es "nur" um die Ukraine; aber dem Ziel deutscher Größe mittels russischer Rohstoffe würden diese Kreise eines Tages auch bedenkenlos die Baltenländer überlassen: ist halt Russlands "Einflusssphäre". Und Weißrussland sowieso.
Die anderen europäischen Länder, einschließlich Frankreichs, sind nicht blöd; die würden rasch merken, wohin der deutsche Hegemonial-Hase hoppeln möchte. Das könnte denen nicht gefallen und ganz sicher würden sie uns nicht dabei unterstützen wollen. 
Aber National-Autisten sind unfähig, sich in die Interessenlage anderer Staaten hineinversetzen und diese in ihrer Politik zu berücksichtigen. Höcke glaubt sogar:
"Eine gewisse ..... und Wirklichkeitsverachtung gehören dazu, wenn man mehr will, als nur das Vorhandene zu reproduzieren."
Das wesentlich auf EINFÜHLUNGSVERMÖGEN beruhende politische Genie eines Otto von Bismarck liegt weit abseits von dem politischen Nasenspitzen-Horizont des bescheidenen Weltenlenkers aus Bornhagen und seiner Gesinnungsgenossen.

Dass es durchaus auch auf der Rechten ein sehr viel intelligenteres Denken gibt, zeigt der Aufsatz "Ukraine-Krieg. Die deutsche Position" von Karlheinz Weißmann in der JUNGE FREIHEIT vom 09.04.2022:
"Aus der Sicht vor allem der Balten, Ungarn, Polen und Ukrainer ist der denkbar schlimmste Fall der Ausgleich der beiden Flügelmächte über ihre Köpfe hinweg. Wie mächtig dieses Trauma wirkt, hat man schon bei den Konflikten über Nord Stream 2, aber vor allem im Zug der Debatte über die deutsche Haltung nach dem Angriff Rußlands auf die Ukraine beobachten können. Wer dem neue Nahrung gibt, handelt unverantwortlich, so unverantwortlich wie der, der sich von seinen Ressentiments treiben läßt oder den Krieg immer weiter ideologisch auflädt, etwa in dem Sinn, hier gehe es darum, einen Regimewechsel zu erzwingen oder den Endsieg der westlichen Moderne gegen einen Hitler redivivus [also gegen Putin - br.] zu erfechten."

Und warum sollten sich diese Staaten überhaupt auf Deutschland verlassen, wenn sie doch in den USA einen WIRKLICH zuverlässigen Beschützer haben?
Nur komplette Polit-Autisten wie Björn Höcke können sich einbilden, dass alle anderen europäischen Länder seine persönliches Aversion gegen die USA teilen. Schließlich haben die die anderen westeuropäischen Ländern nicht besiegt, sondern ganz eindeutig von der deutschen Nazi-Herrschaft befreit!
Aber genau wie Kleinkinder mit ihrem magischen Denken imaginieren sich auch die deutschen Patridioten ihren eigenen Welt-Spielplatz zurecht, auf dem sie die uneingeschränkte Lufthoheit innehaben.


Keine Versöhnung mit dem Feind!

Der Feind ist für Höcke Amerika - damals wie heute. DESHALB hasst er die von Richard Weizsäcker propagierte Idee des 8. Mai als einem Tag der Befreiung. Wer als Deutscher die Niederlage zugleich als Befreiung wahrnimmt, der söhnt sich sowohl mit "unserer" Niederlage aus, als auch mit (allen) unseren damaligen Kriegsgegnern: Er ist insgesamt mit "seinem" Schicksal (bzw. mit dem Schicksal seines Volkes) versöhnt - das er ohnehin nicht ändern kann.
Höcke dagegen hat selbst viele Jahrzehnte später mit den USA noch eine Rechnung offen; sein Hass auf dieses Land ist ZENTRAL für sein gesamtes politisches Denken. Und so wie er sollen das natürlich auch alle anderen Deutschen sehen. 
Nicht, dass er Amerika angreifen wollte. Zunächst will er nur ganz, ganz eng mit den Russen kooperieren (und dafür gerne die Ukraine über die Klinge springen lassen). Und wenn wir aus Russland erst einmal viele feine Rohstoffe bekommen, dann schauen wir weiter, wie wir's den Amis heimzahlen können, dass die uns vor fast achtzig Jahren um unsere (Beinahe-)Großmachtstellung gebracht haben. Wäre doch gelacht, wenn wir Deutschen nicht den Hintern hochkriegen würden? Wirtschaftlich haben wir's schon geschafft; der machtpolitische Teil kommt noch.
Wenn erst der "Zuchtmeister" Höcke an die Macht kommt .....





IV. "WERTESCHAUM" UND "VASALLENDIENSTE": HÖCKE WETTERT GEGEN DEN WESTEN 


1) Westlicher "Werteschaum"

Damit sich meine Leser selber ein korrektes Bild machen können, gebe ich Höckes einschlägige Äußerung (aus seinem Gesprächsbuch) hier im größeren Textzusammenhang wieder (meine Hervorhebung)en:

(Frage) "Kann es sein, daß die Europäer neben den religiösen auch ihre nationalen
Bezüge verloren haben – völlig unabhängig von der Einwanderung fremder
Völkerschaften?"
(Höcke) "Ja, die in unserem Land lebenden Ausländer sind mit Sicherheit nicht dafür verantwortlich, daß wir mit unserer eigenen Kultur und unseren Traditionen nicht mehr viel anfangen können. Das ist vielmehr ein Selbstentfremdungsprozeß, der vor allem von dem dekadenten westlichen Lebensstil vorangetrieben wurde. Es wäre unredlich, diese internen Probleme den Migranten anzulasten. Hier besteht tatsächlich ein Integrationsversäumnis von unserer Seite: Wir sind aufgrund des eigenen Identitätsdefizits nicht nur zu schwach, das Fremde abzuweisen, sondern auch, es in unser Eigenes zu integrieren. Worin soll sich denn überhaupt ein junger Muslim in unserem Land integrieren? In eine ihre eigenen kulturellen und religiösen Traditionen vergessende bis ablehnende Gesellschaft?"
(Frage)  "Von offizieller Seite werden die westlichen Werte angeführt."
Höcke)  "Dieser aufgeblasene Werteschaum soll doch nur das tiefe Loch verlorener Identität zudecken. Das überzeugt aber keinen Migranten, der in ganz anderen kulturell-religiösen Milieus sozialisiert worden ist. ..... Die Migranten aus nichteuropäischen Kulturen sind selbst zerrissene Seelen, weil sie unter der ständigen Spannung zwischen westlicher Außenwelt und muslimischer Binnenwelt stehen. Aber sie haben sich aufgrund des mangelnden Integrationsdrucks und der geringen Attraktivität der autochthonen Kultur mehrheitlich für ihre ursprüngliche Identität entschieden – was man ihnen im Grunde gar nicht verübeln kann. So wird aus einer akkulturierenden eine invasive Zuwanderung, wie der Philosoph Rudolf Brandner* feststellte."

* In seinem Essay "PARADOXIEN DER MIGRATION" in der Zeitschrift TUMULT vom 01.04.2019 äußert Brandner tatsächlich kluge Gedanken: "Wer sein Land verläßt und in eine andere Kultur auswandert, hat gemeinhin eine negative Erfahrung der eigenen kulturellen Lebenswirklichkeit und eine entsprechend positiv-bejahende Einstellung zu den Lebensverhältnissen, die dort herrschen - und die er deshalb auch gerne und bereitwillig übernimmt. Paradox wäre, in eine Welt einzuwandern, deren Kultur und Lebensverhältnisse zutiefst abgelehnt werden. Es ist das muslimische Paradox: Um den nicht nur ökonomischen, sondern auch sozialen und politischen Mißständen des eigenen Landes zu entkommen, wandert man in eine Welt ein, die aufgrund ihrer sozio-ökonomischen und rechtsstaatlichen Verhältnisse, ihrer liberalen Lebenskultur und ihrer wissenschaftlich-technologischen Führungsrolle als Ideal gilt. Aber kopflos und unbesonnen, wie Menschen nun einmal sind, importieren sie in diese genau die kulturellen Habitualitäten, vor denen sie fliehen." Das bezieht sich natürlich auf die muslimischen Migranten (bzw. in meiner Terminologie: Immiggressoren). Aber seine Transposition auf die abstrakte Ebene markiert (ungewollt) auch den "Höckismus" ausgezeichnet (meine Hervorhebungen): "Der Reflexionslosigkeit, die sich machtpolitisch immer leicht instrumentalisieren läßt, entgeht das Paradox, daß man genau das Ideal vernichten will, bei dem man Zuflucht sucht. Es fehlt das Bewußtsein, daß die Grundlage der modernen Welt die Befreiung von der Religion zur Autonomie des Erkennens ist." So ist es; aber Höcke möchte "der kalten
funktionalen Welt eine Seele einhauchen", "die faszinierenden Dinge hinter den Dingen ..... entdecken". Ihm geht es um nichts weniger als eine "Wiederverzauberung der [deutschen] Welt". Wer behauptet, die Corona-Pandemie sei nur "herbeigetestet" und "Die Testung und die Anzahl der Testung führt überhaupt dazu, dass wir eine Pandemie haben", der sägt an den Grundlagen für das, was er auf der anderen Seite (für die Vergangenheit und mit Bezug auf ein Buch des Briten Peter Watson) rühmt: Dass Deutschland "durch zentrale Entwicklungen und Entdeckungen in den Naturwissenschaften vieles gegeben" habe. Und dass er "Reflexionslosigkeit ..... machtpolitisch ..... instrumentalisiert", beweist bereits seine eigene, wie vorliegend gezeigt weit unterentwickelte, Selbstreflexion.
Allerdings ist Brandner auch ein übler Amerikahasser und Putin-Papagei. Ersichtlich ist das an seiner Hetze "In der NATO-Falle" (10.11.2022) zum Ukrainekrieg: "... von langer (westlicher) Hand provozierten Einmarsch Russlands in die Ukraine ..... . Die geopolitische Strategie der NATO, Russland zum Einmarsch geradezu zu nötigen". (Als Beweis müssen u. a. YouTube-Videos des 9/11-"Truthers" Daniele Ganser und der "Jimmy Dore Show" herhalten.) Als Krönung verbreitet Brandner auch noch Putins-Nazi-Agitprop gegen die Ukraine: "Was wäre ein Russland, das noch nicht einmal seine eigenen Landsleute in der Ukraine (Donbass, Krim) vor der militärischen Vernichtung durch eine nationalideologische (neonazistische) ukrainische Armee schützen kann?"


Zurück zum "Werteschaum": Eine Definition "westlicher Werte" finden wir hier nicht; und ebenso wenig eine Begründung Höckes, warum diese nur ein "aufgeblasene[r] Werteschaum" sein sollen.
Fest steht aber, dass es hier NICHT darum geht, dass der Westen selber seine Werte nicht immer beachtet. Das wäre zwar eine berechtigte Kritik, kann aber nicht verallgemeinert werden, denn derartige Missachtungen sind kein Dauerzustand. Und davon abgesehen gilt für ALLE Gesellschaften, dass ihre Individuen oder auch Organisationen, bis hin zu staatlichen und überstaatlichen, sich nicht immer an die offiziell geltenden Werte halten.
Ebenfalls berechtigt wäre eine Kritik daran, dass die westlichen Werte, also speziell die Menschenrechte, sich heute in ihrer praktischen Ausprägung und ihrer Auslegung (z. B. durch das Bundesverfassungsgericht) GEGEN Menschen kehren: Sie begünstigen diejenigen, die illegal in unser Land einfallen und machen im Ergebnis die Autochthonen zu deren Sklaven, welche der Kuckucksbrut gefälligst das Futter beizuschaffen haben. Möglicher Weise geht das Buch "Die Ideologie der Menschenrechte und das Ethos des Menschseins" des von Höcke erwähnten Philosophen Rudolf Brandner (s. o.) in diese Richtung, auch wenn sich eine solche Deutung nicht direkt aus dem Kontext herleiten lässt.
Aber auch eine Übertreibung und Absurdisierung entwertet die Werte nicht als solche; bei seiner "Werteschaum"-Äußerung kann nur eine grundsätzliche Aversion Höckes gegen alles "Westliche" im Hintergrund stehen.

Auch in Sachen "Werteschaum" widerspricht sich Höcke an anderer Stelle selber [gehört eigentlich zu Kap. V über Höckes Pech beim Nachdenken!], indem er dem "Werteschaum" weltweite Gültigkeit zuspricht (sein Einwand gegen sog. "Verfassungspatriotismus" ist berechtigt, aber hier nicht Erörterungsgegenstand; meine Hervorhebung):
"Wer von den bundesrepublikanischen Alt- und Neubürgern verlangt, Loyalität gegenüber der westlichen Werteordnung zu üben oder sie sogar zu lieben, verkennt, daß sie zu den moralischen Universalien gehört und höchstens geachtet und respektiert werden kann. Der 'Verfassungspatriotismus', den Dolf Sternberger und Jürgen Habermas als rationale Identifikationsgrundlage gegen den 'irrationalen' Volksbezug in Stellung gebracht haben, übt nur eine schwache Bindekraft aus." [Beim letzten Satz gebe ich Höcke Recht!]


2) "Westlich-dekadenter Liberalismus"

"Wir Deutschen sind im Zuge des westlich-dekadenten Liberalismus und der ausufernden Parteienherrschaft zu einer bloßen Bevölkerung herabgesunken."
Rein grammatikalisch erlaubt dieser Satz aus Höckes Buch ZWEI Lesarten:
  • Der Liberalismus ist durch westliche Dekadenz verdorben (das wäre die für Höcke günstige Auslegung) und
  • "Liberalismus" ist per se etwas Westliches (Undeutsches), und der Westen ist per se dekadent.
Für Kritik am (tatsächlich oder seiner Meinung nach übertriebenen) Liberalismus wählt Höcke in der Regel allerdings den Begriff "liberalistisch" (oder "neoliberal"):
  • "Nicht nur, daß die Linke mit der Anbiederung an das neoliberale Establishment sich ideenpolitisch vollständig diskreditiert hat, mit der Übernahme der liberalistischen No-Border-No-Nation-Ideologie heftet man sich heute an ein weiteres absurdes Projekt, das scheitern wird."
  • (Frage) "Aber schwirrt nicht gerade in manchen rechten Zirkeln die Idee herum, den Faschismus als 'weichere' Variante gegenüber der harten, rassistischen NS-Ideologie neu zu etablieren?"
  • (Höcke) "Davon halte ich nichts. Man wird wohl kaum seine historische Wirkkraft und seine ernsthaften Versuche, die liberalistischen Krisen Anfang des 20. Jahrhunderts zu überwinden, bestreiten können." (An anderer Stelle dehnt Höcke diese "Würdigung" des Faschismus auf den Nationalsozialismus aus - und sogar auf den Kommunismus: "Der Nationalsozialismus und Faschismus sowie der Kommunismus versuchten Anfang des 20. Jahrhunderts mit brachialen Mitteln und Methoden die Krisen der Moderne in den Griff zu bekommen, scheiterten aber dramatisch."
Wenn man jedoch bedenkt, dass Höcke schon mit der Konsumfreiheit seine Probleme hat und dass er sein Volk als "Zuchtmeister" zu formen hofft, dann darf man getrost davon ausgehen, dass ihm auch der Liberalismus insgesamt nicht geheuer ist. Dafür sprechen auch seine Ausfälle gegen die "heutige... Parteiendemokratie", den zu überwindenden "Parteigeist" und die "ausufernde... Parteienherrschaft
Wer Faschismus, Nationalsozialismus und sogar den Kommunismus als "ernsthafte Versuche" einstuft, "die liberalistischen Krisen der Moderne in den Griff zu bekommen",  der vertauscht Ursache und Wirkung. Und traut der Demokratie offenbar nicht zu, Krisen in den Griff zu bekommen. Als jene Krise, die Faschismus, Kommunismus und Nationalsozialismus seiner Meinung nach zu überwinden versuchten, identifiziert Höcke eine von ihm (im vorangehenden Satz) konstatierte Entwicklung, bei der "Die Staatlichkeit, die den produktiven Ordnungs- und Gestaltungsrahmen garantierte, ..... mit der zunehmenden Dominanz der Parteien und ihrer Okkupation öffentlicher Institutionen" verfallen sei. Für ihn sind also die Parteien (mit ihrem "Parteigeist") schon als solche eine Verfallserscheinung, die es zu überwinden gilt. Auch wenn Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus gescheitert sind, präferiert Höcke nach wie vor eine autoritäre Staatsordnung. Von daher ist auch seine Affinität zu Putins Russland nicht überraschend.

Offenkundig zieht Höcke seine Zuchtmeisterdemokratur unserer "Parteiendemokratie" vor.


3) "Verordneter westlicher Rationalismus"

"Der kürzlich verstorbene CDU-Politiker Heiner Geißler warnte in seinem Buch Zugluft – Politik in stürmischen Zeiten, daß die Deutschen aufpassen müssen, nicht wieder vom Volksgeist der deutschen Romantik übermannt zu werden. Spätestens hier sollten wir stutzig werden: Warum will uns jemand aus dem Establishment von einer der fruchtbarsten geistig-literarischen Epochen unserer Kulturgeschichte fernhalten? Ist es die Sorge vor »deutscher Innerlichkeit«, die sich mit dem verordneten westlichen Rationalismus nur schwer vereinbaren läßt?"
Höcke konstruiert hier "deutsche Innerlichkeit" und "westlichen Rationalismus" als Gegensatzpaar. Und das Westliche wurde uns in diesem Falle seiner Meinung nach "verordnet", also aufgezwungen.
Daraus folgt, dass Deutschland nach Höckes Meinung
  • nicht zum Westen gehört
  • nicht zum Westen gehören soll
  • und dass das "Westliche" dem deutschen Volksgeist widerspricht.
Er hasst also nicht nur die USA: ALLES "Westliche" ist ihm suspekt bis verhasst. Das ist der typisch deutschnationale Diskurs aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts: Wir sind anders - und selbstverständlich etwas ganz Besonderes.


4) Deutsche vs. "westliche" Soziologie?

"Das Ansehen, welches die Deutschen bei unzähligen Erdenbürgern in Afrika, Amerika und Asien genießen, die nicht durch die Narrative der westlichen Soziologen und Politologen erreicht werden, beruht auf einem Wohlstandsaufbau, der in der Zeit von 1850 bis 1918 aus dem Geist und der praktischen Tüchtigkeit der Deutschen erwuchs. Das bleibt den Menschen von Bagdad bis Zanzibar unvergessen."
Ganz abgesehen davon, dass Höcke fromme Legenden über die super wohltätige deutsche Kolonialherrschaft verbreitet (an welche die Erinnerung nach über hundert Jahren ohnehin weitgehend verblasst sein dürfte!) wettert er auch hier wieder gegen Westliches; in diesem Falle "westliche" Soziologen und Politologen (zu denen er vermutlich auch die einschlägigen deutschen Wissenschaftler rechnet).


5) Freiheit und "wahre" Freiheit

"In unserer westlichen Hemisphäre, in der Freiheit meist mit 'ungestörtem Fressen' gleichgesetzt wird"
Nun plötzlich gehören wir doch zum Westen? Das wäre dann einer der (eigentlich im Kapitel V behandelten) zahllosen Widersprüchen in Höckes Äußerungen.
Oder liegen wir nur (quasi zufällig) in der "westlichen Hemisphäre"? 
Jedenfalls grenzt er auch hier ab; allerdings nicht zwischen dem Deutschland, wie es ist, sondern dem Deutschland, wie es seiner Meinung nach sein sollte - und dem Westen. Der Westen ist schnöder Materialismus; Deutschland muss höhere Werte haben. Deshalb ist ihm auch die Konsumfreiheit suspekt: Er will als "Zuchtmeister" den Deutschen eine wie auch immer geartete 'wahre Freiheit' eintrichtern. Damit der gierige Pöbel endlich dem ostasiatischen "Plastikmüll" entsagt. 



V. BJÖRN THE BRAIN IST NICHT GRUNDSÄTZLICH DUMM. ER HAT NUR SEHR VIEL PECH BEIM NACHDENKEN.

"Weder die von Höcke gepflegten Begriffe 'Bescheidenheit' noch 'Demut' hindern ihn ..... daran, in den Fußstapfen der größten Dichter, Denker und Weltenlenker zu wandeln – nie scheinen ihm diese Schuhe zu groß zu sein. Ob Friedrich der II. von Hohenstaufen, 'der Flötenspieler von Sanssouci', Bismarck oder Adenauer – kürzer darf die Elle nicht sein, an der sich Höcke messen lassen will, um sich von 'mediokren Schweinchen-Schlau-Figuren der heutigen Parteiendemokratie' abzusetzen. Sein inniger Wunsch: 'Macht und Geist müssen einst wieder konvergieren'."
schreibt Dieter Stein in seiner Rezension "Bescheidener Weltenlenker" von Höckes Gesprächsbuch.
In der Tat schleppt Höcke in seinem Buch unzählige Zitate von Autoritäten der deutschen und abendländischen (Kultur-)Geschichte an. So fällt es vielen vermutlich vielen gar nicht auf, dass es bei ihm selber mit dem von anderen Politikern großspurig eingeforderten "Geist" nicht weit her ist. Wenn man unter "Geist" die Fähigkeit zu eigenständigem Denken versteht.

Schon indem er in dem o. a. WSJ-Interview seinem Gesprächspartner (bzw. dessen Lesern) die vermeintliche Qualität des Schultze-Rhonhof-Machwerks subkutan mit dem Hinweis einimpfen will, das sei ja "über 50.000 Mal meines Wissens auch verkauft worden" (s. o.), entlarvt er sich als intellektuell eher schlichtes Gemüt. Von daher überraschen dann auch krasse Selbstwidersprüchlichkeiten nicht mehr, wie man sie in seinem Gesprächsband findet:


1) Nachdenken nach der Niederlage: Haben die Alliierten die Deutschen dran gehindert - oder hatten wir gerade Wichtigeres zu tun?

Zum angeblichen Umgang Deutschlands mit dem Holocaust hat sich Höcke auf der deskriptiven wie auf der normativen Ebene ein ausgefeiltes Narrativ zusammengebastelt, das er im seinem Buch (unter ausdrücklicher Bezugnahme auf seine Dresdner Rede) im Dialog mit seinem Gesprächspartner präsentiert: Die Deutschen hätten sich ja liebend gerne selbstkritisch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen wollen; aber die bösen Alliierten hätten diese Impulse unterdrückt, indem sie uns die "Vergangenheitsbewältigung" aufgezwungen haben:
"Ein weit verbreiteter aufrichtiger Wille, die Verfehlungen und Verbrechen des Dritten Reiches zu verarbeiten, wurde überlagert von den Interessen der Siegermächte. Das hat eine wirkliche Katharsis erschwert, wenn nicht gar vereitelt."
Substantiierungen oder gar Beweise für seine Behauptung legt er natürlich nicht vor; auch darüber, wie denn eine "wirkliche Katharsis" seiner Meinung nach auszusehen hätte, macht er keinerlei Angaben.
Vielmehr haben die Siegermächte (meint er die wirklich - oder lediglich die Westmächte?) den angeblich
"vorhandene[n] moralische[n] Impuls ..... geschickt in die einsetzende
»Vergangenheitsbewältigung« überführt – zum Zwecke politischer Gängelung
und Paralyse unserer nationalen Identität."
Wie das vonstatten gegangen sein soll, erklärt Höcke ebenfalls nicht - kann er auch gar nicht, denn das alles ist (s)ein pures Phantasiekonstrukt. Freilich hat sich Höcke, ohne es zu bemerken, selber ein Lindenblatt auf sein schickes Schutznarrativ druffgepappt, wenn er in seiner anschließenden Antwort auf die Frage
"Wären denn die Deutschen damals zu solch einer »Läuterung« überhaupt in
der Lage gewesen?"
einräumt (meine Hervorhebung):
"Natürlich waren die allermeisten in den Nachkriegsjahren mit dem nackten Überleben beschäftigt und hatten zigfache Existenzprobleme zu bewältigen. Nachdem der erste Schock aufgrund des Zusammenbruchs überwunden war und die Lebensverhältnisse sich langsam normalisierten, wären jedoch noch genug Antriebe vorhanden gewesen. Diese erlahmten dann aber nach und nach in der aufkommenden Wohlstandgesellschaft mit ihren vielfältigen Verheißungen und Ablenkungen."
Nach dieser Darstellung waren es also doch nicht die finsteren Machenschaften der Siegermächte, die den Deutschen ihren angeblich dringenden Wunsch zur kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ausgetrieben haben: In Wahrheit hatten die Deutschen selber in den Notjahren keine Zeit und in den Aufbaujahren keine Lust mehr zu einem solchen Beginnen!
Höckes Antworten speisen sich ganz offensichtlich NICHT aus einem stimmigen Weltbild; sie sollen lediglich nur auf Einwände eine jeweils plausible Erklärung geben. Dass die dann nicht mehr zu anderen seiner Welterklärungen passen, das bemerkt der Weise aus Bornhagen gar nicht.
Intrinsische Logik ist nicht die Sache von Björn Beutegreifer: Der schnappt sich alles, was auf den ersten Blick zu seinem Patchwork-Weltbild passt, dass er mit "kognitiver Leichtigkeit" konstruiert und pflegt. (Womit er zugleich auch den intellektuellen Bedürfnissen seiner "Kunden" perfekt angepasst ist.)


2) Vorsprung durch Erkenntnis - Erkenntnis ohne Nachdenken?

Wo es um Abstrakta geht, die sein Deutschland zu erhöhen scheinen, greift Höcke ebenso beherzt wie unreflektiert zu (meine Hervorhebungen): 
"Wir Deutschen haben in unserer wechselvollen Geschichte mehrfach schwere Prüfungen und elementare Reifungsschübe erfahren. Wenn wir zum Beispiel auf die katastrophale Niederlage von 1945 blicken, kann man sagen: Es gibt neben all dem Elend und Schrecken auch einen »Vorsprung der Besiegten«, wie ihn der luzide Titel eines Buches von Baal Müller nahelegt."
Das kann sein Gesprächspartner, quasi als Repräsentant der späteren Leser, nicht unhinterfragt stehen lassen:
"Es fällt nicht leicht, angesichts der Millionen Toten und der gigantischen
Zerstörungen einen »Vorsprung« zu erkennen
."
Höcke erklärt, was Baal Müller seiner Meinung nach mit dem Buchtitel gemeint hat:
"So widersinnig diese Feststellung angesichts des Zusammenbruchs erscheinen mag, ist der Sieger ebenso anfällig für Selbsttäuschungen wie der Verlierer verzweifelt ist. Er glaubt, alles richtig gemacht zu haben und ist überzeugt, daß sein »System« das bessere, wahre, erfolgreichere sei. In einem vulgärdarwinistischen Sinne hat er ja auch recht: Sein »System« war das stärkere und hat sich durchgesetzt. Aber das macht ihn hochmütig und kritikunfähig gegenüber den eigenen Fehlern und Defiziten. Der Verlierer ist erst einmal in einer Sinnkrise und hadert mit sich selbst. Er hat allerdings einen gewaltigen Vorteil gegenüber dem Sieger: Er ist durch die Umstände genötigt, sich Fragen zu stellen: Wie konnte das geschehen? Wo lief man fehl? Was kann man daraus für Lehren ziehen? Geschichte mag also für eine gewisse Zeit von Siegern geschrieben und dominiert werden, langfristig hat der Besiegte einen Vorsprung durch seinen Erkenntnisgewinn."

Interessant ist zunächst einmal seine Meinung, dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Vor diesem Hintergrund wird seine Bemerkung im WSJ-Interview verständlich (die man ebenso von vielen anderen Rechtsaußen z. B. in Facebook-Debatten zu hören bekommt):
"Und ich denke, das wird sicherlich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch zur entsprechenden Aufarbeitung führen und wird sicherlich neue Historikerdiskussionen auch hervorrufen."
Lies: Die Sieger haben uns was vorgeflunkert, was die Kriegsschuld angeht, in Wahrheit war alles ganz anders. Und wenn wir nur tüchtig nachforschen, entlarven wir den Betrug!

Sodann stoßen wir auf eine Inkonsistenz in Höckes Argumentation, die typisch ist für sein Nicht-Weiter-Denken, wenn er vermeintlich einen tollen Fund für sein Weltbild gemacht hat:
"Der Verlierer ..... ist durch die Umstände genötigt, sich Fragen zu stellen: Wie konnte das geschehen? Wo lief man fehl? Was kann man daraus für Lehren ziehen?"
Genau diese Fragen will Höcke aber gerade NICHT stellen; das wäre für ihn (verwerfliche) Vergangenheitsbewältigung! Also bloß keine Fragen stellen oder gar Lehren ziehen: Höcke ist schon happy, wenn er sich nur an der Fata Morgana eines angeblichen Erkenntnisvorsprungs Deutschlands gegenüber den Siegermächten aufgeilen kann. 

Tatsächlich relativiert Höcke bereits im Buch seine Behauptung gleich selber
Höcke: "Geschichte mag also für eine gewisse Zeit von Siegern geschrieben und dominiert werden, langfristig hat der Besiegte einen Vorsprung durch seinen Erkenntnisgewinn."
Einwurf des Gesprächspartners: "Das ist jetzt die idealtypische Beschreibung eines Vorgangs, der sicherlich nicht zwangsläufig geschieht."
Höcke: "Ja, diese Chance muß natürlich auch ergriffen werden. Inwieweit das in
Deutschland nach 1945 gelungen ist, wäre einer eingehenden Betrachtung
wert.
"
Björn Hogwarts lebt in einer Welt des magischen Denkens. Von der Realität hat er sich erfolgreich abgeschottet. Das muss er auch, denn einer kritischen Auseinandersetzung würde sein Weltbild nicht standhalten.

Es ist ein gar nicht seltenes Phänomen, dass kognitive Verzerrungen, bedingt durch Gefühl und Intuitionen, die Rationalität zurückdrängen. Im Alltag denken und handeln wir recht häufig mit der Methode des von Daniel Kahnemann so bezeichneten "schnellen" Denkens. Denn das abstrakte ("langsame") Denken, das die komplexen Berechnungen und die Hypothesen erstellt, die wir für richtig oder falsch anerkennen, dauert nicht nur lange – es verbraucht auch Ressourcen. Es strengt den Organismus zu sehr an, um ständig in Gebrauch zu sein.
Bei Höcke scheint es allerdings noch öfter ausgeschaltet zu sein, als bei den von ihm gescholtenen anderen Politikern.


3) USA: Breischüssel oder Salatschüssel?

Total gedankenlos haut er in engstem Textzusammenhang z. B. auch zwei seiner Bemerkungen über die Amerikaner raus. Zunächst diagnostiziert er:
"Auch in den USA ist nach dreihundert Jahren »Melting pot« kein neues Volk entstanden, die eingewanderten Volksgruppen haben sich im Gegenteil stark segregiert und eine »Salad bowl« gebildet."

Nur wenig später  behauptet er das genaue Gegenteil:
"... in den USA [setzten sich] die »Weißen« und die »Schwarzen« 
vor ihrer Amerikanisierung aus mehreren hochdifferenzierten Völkern mit
eigenen Identitäten zusammen. Jetzt sind sie in einer Masse aufgegangen."*
Durch Herabwürdigung anderer haben die "Völkischen" bereits zu Zeiten der Weimarer Republik ihr Trauma der deutschen Niederlage bewältigt: 'Wir haben zwar den Krieg verloren; aber immerhin sind WIR ein KULTURVOLK! Die anderen dagegen sind nur Masse ohne Klasse'! Dass die Amis reihenweise Nobelpreise abräumen, ficht die unreflektierte Phrasendreschmaschine Höcke nicht an.


4) Flache Massenmenschen: Nur die Amis - oder alle?

An anderer Stelle attestiert Höcke den Europäern, was er uns oben als Negativkennzeichen der Amis andrehen wollte (meine Hervorhebung):
"Als Begleitmusik [zur Entwicklung des Kapitalismus seit dem 18. Jh.] mutierte das schöpferische Individuum, das sich seit der Renaissance zu großer Blüte entfaltet hatte, im Laufe der Zeit zum flachen Massenmenschen". Das ist die typische rechte Kulturkritik seit ca. 1900, mal gegen die Amis gerichtet, mal gegen den Pöbel im eigenen Land (das sind natürlich immer die anderen): Gegen wen man sich halt grade durch Selbstbeweihräucherung absetzen will!


5) Volksverarsche mit idiosynkratischem Kapitalismusbegriff

In dem (schon oben behandelten) Aufsatz "Deutsche Impulse überwinden den Kapitalismus. Krisen, Chancen und Auftrag" (Download z. B. auf der Webseite von Prof. Hajo Funke) von "Landolf Ladig" entpuppt sich die in der Überschrift verheißene "Überwindung des Kapitalismus" rasch als rhetorischer Taschenspielertrick.

Das herrschende Wirtschaftssystem wird in unsrer Gesellschaft ziemlich allgemein, also nicht nur von Marxisten oder in schmähender Absicht, als "Kapitalismus" bezeichnet. Teilweise auch von Höcke selber, wenn er etwa in seinem Gesprächsbuch vom "Aufkommen des Kapitalismus im 18. Jahrhundert" spricht. Aber "Landolf Ladig" behauptet hier, "die gegenwärtige Krise" sei "definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems" (das also gar kein "Kapitalismus" wäre!). Sondern vielmehr eine Krise des "korrespondierenden Geldsystems", das er als "zinsbasierten Kapitalismus" bezeichnet.

In gleicher Weise operiert auch Höcke in seinem Gesprächsbuch mit einem idiosynkratischen, also exklusiv privaten Kapitalismusbegriff, um sich zum Gegner des Kapitalismus aufspielen zu können (meine Hervorhebungen):
"Die AfD muß sich ..... langsam entscheiden, ob sie als kritischer Teil des Establishments agieren möchte, wie es die sogenannten 'Realpolitiker' in der Partei fordern, oder ob sie eine wirkliche Alternative zum Bestehenden sein will – was eine globalisierungs- und kapitalismusüberwindende Position einschließt."
Auf die Frage seines Gesprächspartners
"Sie sind ein strikter Antikapitalist?"
antwortet Höcke:
"Wenn man die heute herrschende Ökonomie als Grundlage nimmt, dann schon. Denn ein ungebändigter Kapitalismus fördert nicht nur die Gier, sondern zerstört neben dem sozialen Zusammenhalt langfristig auch die Völker und Nationen. Mit Kapitalismus meine ich also nicht eine sinnvolle Marktwirtschaft, die in einer erneuerten Volkswirtschaft ihren wichtigen Platz haben wird, sondern die einseitige Dominanz und Extremisierung eines Produktionsfaktors – des Kapitals – unter Vereinnahmung der beiden anderen: Arbeit und Boden. Man kann dieses System mit der Formel zusammenfassen: Geld regiert die Welt! Dagegen stellen sich völlig zurecht linke wie rechte Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker."
Was ein (un-)gebändigter Kapitalismus sein und worin die Dominanz des Produktionsfaktors Kapital bestehen soll, verrät Höcke uns nicht - und hat mit Sicherheit auch keinerlei Vorstellungen davon. Er greift einfach aktuelle Stichworte auf, unter denen jeder sich vorstellen soll, was ihm gerade in den Kram passt.

Auch an anderer Stelle haut er mächtig auf den Putz (oder, wie die Schweizer sagen würden: Rührt er mit der großen Kelle an), wenn es gegen irgend etwas (nicht näher Definiertes) geht, worinnen der Begriff "Kapitalismus" vorkommt. In seiner Erfurter Rede vom 26.10.2016 behauptet er (meine Hervorhebungen): 
"Europa und Afrika sind beide Opfer - Opfer eines kulturvernichtenden Raubtierkapitalismus, der nach dem Brandrodungsprinzip funktioniert. Dieser Raubtierkapitalismus muss an die Kette gelegt werden". (S. 61 COMPACT-Sammelband)
Gut ein Jahr später, am 25.11.2017, tönte Höcke in Leipzig gegen die "Agenda der Globalisten": 
"Diese Theorie ..... ist das perfekte ideologische Vehikel, mit dem eine kleine Geldmachtelite ihre Interessen auf Kosten aller Völker der Welt durchzusetzen trachtet. Es handelt sich um die Interessen einer winzigen Minderheit, also der wenigen hundert Letzteigentümer der miteinander verflochtenen internationalen Konzerne ..... . Ein Patriot, der das erkannt hat, hat seinen wahren politischen Gegner erkannt."
Diese letztere Aussage ist auch deshalb interessant, weil sie die inneren Widersprüche von Höckes Denken über die politische und wirtschaftliche Steuerung unserer Gesellschaft durch eine kleine Clique bloßlegt. Eine "Geldmachtelite", die aus Konzerneigentümern besteht ist eine selbstwidersprüchlich: Das wäre dann eine WIRTSCHAFTSELITE. Der mit einer Änderung des Geldsystems (s. u.) nicht beizukommen wäre.

Aber im Grunde gehen Bemühungen, Höcke hier Widersprüchlichkeiten nachweisen zu wollen, an dem simplen Faktum vorbei, dass er überhaupt keine Gedanken oder Argumente verwendet, sondern wie ein automatisierter Rede-Generator operiert.
Er wirft lediglich diskursive Versatzstücke in die Manege, bei denen die Zuhörer darauf dressiert sind, sie als bedeutungshaltig wahrzunehmen. Schon Goethe hatte derartige Verhaltensweise beobachtet und bloßgestellt: "Denn eben wo Begriffe fehlen, Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein." Geholfen hat seine Aufklärung leider nichts.

Jedenfalls: Wie Höcke den "Raubtierkapitalismus" "an die Kette" legen will, das weiß er selber nicht. Er will ja auch lediglich seinen Zuhörern mit einem hübschen Bild vorgaukeln, dass er jene wirtschaftlich-gesellschaftlichen Tiefenzusammenhänge durchschaue, welche dem gewöhnlich Sterblichen verborgen bleiben. "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch [vulgo: denket] für euch" lockt die biblische Verheißung. Ob Messias oder Jahrmarktschreier: Ein jeder findet sein gläubiges Publikum.


Jedenfalls wird deutlich, dass eine mühevolle Systematisierung seiner Gedanken dieses Autors Sache nicht ist. Ohne das transparent zu machen (und zweifellos sogar ohne das selber zu bemerken) bastelt er sich einen unbestimmten, exklusiv privaten und situationsvariablen Popanz-Kapitalismusbegriff zusammen und verkündigt großspurig ebenso unbestimmte Rezepte für dessen Überwindung. So wollte ich sein Prozedere zunächst beschreiben. Aber selbst dass ist FALSCH: Höcke HAT KEINE "BEGRIFFE" dergestalt, dass er im Goetheschen Sinne eine Wirklichkeit mit Worten be-greifen würde. 
Höcke hascht nach hübschen Wörtern: Er stellt das Kleingeld gängiger Diskurse zu attraktiven "Musterkarten" zusammen und geht damit hausieren. Realitätsgehalt haben seine Wörter nicht, ihr "Sinn" liegt lediglich in ihrer Bindungsfunktion zwischen Redner und Zuhörer zu einer Gemeinschaft der Gläubigen. Redner und Hörer sehen das natürlich anders: Für Höcke "beweist" die positive (oder zumindest widerspruchslose) Rezeption durch seine Hörer, dass er etwas Sinnhaltiges gesagt hat. Und für die Hörer wiederum ist der Redner, Höcke also, der Garant für die Sinnhaftigkeit seiner Worte: Der wird schon wissen, wovon er redet und was genau er meint! Wie in einer sektiererischen Gemeinschaft sind auch Höcke und seine Jünger in einem selbstreferentiellen System verbunden (oder, aus anderer Perspektive: gefangen). Anführer und Gefolge beziehen ihre Bestätigung voneinander; ihr gemeinsamer Kommunikationsraum wird zur eigenständigen Wirklichkeit jenseits der Wirklichkeit. Wahr ist, was geglaubt wird ("credo quia absurdum est"!); ein Realitätsbezug wird nicht erwartet und dessen Fehlen nicht hinterfragt.
 

Nachdem Höckes einzige praktische Forderung zur Kapitalismuszähmung ein "Investitionsverbot raumfremden Kapitals" ist unterstelle ich ihm, dass auch in dieser Sache seine einzige praktische Vorstellung tribalistischer Natur ist: "Wir" gegen "Die". Unsere Volksgenossen (kein Ausdruck von Höcke; jedoch wird die völkisch-deutschnationale Prägung seines politischen Denkens an vielen Stellen seines Buches deutlich) können einfach nur "gute" Kapitalisten sein: Weil es eben "unsere" Leute sind. Wohingegen die "Raumfremden" als "die anderen" schon per se böse sind und uns Übles wollen.

Auf die Herausforderungen des dritten Jahrtausends ist Höckes atavistischer Klanismus keine angemessene Antwort. Mir liegt es fern, die Verteidigung legitimer und WOHLVERSTANDENER deutscher Interessen zu kritisieren. Aber die definieren sich im Raumfahrtzeitalter sehr viel anders als zu Postkutschen- oder Eisenbahnzeiten. Und enden auch nicht an Rhein und Oder.

Höcke ist ein substanzloser Blender. Er ist das genaue Gegenteil der von ihm verbal so hoch verehrten Instanzen "Bismarck" und "Preußen".
Vom Bismarck unterscheidet ihn allein schon das komplett fehlende Einfühlungsvermögen in die Befindlichkeiten anderer Staaten/Völker.
Und den preußischen Grundsatz "Mehr sein als scheinen" verkehrt Höcke in sein genaues Gegenteil: Seine klingenden Worte transportieren Schein ohne Sein.


6) Ist doch toll, wenn wir unsere Exporte beschränken? 

(Höcke) "..... unsere politische Klasse ..... gerät ..... schon bei der Ankündigung eines Handelskrieges seitens der USA in Panik."
(Frage) "Wäre für unsere exportabhängige Wirtschaft ein solcher Handelskrieg nicht tatsächlich fatal?"
(Höcke)  "Auch wenn uns Deutschen dadurch für eine gewisse Zeit wirtschaftliche Probleme und Schmerzen drohen würden: ein solcher politisch-ökonomische Realitätsschock sollte uns dazu bringen, die einseitige Exportorientierung unserer Wirtschaft zu überdenken und nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten. Der Boykott gegen Putins Rußland in Folge der Krise in der Ukraine – einmal ganz abgesehen davon, wie tatsächlich oder fabriziert diese Krise war – hat heute schon der russischen Wirtschaft mehr genutzt als geschadet, was von der auf Export ausgerichteten deutschen Wirtschaft nicht behauptet werden kann. Da sind viele gewachsene und fruchtbare Beziehungen wohl für immer auf dem Altar der westlichen Bündnistreue geopfert worden, während die russische Wirtschaft sich diversifiziert hat und insgesamt autarker geworden ist. Das könnte der deutschen Wirtschaft auch wohltun und sie weniger störungsanfällig gegenüber dem internationalen Finanzmarkt werden lassen, so wie es ihrer Leistungsfähigkeit entspricht."
Höckes o. a. Äußerungen (von 2018) beziehen sich auf die Sanktionen, die wegen der Einverleibung der Krim durch Russland im Jahre 2014 verhängt worden waren. Wer hier behauptet, Deutschland habe Wirtschaftsbeziehungen "auf dem Altar der westlichen Bündnistreue geopfert", der hat mit Putins Landraub keine Probleme. Imperialismus ist für Höcke offenbar eine ganz normale Verhaltensweise (außer natürlich, er käme von den USA). Hier zeigt sich erneut, dass diesem Manne eine abstrakte politische Moral fremd ist ("Werteschaum" - s. o.). Dem entsprechend würde dieser Typ zweifellos auch Deutschland politisch skrupellos führen, wenn wir ihn jemals an die Macht kommen ließen. 

Davon abgesehen: Was hat er eigentlich gegen Exportsanktionen gegen Russland, wenn er die deutsche Exportlastigkeit doch ohnehin beklagt - die dadurch ja gemindert wird? Auch hier also nichts als undurchdachtes ad-hoc-Geschwätz!
Und WIE man die Exportlastigkeit Deutschlands reduzieren könnte, ohne Arbeitslosigkeit zu riskieren: Darüber hat Höcke ohnehin gar nicht erst nachgedacht.


7) Soziale Entwicklung oder Verschwörung der Herrschenden: Bei Höcke geht beides zusammen

"Niemand kann ein Volk gegen seinen Willen abschaffen. Es wäre also zu billig, die Verantwortung auf obskure fremde Mächte abzuschieben. Hier hat sich vielmehr der alte europäische Universalismus und Kosmopolitismus mit einem tiefsitzenden Schuldkomplex verbunden und zu einer Ideologie der Selbstaufgabe extremisiert. Unabhängig davon bin ich überzeugt, daß sich hinter der weichen humanitären Phraseologie unserer herrschenden Klassen ein hartes politisches Programm verbirgt, das den latenten Masochismus der Europäer für üble Zwecke instrumentalisiert: Die Entnationalisierung der europäischen Völker und die Umwandlung der bisherigen Nationalstaaten in multi-ethnische Gebilde. Wir müssen daher den lügenhaften Schleier lüften, der sich mit dem Beschwören der humanitären Katastrophe im Rahmen der Flüchtlingswelle über die ganze Diskussion gelegt hat. Es geht nur vordergründig um Schutz und Hilfe. Im Prinzip sollen nach den Vorstellungen unserer Machthaber, die zu einer geschlossenen transatlantischen Politelite gehören, alle Menschen, die es geschafft haben, nach Europa und Deutschland zu kommen, hierbleiben und möglichst noch viele mehr dazu kommen – am besten aus nichteuropäischen Ländern." (Meine Hervorhebungen)

Fragt sich nur, welches RATIONALE Interesse unsere Machthaber daran haben könnten, massenhaft Sozialleistungsempfänger zu importieren? Der Wirtschaft dient ein "großer Austausch" mit dem Import unqualifizierter Arbeitskräfte eher nicht.

Zumal sich Höcke auch in diesem Zusammenhang widerspricht, wenn er implizit konstatiert, dass die Massenimmiggression [wie gesagt: MEIN Begriff!] den Interessen der Elite eigentlich schadet:
"Gut, die innere Leere haben unsere herrschenden Obernichtse mit vielerlei materiellen Plunder vollgestopft, damit die Seelen ein bißchen das Gefühl von Fülle bekommen. Den werden wir wohl nun im Zuge der Alimentierung von Millionen neuer Sozialfälle verlieren."
Höcke zufolge würden also die "Obernichtse" ihre eigene "panem-et-circences"-Politik konterkarieren und damit eine Rebellion gegen ihre Herrschaft riskieren. Das wäre eine ziemlich seltsame "Verschwörung"! 


8) Björn Hogwarts' Zauber-Geldsystem: Sozialpolitik ohne Umverteilung!

Anno 2008 wurde in der Zeitschrift JUNGE FREIHEIT ein Leserbrief von Björn Höcke abgedruckt, den der linke Soziologe Andreas Kemper später "ausgegraben" hat ("Höckes völkische Postwachstumsökonomie" vom 22.10.2015; im Archiv der JF ist der Leserbrief online).
Unter der Überschrift "Dritte Wege diskutieren" wetterte Höcke schon damals gegen das Geldsystem (meine Hervorhebungen):
"Die gegenwärtige Krise ist definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems, also der Marktwirtschaft, sondern eine des korrespondierenden Geldsystems, des zinsbasierten Kapitalismus. Enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse führen zwangsläufig zu zyklischen Krisen einer hochgradig vernetzten, monokulturalisierten Weltwirtschaft.
Wenn es der Menschheit nicht bald gelingt, ein Geldsystem zu erschaffen, das nicht darauf angewiesen ist, ein ewiges Wachstum in einer endlichen Welt zu generieren, wird die letzte Hoffnung auf eine Selbstregulation von Mensch und Natur aufgegeben werden müssen. Die JF sollte schleunigst in eine Diskussion über 'Dritte Wege' einsteigen.

Diese Denke verbreitete Höcke neuerlich - als "Landolf Ladig" - in seinem o. a. Aufsatz "Deutsche Impulse überwinden den Kapitalismus. Krisen, Chancen und Auftrag" vom Mai 2011 in dem NPD-Blättchen "Volk in Bewegung" (Text hier übernommen aus dem Blog von Kemper; meine Hervorhebungen):
Das Wirtschaften für den Markt läßt sich bei vernünftiger Steuerung mit Gerechtigkeit und Erhaltung der Natur versöhnen, der Kapitalismus nicht. So ist denn die gegenwärtige Krise definitiv keine des herrschenden Wirtschaftssystems, sondern eine des korrespondierenden Geldsystems, des zinsbasierten Kapitalismus. Dieses die Gier schamlos belohnende System ermöglicht enorme Buchgeldschöpfungen, gigantische Kapitalakkumulationen und globale Konzentrationsprozesse. […] Dieser systemimmanente Wachstumszwang überfordert unsere endliche Welt, führt daher zu den bekannten zyklischen Zusammenbrüchen und verhindert eine Homöostase von Mensch und Natur sowie eine Freisetzung des Menschen zu sich selber. […] die weiter oben angeführte synonyme Verwendung der Begriffe Kapitalismus und Marktwirtschaft und die Verteufelung sogenannter „Dritter Wege“ [hat] dazu geführt, daß die medienmanipulierte Mehrheit heute noch keine Alternative zum herrschenden System denken kann. […] Die Weltwirtschaft mit ihrer globalen Arbeitsteilung ist extrem vernetzt. Pertubationen breiten sich rasend schnell aus.

Spannende Frage, ob oder inwieweit sich diese Vorstellungen über die Zusammenhänge zwischen Geld- und Realwirtschaft aus dem Machwerk "Brechung der Zinsknechtschaft" des NS-Geldsystem-Ideologen Gottfried Feder herleiten. Den haben zwar sogar die Nazis schnell "abgesägt", weil er selbst denen zu dumm war. Aber das hindert intellektuelle Minderleister unserer Tage natürlich nicht daran, sich neuerlich in seinen faulen Fango-Packungen zu suhlen. Dennoch liegt bei Höcke (oder Ladig) keine Übernahme vor, zumindest keine direkte. Zu Feders Zeiten hatte die Umweltdebatte nicht entfernt den Stellenwert wie heute; damals (und zumal 1919, als das "Manifest" herauskam!) hatten die Menschen ganz andere Sorgen. Feder verhieß ihnen eine "Befreiung der schaffenden Arbeit von den geheimen übergewaltigen Geldmächten" (S. 6).
Dennoch übt schon Feder Kritik an der breiten Masse. Unter dem ihm verhassten "Mammonismus" will er verstehen (S. 5, meine Hervorhebungen):
"Zum einen die internationalen übergewaltigen Geldmächte, die über allem Selbstbestimmungsrecht der Völker thronende überstaatliche Finanzgewalt, das internationale Großkapital, die einzig goldene Internationale; zum andern eine Geistesverfassung, die sich weitester Volkskreise bemächtigt hat; die unersättliche Erwerbsgier, die rein aufs Diesseitige gerichtete Lebensauffassung, die zu einem erschreckenden Sinken aller sittlichen Begriffe schon geführt hat und weiter führen muß".
Die angeblich "rein aufs Diesseitige gerichtete Lebensauffassung" ist natürlich nichts anderes als der von Höcke (vgl. weiter oben) gegeißelte "Materialismus".
Und irgendwie hängen scheinen bereits für Feder der Zins und die Produktionssteigerungen zusammenzuhängen; jedenfalls behauptet er:
"Die Hauptkraftquelle des Mammonismus ist der mühe- und endlose Güterzufluß, der durch den Zins geschaffen wird". Was hat er gegen einen "endlosen Güterzufluss"?

Wie auch immer: Die  Meinung, dass die Güterproduktion allein deswegen ständig steigen müsse, um die Zinseszinsen abtragen zu können, ist weit verbreitet und korreliert, wenn überhaupt, wohl allenfalls gering mit der sonstigen politischen Ausrichtung.
Wie ich in einem "EBaKeBa-Modell" gezeigt habe, ist das ein Irrglaube. Und es könnte sein, dass die Marktwirtschaftler in der AfD (und wohl ganz speziell die Libertären) Höcke diese Vorstellung ausgeredet haben. 
Denn mittlerweile thematisiert Höcke das Geldsystem nicht mehr im Zusammenhang mit der Umwelt, sondern mit der Sozialpolitik. (Womit er, wohl auf Umwegen, in gewisser Weise zu Feder zurückgekehrt wäre. Denn auch der wollte ja mit seinem Wundergeldsystem die Bürger bereichern.)

Zwar kommt (seltsamer Weise) das Geldsystem in Höckes Gesprächsbuch gar nicht vor. Aber an anderen Stellen weist er ihm eine zentrale Funktion in seinen sozialpolitischen Überlegungen zu.
So schrieb er z. B. am 18.03.2016 auf Facebook (meine Hervorhebungen):
"Das Scheingeld des Geldsozialismus ist der Treibstoff des Kasinokapitalismus, der marktwirtschaftliche Selbstregulierungsprozesse teilweise außer Kraft setzt. Der Wachstums- und Rationalisierungsdruck, der auf der Realwirtschaft lastet, und der auch dazu führt, daß der Mittelstand verschwindet und immer mehr Menschen in Deutschland von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können, hat seinen Ausgang auch in einem kranken Geldsystem. Wer in die Diskussion über den Mindestlohn einsteigt, sollte sich darüber im Klaren sein, daß er sich im Bereich des Nachsteuerns bewegt, also Symptompolitik betreibt. Das ist mir für die AfD zu wenig. Sie muß den Anspruch haben, die Ursachen für Fehlentwicklungen zu benennen. Der Kasinokapitalismus und der mit ihm korrespondierende Geldsozialismus dürfen nicht das Ende der Weltgeschichte sein. Die AfD muß Visionsfähigkeit zeigen. Dazu gehört auch der Mut, den Kapitalismus neu zu denken."

Und noch im Jahr 2021 hatte er in einem Interview mit der (rechten Ökologie-Zeitschrift) "Die Kehre" das Geldsystem als eines der zentralen Politikfelder beschrieben (meine Hervorhebung):
Auch die Wirtschaftsliberalen in der Partei sollten einsehen, daß Ökologie und Ökonomie versöhnt werden müssen. Dazu muß alles auf den Prüfstand – vom Geldsystem über die Globalisierung bis hin zu unserer Art des Wirtschaftens. Das sind große Zukunftsthemen. Wir müssen den Grünen das Thema Naturschutz wieder entreißen, weil es nur bei uns richtig aufgehoben ist! Dazu muß die AfD sich aber auch insgesamt bewegen. Es reicht nicht, abfällig vom 'Ökowahn' zu sprechen und die vorhandenen ökologischen Probleme auszublenden.“
(Im Internet ist die o. a. Interview-Passage nur indirekt zugänglich, nämlich hier, woher ich sie übernommen habe.)
Aus diesem Text ist zwar nicht zu erkennen, ob Höcke das Geldsystem als Übel für die Umwelt oder als sozialschädlich ansieht.
Aber in einer Rede vom 08.05.2020 vor dem Thüringer Landtag (S. 693 ff.) lässt er sich dazu ein. Eigentlich geht es um die Maßnahmen der Thüringer Landesregierung zur Bekämpfung der COVID-19 ("Corona") Pandemie. Aber am Schluss (S. 697) zieht Höcke eine Verbindung zum Geldsystem (meine Hervorhebungen; um falsche Eindrücke zu vermeiden, zitiere ich den fraglichen Abschnitt insgesamt):
"Lassen Sie mich abschließend noch zwei Grundüberzeugungen zum Ausdruck bringen. 
Erstens: Es ist von nachgeordneter Bedeutung, wie das Virus seinen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Da gibt es plausible und weniger plausiblere Theorien, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte. Für den im März begonnenen Börsencrash – und wir wissen, dass er sich sukzessive wahrscheinlich fortsetzen wird – war die Corona-Krise jedenfalls nur ein Anlass, nicht die Ursache. Dieser Crash wurde von renommierten Wirtschaftswissenschaftlern schon lange vorausgesagt. Corona traf auf ein stark geschädigtes Wirtschafts- und Finanzsystem, die Regierenden haben aus den letzten großen Finanzkrisen nichts gelernt. Mit aus dem Nichts erschaffenem Notenbankgeld hat man die Börsenblase, die Anleihenblase, die Derivatenblase, die Immobilienblase zu nie gekannter Größe aufgebläht. Es ist eine riesige Finanzseifenblase entstanden, die über kurz oder lang – und wahrscheinlich eher kurzfristig – sowieso geplatzt wäre.
In den letzten vier Jahrzehnten, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete, hat sich die Güterproduktion vervierfacht, die Geldmenge im gleichen Zeitraum versechsundvierzigfacht. Unser Geldsystem ist krank und muss grundlegend reformiert werden, damit sich Leistung und Ehrlichkeit wieder lohnen, und nicht Schläue und Verschlagenheit. 
Es darf nicht sein, dass mithilfe von Corona einfach die Reset-Taste gedrückt wird und das Spiel, das vor allen Dingen die Enteignung des Mittelstands zugunsten einer kleinen globalen Schicht Superreicher bedeutet, von vorn beginnt. Lassen Sie uns gemeinsam wachsam bleiben, damit in der Corona-Krise nicht still und heimlich alte riesige Problemhalden entsorgt werden können! Lassen Sie uns gemeinsam Geldsozialismus und Casinokapitalismus überwinden und eine menschliche Marktwirtschaft anstreben! 
Zweitens und letztens: Diese Krise, die wir jetzt zu meistern haben, kann auch eine Chance sein. Eine falsch angelegte Globalisierung hat zu inakzeptablen ökonomischen, ökologischen und sozialen Kollateralschäden geführt. Eine kluge und maßvolle Deglobalisierung kann zu mehr Verantwortungsbewusstsein, mehr Demokratie und mehr Solidarität führen. Ja, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete, vielleicht bietet die Krise die Chance, die Ellenbogengesellschaft zu überwinden und das Wir wiederzuentdecken. Ich würde es mir wünschen.
"

Die Kritik, wonach die Ausdrücke "Schläue und Verschlagenheit" antisemitischer Code seien, lasse ich hier beiseite: Das ist mir zu dünn (als EINZELNER Punkt; vgl. jedoch unten zu weiteren Indizien für Antisemitismus bei Höcke).
Für unseren Kontext ist es auch unerheblich, dass bislang der von vielen Pseudo-Experten herbeigeredete (oder gar herbeigesehnte) Crash noch immer nicht eingetreten ist: Hier geht es lediglich darum, dass Höcke mittlerweile das Geldsystem offenbar weniger als Umweltproblem wahrnimmt, sondern als soziales Problem ("menschliche Marktwirtschaft anstreben").

Das Gesabbel von "Scheingeld", "Geldsozialismus" und "krankem Geldsystem" ist eigentlich typisch für Libertäre. Davon gibt es eine ganze Reihe in der AfD; anscheinend haben die Höcke ihren Geldsystemwahn eingeimpft. Obwohl für Höcke die Politik Priorität gegenüber der Wirtschaft hat und er damit in libertärer Terminologie ein "Etatist" (Staatsgläubiger) ist: das schlimmste Schimpfwort im Köcher der Libertären. Freilich wittern die wohl richtig, dass Höckes Sozialpolitik hauptsächlich aus Lippenbekenntnissen besteht. Beispielsweise habe ich nichts davon gehört, dass er sich etwa gegen den AfD-Programmpunkt (im Grundsatzprogramm wie im Bundestagswahlprogramm 2021) einer Abschaffung der  Erbschaftssteuer ausgesprochen hätte; wahrscheinlich hat er sogar zugestimmt. 
Und wenn wir in seinem Buch seine (bereits oben zitierte) Meinung lesen:
"In der Summe geht es um das 'gute Leben' des Volkes. Allerdings nicht hedonistisch-materialistisch verstanden, sondern als 'eudaimonía' im antiken Sinne – als sinnvolles, sittlich-tugendhaftes Leben"
dann wissen wir, dass er die Massen, die gefälligst nicht so materialistisch-gierig sein sollen, hauptsächlich mit schönen Sprüchen abfüllen will: "Sitte" und "Tugend" waren zu allen Zeiten beliebte (und erfolgversprechende!) Ausweichfelder für diejenigen, denen eine sozialpolitische Umverteilung ein Gräuel ist.

Jedenfalls ist auch auf dem Felde des Geldwesens eine kritische Auseinandersetzung Höckes Sache nicht: Eine erhaschte Lektüre-Beute ist  einfach deshalb wahr, weil er sie schwarz auf weiß gelesen hat - und weil sie perfekt in sein Weltbild passt. So berichtete er am 12.07.2016 auf Facebook, dass er sich als Urlaubslektüre u. a. Das Buch Geldsozialismus“ von Roland Baader vorgenommen habe. Begründung:
"Der Autor war Schüler des Nobelpreisträgers Friedrich A. von Hayek, der schon vor Jahrzehnten vermutete, daß von der Überwindung des staatlichen Scheingeldsystems das Überleben unserer Zivilisation abhängen könnte. Geld und Zins sind Themen, zu denen ich in der Vergangenheit immer wieder Fühlung aufgenommen habe. Und so erhoffe ich mir von der Lektüre eine Auffrischung meiner geldtheoretischen Kenntnisse."
Hayek hat den Nobelpreis freilich nicht für irgendwelche Leistungen auf dem Gebiet der Geldtheorie erhalten. Ganz im Gegenteil ist seine (im hohen Alter entwickelte) Geldtheorie ausgesprochen einfältig: Dazu gibt es einiges an wissenschaftlicher Fachliteratur - und von mir eine detaillierte Kritik in meinem Blott "Nobelpreis schützt vor Torheit nicht: Warum Friedrich August von Hayeks 'Denationalisation of Money' ein ‚Design for Disaster‘ ist" vom 03.02.2017.

Und Baaders Behauptungen sind schon in sich widersprüchlich. Am Anfang seines Buches erklärt er Staatsgeld für Schwindel, weil es ungedeckt ist. Am Ende will er zwar "dem Gold mehr vertrauen, als machthungrigen Menschen". Behauptet aber zugleich, dass für einen internationalen Goldstandard "jede Menge Gold ausreichen würde". Womit dann auch ein zu 0,00000001 Prozent mit Gold unterlegtes Homöopathiegeld "gedeckt" wäre.
Doch trotz seines großspurigen Bramarbasierens weiß auch Baader nicht, wo genau die Rettung liegt . Am Ende will er einfach "Zeit gewinnen für die Planung eines neuen, soliden und privaten Geld- und Währungssystems." Während er am Anfang das Geld als Ergebnis einer ungeplanten, spontan entstandenen Ordnung gefeiert hatte, empfiehlt er am Ende also genau das, was für Libertäre eigentlich des Teufels (bzw. "Sozialismus") ist: PLANUNG! 
Mehr fällt auch diesem libertären Geld-Genie nicht ein. (Von zahllosen anderen Ungenauigkeiten und Widersprüchlichkeiten abgesehen, auf die ich hier nicht eingehen kann.) Aber solche Widersprüche fallen dem Geldalchemie-Adepten Höcke natürlich nicht auf: Der gibt den Stein des Weisen auch dann nicht aus den Händen, wenn es sich nur um eine Styropor-Attrappe handelt. Solange das Volk nix merkt, ist ihm echt oder falsch keine politisch relevante Kategorie.
 
brigens habe auch ich durchaus meine Gravamina mit unserem Wirtschaftssystem. Doch biete ich im Gegensatz zu Höcke und anderen Geld-Gauklern lediglich einen Erklärungsansatz für die Funktionsweise des kreditären Geldsystems an (und allenfalls ein Forschungsprogramm). Doch mime ich nicht gegenüber der unwissenden Masse den Magier mit der weißen Wundersalbe.]

"Scheingeld" klingt überzeugend. Tatsächlich ist es aber kein beschreibender, sondern ein rein propagandistischer Ausdruck. Dass Höcke diesen verwendet beweist, dass auch er in Sachen Geldsystem zu den Ahnungslosen gehört.
Auf der obersten Abstraktionsebene lassen sich genau ZWEI Geldsorten unterscheiden (nicht vier, wie Baader Ludwig v. Mises nachplappert):
  • Warengeld (historisch insbesondere Edelmetallgeld), das einen Wert als Ware (einen "intrinsischen Wert") hat und
  • Zeichengeld, dem nur aufgrund gesellschaftlicher Übereinkunft (und staatlicher Gesetze) ein Wert zuerkannt wird. [Das ist übrigens keineswegs per se ein Skandal; aber in der Tat missbrauchsanfällig. Jedoch hat das Warengeld andere, ebenfalls gravierende, Schwächen.]
Natürlich kann man der Meinung sein, dass das Zeichengeld lediglich ein "Scheingeld" sei, und nur Warengeld "richtiges" Geld. Das hat jedoch nichts damit zu tun, ob das Geld vom Staat oder von Privaten geschöpft wird: Im Prinzip können BEIDE sowohl die eine wie die andere Geldart emittieren. (Wobei freilich die Menge des Warengeldes durch die überhaupt verfügbare einschlägige Warenmange - also z. B. die Goldvorräte - begrenzt ist. Während Zeichengeld unbegrenzt emittiert ("gedruckt") werden kann.
Aber z. B. Hayek stellt sich das private Geld als Zeichengeld (also, wenn man so will, als "Scheingeld") vor. Tatsächlich ist Warengeld im Grunde nicht marktwirtschaftlich. Denn während sich beim Zeichengeld die Geldmenge an den Bedarf anpassen kann, ist das in einem (reinen) Edelmetallgeldsystem nicht der Fall. Und der Geldwert von Warengeld ist, sofern nicht doch wieder der Staat eingreift, von dem u. U. stark schwankenden Warenwert abhängig.

Für die Libertären (die sich im Rahmen volkswirtschaftlicher Schulen als "Austrians" - Österreicher - verstehen) haben deren (im Detail weit divergierende) Geldsystemphantasien eine psychische Entlastungsfunktion. Die haben nichts dagegen, dass die Reichen reich sind. Und noch weitaus weniger haben sie gegen die Armut der Armen (ganz im Gegenteil ist Sozialneid nach unten - gegen den Sozialstaat - das ideologische Lebenselixier dieser Geister). Von staatlichen Eingriffen abgesehen ist das Einzige, was sie an der Marktwirtschaft stört, die Tatsache, dass sie nicht selber zu den wirklich Reichen gehören. Das Eigentumssystem und die von diesem bewirkte Vermögensverteilung dürfen sie nicht als Schuldige identifizieren: Gerade davon hoffen sie ja selber zu profitieren. Also bauen (auch) die sich einen Popanz auf, für den man keine reale Person oder abgrenzbare Personenklasse verantwortlich machen kann: It's the Geldsystem, Stupid! DAS ist es, was die Reichen reich und die Armen arm macht! Hätten wir nur ein anderes Geldsystem, dann, so glauben diese Tagträumer, wären zwar die Armen vielleicht immer noch arm (was, wie gesagt, den Libertären herzlich gleichgültig ist). Aber wenigstens sie selber würden dann zu den Reichen gehören. Autosuggestion.

Auch Björn Höcke ist keineswegs ein Freund von Umverteilung - oder überhaupt von Sozialpolitik. Genau wie das Schlagwort vom "Compassionate conservatism" will auch der "solidarische Patriotismus" nichts weniger als den Besitzenden etwas wegnehmen. Sondern lediglich eine soziale Einstellung und ein soziales Engagement vortäuschen.
Von dem Interview "AfD Kandidat Höcke im Interview: Drei-Kinder-Familie ist politisches Leitbild" der THÜRINGISCHEN LANDESZEITUNG vom 21.07.2014 mit Höcke kann man zwar nur einen kurzen Anfang kostenlos lesen. Jedoch verrät uns die Google-Suche ausgerechnet diese Äußerung im Text "Wir haben in den vergangenen Jahren unseren Sozialstaat zu sehr aufgebläht."

Da kommt ihm die libertäre Legende vom "Geldsozialismus" (der angeblich ein "Sozialismus" der Zentralbanken zum Wohle der Reichen ist) bestens zupass: Einfach nur den "Hebel" des Geldsystems umlegen, und widdewiddewitt schafft der "Visionär" eine Welt, wie sie dem Zauber-Björn gefällt: Die Armen beglücken, ohne den Reichen etwas wegzunehmen!
Dieses Spiegelei des Kolumbus ist natürlich blühender Nonsens; aber Höcke hüppt begierig auf jeden Schwachsinn druff, der ihm scheinbar messianische Fähigkeiten verleiht - und sei es auch nur in den Augen der Armen im Geiste. Denn konkret durchdacht, wie das funktionieren soll, hat er das natürlich noch nie: Er hat die magischen Worte "Scheingeld" und "Geldsozialismus" mit eigenen Augen schwarz auf weiß gelesen; also müssen ganz gewiss reale Sachverhalte dahinter stecken!


9) Ist Höcke ein Antisemit?

Mit Sicherheit kann man sagen, dass er antisemitische Vorurteile bedient. So sagt er (um nur ein Beispiel aus einer ganzen Reihe herauszugreifen) in seiner bereits oben herangezogenen Rede "Wir sollen gespalten werden" vom 23.01.2019 (S. 105 im Höcke-Sonderheft des Magazins COMPACT in einem Abschnitt mit dem Zwischentitel "Hoffnung Trump"; meine Hervorhebung):
"Der internationale Geldmachtkomplex mit seiner krakenartigen Machtstruktur hat in den letzten Jahrzehnten die bis dahin transatlantisch geprägten europäischen Eliten zu antinationalen Globalisten umgeformt. ..... Dieses Welt-Establishment ist der Gegner der amerikanischen Mittelschicht und Trumps."
Zunächst einmal ist Trump alles andere als ein Gegner des "Geldmachtkomplexes": der hat die Banken von lästigen Regulierungen befreit und ihre Lobbyisten in seine Regierung gebracht (vgl. z. B. "Finanzkrise: Wie Trump die Banken-Regeln zurückdreht"; TAGESSPIEGEL 14.09.2018). Außerdem hat der Ende 2017 die amerikanische Staatskasse durch massive Steuersenkungen geplündert, die vor allem ihm selber und seinen Milliardärskumpanen zugute kommt. Während die Staatsschulden steigen und die Geldmenge inflationär wächst.
Aber darum geht es hier nicht, sondern um Höckes ( verschwörungstheoretische) Äußerung über einen "internationale[n] Geldmachtkomplex", dem er eine "krakenartige Machtstruktur" zuschreibt. 
Das läßt sich gleich mit ZWEI Gründen als antisemitischer Code deuten. Zum einen wird die Geldmacht hauptsächlich den Juden zugeschrieben (häufig werden die Rothschilds ausdrücklich genannt). Zum anderen ist (der oder die) Krake aus der antisemitischen Hetzkarikaturen der 20er und 30er Jahre berüchtigt. Auf der anderen Seite denken wir allerdings nicht an Juden, wenn wir z. B. Google als "Datenkrake" bezeichnen. Und überhaupt wurden historisch (seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, wo zuerst ein lebender Krake gesichtet wurde) alle möglichen tatsächlichen oder imaginierten Sachverhalte mit der Krakenmetapher bedacht. Die heutige Denunzierung solcher Vergleiche als antisemitisch (außer etwa beim "Datenkraken"!) enthält nicht wenig Antifa-Hysterie und Blockwart-Mentalität.
Allerdings bin ich sicher, dass Höcke sehr genau weiß, dass es in seiner Anhängerschaft Antisemitismus gibt. Dass er sich in einer solchen Situation nicht knallhart davon distanziert und eine antisemitische Stoßrichtung ausschließt, lässt darauf schließen, dass er antisemitische Vorurteile bewusst bedient. Mindestens DAS ist ihm auf jeden Fall vorzuwerfen.

Das Bild von einer vernetzten, irgendwie die Völker lenkenden "Geldmachtelite" bzw. eines hinter den Kulissen (zu unserem Schaden) wirkenden "Geldmachtkomplexes" benutzt er auch immer wieder, z. B. in seiner o. a. Rede vom 25.11.2017 in Leipzig. Und diese wenigen machen sich die (Mainstream-)Politik und Medien wie Marionetten dienstbar. Dazu aus seinem Buch:
"Wichtige Hinweise gibt der 2016 verstorbene Sozialwissenschaftler Hans Jürgen . Er hat die Strukturen des globalen Geldmachtkomplexes erforscht und war im wissenschaftlichen Beirat des globalisiserungskritischen Netzwerkes attac. Seine Studien legen nahe, unsere politische Klasse und ihre medialen Claqueure als Dienstklassen jener Eliten zu erkennen."
Auch hier vulgarisiert Höcke; er hascht nach Worten und Sätzen, ohne das dahinter stehende Denksystem begreifen zu wollen. Krysmanskis Hintergrund sind zum einen der Marxismus und zum anderen die Binsenweisheit, dass gesellschaftliche Gruppen mit gemeinsamen Definitionsmerkmalen (hier: Super-Reichtum) dazu tendieren, gemeinsame Interessen gemeinsam zu verteidigen. So sagt Krysmanski etwa in dem TELEPOLIS-Interview "Wer die Fäden zieht" (29.12.2009):
"Diese unterschiedlichen Typen von Superreichen haben zunächst einmal kaum gemeinsame Interessen und Kulturen. Vereint aber sind sie durch das gemeinsame Bedürfnis, ihre zentrale und weitgehend abgedunkelte Stellung in praktisch allen Gesellschaften, also quasi ihre planetarische Stellung zu verteidigen. Und, wie der Name schon sagt, ihren Superreichtum unbegrenzt zu vermehren, vor Umverteilung zu schützen, als das Selbstverständlichste und zugleich Unangreifbarste von der Welt erscheinen zu lassen. Solche Absichten können in unserer komplexen Welt nur mithilfe eines umfangreichen "Dienstpersonals" befriedigt werden. ..... Politische Eliten sorgen für eine Verteilung des Reichtums von unten nach oben unter tunlichster Wahrung des gesellschaftlichen Konsens. Verwaltungs-, Wohlfühl- und Wissenseliten halten diese Gesellschaft des goldenen Kalbs, ihre Infrastruktur, ihre Kultur und Wissenschaft insgesamt am Laufen."
Krysmanski strebt "eine demokratische, wissenschaftliche, planvolle Überwindung von Klassenherrschaft" (2. Teil des o. a. Interviews) an; bei Höcke gibt es gar keine Klassenherrschaft. Und vor allem keine inneren Widersprüche der "Geldmachtelite".

Auch Krysmanski verschafft sich gelegentlich psychische Entlastung durch naive Erlösungshoffnungen: "Ich hoffe, dass diejenigen, die sich selbst mittels Medienmacht zu Guten stilisieren, denen, die endlich böse auf dieses ausbeuterische System geworden sind, unterliegen werden."
In der Gesamtheit jedoch ist sein Denken unendlich viel komplexer, als Höckes Schullehrerweisheit sich träumen lässt:
"Es gibt ..... vielfältigste Interessengegensätze innerhalb der Kapitalistenklasse (das ist immer noch ein nützlicher Begriff). Es gab schon immer Konflikte zwischen Finanz- und Industriekapital, zwischen Schwer- und Leichtindustrie, zwischen Rüstungs- und Friedenswirtschaft. Der Konflikt zwischen "Öl"- und "Internet"-Eliten durchzieht die letzten zwanzig Jahre. Da standen sich eben zuletzt ein kaum des Keyboards mächtiger Bush Junior und Elektronik-Freaks wie Al Gore gegenüber. Das alles hat einen realen Hintergrund, für den auch diese beiden Figuren stehen. Einerseits geht es um unsere reale Welt, unseren Planeten mit seinen Ressourcen, seiner Ökosphäre, sozusagen um die handfeste, stoffliche Seite der Reproduktion von Gesellschaft."
Solche Einsichten taugen nicht für volkstümliche Verschwörungstheorien; dort muss eine verschworene Gemeinschaft vorgespiegelt werden, deren wenige ("eigentliche") Akteure stets am gleichen Strick in die gleiche Richtung ziehen.

Dimensionen wie diese:
(Frage) "Sie unterstellen in Ihrem Buch die Herrschaft von konkreten Personen, einer Elite und zwar in Gestalt einer entsubjektivierten Herrschaft, der Wertform wie geht das zusammen?
Hans Jürgen Krysmanski: Das ist ein alter Widerspruch auch in der linken klassentheoretischen Diskussion. Beschäftigen wir uns mit den Strukturen kapitalistischer Ausbeutung oder blicken wir auch auf die Namen und in die Gesichter der Kapitalisten, der Akteure? Ich denke wir brauchen beide Sichtweisen und wir brauchen ihre dialektische Verknüpfung."
liegen ohnehin meilenweit jenseits der einfältigen Höcke-Horizonte; und massentauglich sind sie sowieso nicht.

Nicht, dass ich mich unreflektiert auf die Seite von Krysmanski schlagen wollte (mit dessen Arbeit ich ohnehin nicht weiter bekannt bin). Hier geht es mir lediglich um den Nachweis, dass der nur dann als Zeuge für eine verschwörungstheoretische Weltsicht taugt, wenn der Rezipient Krysmanskis komplexes Denken unterschlägt und auf seine eigene Simplizität herunterbricht. Björn ist ein geistiger Beutegreifer auf intellektuellem Cargo-Cult-Niveau.


Doch zurück zum Thema "Antisemitismus": Vor allem ist der submediokre Schweinchen-Schlau-Politiker Björn Höcke ein skrupelloser ("Antikapitalismus-" und "Geldsystem"-)Schwindler. Käme er an die Macht, könnte er die versprochene bessere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung schon deshalb nicht liefern, weil hinter seinen zündenden Worten eine totale begriffliche Leere steht. Folglich müsste er einen Sündenbock für sein Scheitern suchen. Bzw.: Das müsste er noch nicht einmal selber tun; das würden schon eine Anhänger für ihn erledigen. Nur dürfte er denen nicht widersprechen. Aber das tut er ja schon jetzt nicht. Und dass sein Anhang nicht lange fackeln, sondern auf die "altbewährten" Sündenböcke - also auf die Juden - zurückgreifen würde, darauf kann man wetten.


Zusammenfassend darf man zur Frage "Höcke und Antisemitismus" mit Gewissheit diese drei Feststellungen treffen:
  1. Höcke begreift die gesellschaftlich-politische Entwicklung der Welt verschwörungstheoretisch als von von einer winzigen Minderheit und deren Marionetten gelenkt. So spricht er z. B. in seinem Buch von einer "Doppelstrategie [der Inhalt tut hier nichts zur Sache] der amerikanischen Regierung und ihrer Hintermänner" (meine Hervorhebung). (Eine Karikatur zu dem Artikel "Mein Leben als Strippenzieher" in der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN - aus dem Jahr 2019 - ist zwar nicht auf Höcke bezogen, ironisiert aber derartige Vorstellungen vorzüglich.) Das ist zunächst abstrakt; für die Gläubigen braucht der Teufel aber eine sichtbare Fratze. So wurden historisch u. a. die Freimaurer oder die Illuminaten als konkrete Verschwörer verdächtigt. Am häufigsten aber (und mit dem schlimmsten Verfolgungen verbunden) wurde den Juden unterstellt, sich zum Zwecke der Weltherrschaft verschworen zu haben. 
  2. Höcke bedient wissentlich antisemitische Vorurteile. Es ist unmöglich, dass er nicht wüsste, dass   a) der Antisemitismus in "seinen" Kreisen weit verbreitet ist und dass   b) unter "Geldmachteliten", "Hintermännern" und ähnlichen Ausdrücken in diesen Zirkeln weitestgehend Juden verstanden werden. Indem er in aller Regel keine näheren Angaben macht über jene geheimnisvollen Strippenzieher, nimmt er eine antisemitische Deutung in Kauf.
  3. Der "Höckismus" ist STRUKTURELL antisemitisch. Der von Höcke aufgerichtete abstrakte Verschwörer-Popanz bedarf in der Vorstellung der Massen einer Hinterfütterung mit konkret identifizierbaren Personengruppen. Anders kann er politisch spätestens dann nicht mehr funktionieren, wenn die Verschwörungstheoretiker erst einmal an der Macht sind. Dass ihre Versprechen, mittels Änderung des Geldsystems alle Bürger zu beglücken, von vornherein nur heiße Luft waren, dürfen die Heißluftproduzenten nicht eingestehen. Also würden - wieder einmal - die Juden herhalten müssen als Bösewichter, welche die Realisierung der genialen Geldsystem-Reform hinterhältig verhindern.

10) Deutscher Genius oder Geistiger-Glatzkopf-Logiker?

Am 29.09.2017 schrieb Björn Höcke unter der Überschrift "Echter Naturschutz geht nur mit der AfD" auf Facebook unter anderem: "Nach der Lektüre des Buches ["Grüne Philosophie" von Roger Scruton] ist mir wieder einmal klar geworden, daß unsere AfD das Thema Naturschutz stärker als bisher an sich binden und die im konservativen Denken liegenden Lösungsansätze transportieren muß."
Der menschengemachte (anthropogene) Klimawandel gehört für Höcke allerdings nicht zu jenen Bereichen, für die er der AfD Lösungsansätze zutraut.

Nun ist gar nicht zu leugnen, dass die Klimadebatte in Deutschland ausgesprochen hysterisch geführt wird, dass Deutschland weltweit einen nur relativ kleinen Teil zur Emission von "Klimagasen" beiträgt und selbst dann nicht das "Klima retten" könnte, wenn es plötzlich sämtliche ökonomischen Aktivitäten einstellen würde. Ebenso kann man thematisieren, dass sich die erwartete Erderwärmung für unterschiedliche Gebiete und Völker sehr unterschiedlich auswirken würde - und ob sie speziell für uns nicht sogar eher ein Segen denn ein Fluch wäre. (Dafür könnte man in der Tat die Geschichte - das Hochmittelalter - als Beleg heranziehen!)
Mehr oder weniger linke Parteien können bei ihrer Klientel vielleicht mit Maßnahmen punkten, von denen man sich (im Prinzip) eine Verlangsamung bzw. einen Stopp der Erderwärmung erwartet. (Das gilt jedenfalls so lange, wie die daraus erwachsenden Belastungen für breite Wählerschichten nicht zu groß werden - oder nicht zu offensichtlich.) Eine rechte Partei kann mit "Klimapolitik" eher keinen Blumentopf gewinnen.
Aber Höckes Umgang mit seinen Wählern in dieser Sache ist einfach nur zynisch.

Dass gegenwärtig ein Klimawandel stattfindet, hält Höcke selber durchaus für möglich. In seiner "Kyffhäuser-Rede" vom 06.07.2019 (S. 45 ff. COMPACT-Sammelband) erklärt er einen Wahlkämpfern (meine Hervorhebung):
"..... wir sollten nicht den Fehler machen, darüber zu diskutieren, ob dieser Klimawandel stattfindet und dass wir vielleicht tatsächlich in einer wärmeren Zeit leben. Wenn man ..... diesen Sommer genießen darf, die letzten Sommer noch im Hinterkopf hat, brauchen wir darüber glaube ich, gar nicht zu reden, das ist durchaus möglich." (S. 46)

Darauf, ob dieser Klimawandel menschengemacht ist oder nicht, will er sich nicht festlegen:
"Wir brauchen die Diskussion nicht zu führen, ob es ein Klimawandel ist, der menschengemacht oder der natürlich ist." (S. 46)
Dieses Ausweichen kann man politisch kritisieren, aber es ist keine grundsätzlich illegitime Position. Tatsächlich wären Politiker gut beraten, öfter mal ihr (bzw. unser aller) Nicht-Wissen zu bekennen, anstatt Wissen vorzutäuschen, nur weil die öffentliche Meinung von Politikern Allwissenheit erwartet.

Jedenfalls geht es durchaus in Ordnung, wenn Höcke in seiner "Kyffhäuser-Rede" vom 06.07.2019 (S. 45 ff. COMPACT-Sammelband) seinen Wahlkämpfern rät:
"Wir sollten versuchen, die Diskussion um Klimamodelle zumindest am Wahlkampfstand zu umschiffen, das gebietet die politische Klugheit." (S. 46)

Aber dann fordert er sie auf, den Wählern unterschwellig die Vorstellung einzuimpfen, dass der Klimawandel NICHT anthropogener Natur sei:
"..... wir können am Wahlkampfstand zunächst einmal verunsichern, wir können am Wahlkampfstand einfach mal ein paar Indizien liefern, die gegen den menschengemachten Klimawandel sprechen." (S. 46)
Anschließend spricht er über frühere Klimaschwankungen mit natürlichen Ursachen und beendet diesen Gedankengang mit der (durchaus zutreffenden) Feststellung:
"Und all das passierte, bevor die Menschheit in großem Stil fossile Energieträger verbrannt hat." (S. 47)

Abstrakt dargestellt, geschieht hier Folgendes: Obwohl er selber keineswegs ausschließt, dass der gegenwärtige Klimawandel menschengemacht sein könnte, fordert Höcke seine Anhänger auf, den Wählern zu suggerieren, dass er NICHT menschengemacht sei. Rein logisch ist es natürlich Unsinn, aus der Tatsache früherer natürlicher Klimaschwankungen schlussfolgern zu wollen, dass auch der gegenwärtige Klimawandel NICHT menschengemacht sein könne. Aber genau diesen logischen Unsinn will Höcke seinen Wählern unterschwellig unterjubeln lassen. In der Realität wird das auch bestens funktionieren. Nur wenige Menschen haben die Zeit, den Willen oder die Fähigkeit, die verführerische Schein-Logik
"Klimaschwankungen mit natürlichen Ursachen gab es schon immer. Wenn es also gegenwärtig tatsächlich einen Klimawandel gibt, dann kann der 'folglich' nicht menschengemacht sein"
als solche zu entlarven.

Dabei wäre ganz einfach zu leisten, mit einem Gegenbeispiel, dessen Unrichtigkeit kaum jemand bestreiten wird, :
  • Waldbrände gab es lange bevor es Menschen auf der Welt gab.
  • "Deshalb" können auch heutige Waldbrände nicht von Menschen gelegt worden sein. Das würde natürlich niemand behaupten, weil jeder weiß, dass es heute viele (fast nur?) anthropogene Waldbrände gibt.
Abstrakt gesprochen handelt es sich in beiden Fällen um unzulässige Verallgemeinerungen aus empirischen Beobachtungen.
Der Unterschied liegt darin, dass wir im Falle der Waldbrände eine Fülle von entgegenstehenden Beobachtungen haben und deshalb nicht auf die Verallgemeinerung vormenschlicher Zustände hereinfallen. 
Beim Klimawandel hat "Otto Normalverbraucher" dieses Wissen nicht. Er weiß lediglich, dass zahlreiche Wissenschaftler BEHAUPTEN, der gegenwärtige Klimawandel sei menschengemacht. Selber nachprüfen kann er das nicht. Im Gegenteil hat er sogar gehört, dass zahlreiche andere Wissenschaftler den anthropogenen Klimawandel leugnen. Um sich den daraus erwachsenden kognitiven Dissonanzen zu entziehen, werden die allermeisten gerne bereit sein, die "Naturverursachung" der zahlreichen früheren Klimaschwankungen als "Beweis" dafür zu akzeptieren, dass es wohl auch diesmal so ist.

Vielen Punkten dieser Höcke-Rede stimme ich zu:
  • Dass die Energiewende unsozial ist
  • (Dass sie im Verhältnis zum Nutzen ineffizient ist, sagt Höcke an dieser Stelle zwar nicht. Aber davon bin ich überzeugt und darin würde Höcke mir sicherlich zustimmen.)
  • Dass "die sogenannte Energiewende vor allem ..... [ein] einzigartiges Naturzerstörungsprojekt" ist (S. 47).
  • Dass diejenigen nicht selten Heuchler sind, "die sich an der Klimahysterie ergötzen oder sogar politisches beziehungsweise finanzielles Kapital aus dieser Hysterie saugen". (S. 48)
Aber die eigenen Wähler vorsätzlich mit Schein-Logik zu Denkweisen zu verleiten, von deren Richtigkeit man selber nicht überzeugt ist: Das geht gar nicht!

Höcke suhlt sich wieder und wieder selig wie ein kleines Kind in der Hochachtung, welche der Brite Peter Watson in seinem Buch "Der deutsche Genius: Eine Geistes- und Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI" unserem Lande (genauer wohl: dem mitteleuropäischen Kulturraum) entgegenbringt. Dass aber alle Leistungen der Vergangenheit tote Materie sind, wenn sie nicht immer wieder neu erbracht werden ("Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen" - Goethe), das geht weit über seinen Horizont hinaus. Der ist glücklich unter Menschen mit seiner Weltsicht, die ihm zujubeln. Und die jubeln vor allem deshalb, weil Höcke ihnen genau das erzählt, was sie schon immer "wussten". Redlichkeit, intellektuelle Spannung, Konflikte gar? Mit alledem kann der biedermeierliche Erbsessel-Germane aus Bornhagen nichts anfangen. Genauso unreflektiert, wie er mit angelesenem (Pseudo-)Wissen umgeht, behandelt er auch seine Wähler: Nicht als ernst zu nehmende Diskussionspartner in einem gemeinsamen geistig-politischen Ringen, sondern als Stimmvieh, dem man ruhig ein X für ein U vormachen darf, um ihm das heiß begehrte Kreuzchen abzuluchsen.


11. Björn Geistheiler zaubert eine Pandemie aus der Welt

"Corona ist vorbei. Und Corona wird auch nicht wiederkommen" verkündete Heiland Höcke am 25.08.2020 (!) im Sommerinterview des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR; bei 20:33 min).
Indes demonstriert die Wikipedia-Kurzübersicht "COVID-19-Pandemie in Deutschland/Statistik", dass das Virus dem Meister einfach den Gehorsam verweigert hat! Wenn er nicht einmal so eine lausige Pandemie wegzaubern kann, dann müssen wir auf weitere Höcke-Wunder wohl bis ans Ende aller Tage warten!


12. "Im Grunde weiß Höcke gar nicht, was er will."

Mit diesem Satz leitet Dieter Stein, Chef der Zeitschrift "JUNGE FREIHEIT" in seiner (bereits oben erwähnten) Rezension "Bescheidener Weltenlenker" zwei Absätze ein, in denen er auf innere Widersprüche zwischen verschiedenen Äußerungen Höckes in seinem Gesprächsbuch hinweist:
"Einmal erklärt er das Gewissen zur entscheidenden politischen Urteilsinstanz, dann ist es plötzlich die Suche nach Kompromissen; einmal will er aus Verantwortung für das eigene Volk handeln, dann aber plädiert er für 'Wirklichkeitsverachtung' – beides auf einer Seite. Einerseits will er die 'Grenze des Sagbaren immer wieder mit kleinen Vorstößen' erweitern, andererseits empfiehlt er eine 'allgemeine Mäßigung im Ton''.
Einmal erklärt er den Begriff 'völkisch' für untunlich, nur um dann aber das Grundgesetz selbst als „völkisch“ zu bezeichnen. Einerseits will er die AfD 'von einem dämonisierten Außenseiter zum Teilnehmer an der demokratischen Normalität' mit kompromißbereiter Regierungsverantwortung machen, andererseits lehnt er jeden Ausgleich mit der politischen Klasse, den 'herrschenden Obernichtsen', ab und beschwört den Volksaufstand. Ja, was denn nun?"


Geistiger Ertrag dieses Kapitels ist der Höcke-Syllogismus
Ohne falsches Eigenlob muss ich doch zugeben, dass dessen logische Schärfe selbst einen Aristoteles vor Neid erblassen lassen würde!

Aus den empirisch durch Beobachtung gewonnenen Prämissen

a) Höckes Selbstüberschätzung ist kosmisch
und
b) seine Reflexionsfähigkeit ist unterirdisch
 
folgt logisch zwingend die Konklusion:
  
c) BJÖRN HÖCKE IST NICHT VON DIESER WELT!



VI. WAS HABE ICH ÜBERHAUPT MIT HÖCKE ZU SCHAFFEN?

Die umfassendste Gegenkategorie zu Faschist ist nicht Antifaschist. Sondern Nicht-Faschist. Ich bin "nur" ein Nicht-Faschist, denn ich definiere mich ganz gewiss nicht aus einer Positionierung zu einer politischen Bewegung, die heute (nicht völlig verschwunden ist, aber) nirgendwo mehr an den Hebeln der Macht sitzt. Und bei der auch nicht erkennbar ist, dass sie jemals wieder an die Macht käme.

"Antifaschisten" sind mir aus verschiedenen Gründen zuwider:
  • Weil sie sehr häufig Linksradikale oder Linksextremisten sind
  • Weil sie ihre politische Position in der heutigen Gesellschaft aus einem gratismutigen Gespensterkampf gegen gestrige Probleme definieren
  • Weil ich diese angeblichen Antifaschisten tendenziell für Faschisten halte: Sozusagen für "methodische Faschisten". In derselben Weise, wie im "Heimatmuseum Mumpitz" ein (mehr oder weniger) "Antifaschist" Ignazio Silones Faschismuszuschreibung an das stalinistische Regime beschreibt.
Wenn ich also gegen Höcke anschreibe, dann tue ich das definitiv nicht von einer "antifaschistischen" Warte aus.
Ganz im Gegenteil habe ich ihn in meinem Buch "Gesamtschau-Geheimdienst: Wie der Sepia-Haldi die AfD in den braunen Hades laviert: Analyse des 'Prüffall'-Gutachtens des VS vom 15.01.2019" sogar gegen Angriffe des Verfassungsschutzes verteidigt, die ich als übergriffig empfinde. Okay: damals war ich noch Parteimitglied in der AfD. Aber selbst heute würde ich das noch tun; denn der Verfassungsschutz betreibt aus meiner Sicht eine "antifaschistische" Verengung des gesellschaftlichen Diskursraumes. (Und nicht nur aus meiner Sicht; zum selben Ergebnis - ohne diese Formulierung - kommt auch der renommierte Verfassungsrechtler Professor em. Dietrich Murswiek in seinem Buch "Verfassungsschutz und Demokratie. Voraussetzungen und Grenzen für die Einwirkung der Verfassungsschutzbehörden auf die demokratische Willensbildung".)

Angst, dass dieser Typ und sein Anhang auf der gesamtstaatlichen Ebene die Macht an sich reißen könnte, habe ich auch keine: Politisch ist der Faschismus mausetot. Tendenziell (in einem weiten Sinne) faschistische Politiker wie Jair Bolsonaro in Brasilien oder Donald Trump in den USA wurden abgewählt. Und selbst wenn sie wiedergewählt werden sollten, sitzt nach meiner Einschätzung die Demokratie in diesen Ländern (auf jeden Fall in den USA) fest genug im Sattel, um Putschversuche faschistoider Figuren verhindern zu können. 
Was Giorgia Meloni in Italien angeht: Die ist, soweit ich erkennen kann, ohnehin keine Faschistin. Ich sehe auch nicht, dass ihre Partei (mehrheitlich) Italien refaschisieren wollte.

Ich trete gegen Höcke ein, weil ich mir für Deutschland einen GESUNDEN und SOZIALEN PATRIOTISMUS wünsche, der AUF DER HÖHE DER ZEIT ist und der die ZEICHEN DER ZEIT BEGREIFT.
Deutschland braucht gegen die machthabenden germanophoben Energie-, Kultur- und Wohlstandsvernichter eine breite patriotische Strömung. Mit einer patriotischen Partei, die
  • für breite Wählerschichten attraktiv ist,
  • den Sozialstaat aufrichtig bejaht (was die Bekämpfung von Übertreibungen und von Klientelsozialismus nicht ausschließt!), anstatt mit inhaltsleeren sozialen Phrasen auf Wählerfang zu gehen und schließlich
  • die Probleme unseres Landes sachorientiert angeht. Das darf kein Kuschelkurs werden mit dem, was ich als "konsensfaschistischen Komplex" in der deutschen Politik und Gesellschaft wahrnehme und attackiere. Weil es wesentlich darum geht, die diskursive Metaebene zu ändern, funktioniert das nur über massive diskursive (und, wo erforderlich, auch juristische) Konfrontation mit dem machthabenden Blockparteien-Regime! Und nur mit einem sehr, sehr langen Atem. Das schließt Koalitionen nicht aus; nur darf die eigene Strategie nicht um die Koalitionsfrage kreisen. Patrioten müssen Oppositionsarbeit mit maximaler verbaler Härte betreiben - aber immer auf einer sachlichen Grundlage. Mit tumben Toren ist (nicht nur insoweit) kein Staat zu machen!
Patridioten, welche (sich) ihre Schnauze immer wieder ins Gestern zurückdrehen (lassen), haben bislang noch jede irgendwie "rechte" Partei in den Abgrund zu befördert. Die AfD hatte bislang das Glück, dass ihre inneren Schwachstellen immer wieder von überwältigenden äußeren Ereignissen überdeckt wurde:
  • 2015 hätte sie den Weggang von Prof. Bernd Lucke und seinen Anhängern nicht überlebt, hätte ihr nicht die damalige Bundeskanzlerin Angela Schurkel (alias Merkel) mit der Flüchtlingskrise ein unerwartetes Geschenk in den Schoß geworfen.
  • Aktuell (2022) kam die Ukrainekrise der AfD zu Hilfe. Allerdings glaube ich (und hoffe das sogar!), dass die Wähler sich in den Moment, wo die aus der deutschen (westlichen) Solidarität mit der Ukraine resultierenden wirtschaftlichen Probleme (weitgehend) überwunden sind, sich massenhaft wieder von der blauen Verräterpartei abwenden. Eine wahrhaft patriotische Partei verkauft nicht die Patrioten eines anderen europäischen Landes an einen skrupellosen Kleptokraten und Despoten einer "raumfremden Macht". (Ein Ausdruck Höckes, der theoretisch vielleicht Russland einschließt, sich in der Praxis aber lediglich gegen die USA richtet.) Und wer die Ukrainer verrät, verrät im Zweifel auch andere - einschließlich des eigenen Vaterlandes: Einmal Verräter, immer Verräter!
Neben den Patridioten muss eine neue, wahrhaft patriotische Kraft allerdings auch anderweitige Sektierer, wie z. B. die (in der AfD ebenfalls recht starken) Libertären draußen vor der Tür stehen lassen - und dauerhaft am Eintreten hindern. Ebenso natürlich die verschwörungstheoretischen "Querdenker".

Es ist bei weitem nicht alles falsch, was Höcke sagt. Tatsächlich gibt es massive Fehlentwicklungen in der abendländischen Kultur (zu der auch die USA gehören!). Und einige davon scheinen in Deutschland besonders ausgeprägt zu sein. 
Aber mit altdeutschem Großmachtswahn Kämpfe innerhalb der eigenen Zivilisation auszutragen, ist nicht nur aus der Zeit gefallen: Das ist TÖDLICH für den Kampf um unsere berechtigten Anliegen!

Wir brauchen keinen kranken Krampf-PatriotismusSondern eine Bewegung, die unter dem Motto "VERNUNFT ZUERST!" den herrschenden Deutschland-Hassern in Regierung und Gesellschaft endlich das Handwerk legt!

Wenn es die deutschnationalen Kindsköpfe vom Schlage eines Björn Höcke nicht schon gäbe, müssten unsere germanophoben Machthaber sie erfinden. 
Denn nichts bringt den wahren, gesunden und für Staaten überlebensnotwendigen Patriotismus dermaßen in Verruf, wie solche aus der Zeit gefallenen Großmäuler.

Die linken Feinde des Vaterlandes und die ultrarechten National-Dinosaurier sind aneinander angepasst wie Beutegreifer und Opfertiere: Zuverlässig wie Klippen-Lemminge rennen die ewiggestrigen Großmachtsphantasten immer wieder in die Messer der Deutschland-Destruenten.

Höcke und gleichgesinnte ultrarechte Polit-Narzissten lieben nicht unser Land: Die sind einzig und allein in ihre eigene bornierte Ideologie verliebt!

Nun meinen freilich viele, Björn Höcke formuliere zwar manchmal etwas zu heftig, aber im Grunde sei es doch okay, wie der denke und was er wolle. Dieses Märchen verbreitet Höcke auch gerne selber; insoweit gibt er sich sogar reuig-selbstkritisch, wenn es z. B. um seine Dresdner Rede vom 17. Januar 2017 geht: 
'Ich habe ein großes, ein wichtiges Thema leider in einer Bierzeltrede vergeigt", sagte Höcke auf einem Thüringer Landesparteitag in Arnstadt. Er sei in eine falsche Tonlage gefallen, habe Interpretationsspielräume zugelassen. 'Das war ein Fehler. Dafür möchte ich mich hier entschuldigen'."
Oder hier im SPIEGEL-Interview, wo es um das damals gegen ihn eingeleitete Parteiausschlussverfahren aus der AfD ging:
"SPIEGEL: Haben Sie keine Fehler gemacht?
Höcke: Sicher. Die Dresdner Rede war ein Fehler. Da habe ich das falsche Thema zum falschen Zeitpunkt mit dem falschen Pathos vorgetragen. Da ist etwas mit mir durchgegangen."

Seine Anhänger, aber auch viele andere, welche die Debatte nicht intensiv verfolgen (wollen), jedoch z. B. vom argumentativ verkürzten Herumhacken der Medien auf Höckes Bezeichnung des Holocaust-Denkmals als "Denkmal der Schande" angewidert sind (was ich übrigens verstehe!)sehen ihn als Opfer AfD-interner Machtkämpfe und/oder feindlicher Machenschaften von außen. Der Mühe einer näheren Nachprüfung mögen die sich diese Schäfchen nicht unterziehen; das überlassen sie leider denjenigen, die nicht nur Höcke, sondern die AfD insgesamt bekämpfen.

Ich selbst hatte, noch in meiner Zeit als AfD-Mitglied (zum 31.07.2022 bin ich hauptsächlich wegen Höckes steigendem Einfluss aus der Partei ausgetreten), die politischen Positionen des Herrn Höcke in einer ganzen Serie von Blogposts analysiert und kritisiert. Aber der vorliegende neue Anlauf kann nicht schaden. Zumal es mir nie ausschließlich nur um Höcke ging und geht. 
Aus meinen früheren Facebook-Debatten kenne ich die Ultrarechten (dieser Ausdruck erspart mir umständliche Erörterungen zur Feinsortierung: ob es sich um Rechtsextremisten oder "nur" Rechtsradikale handelt) und deren nationalpathologische Positionen zur Genüge. Ich weiß, welche Kreise Höcke anlockt und welche politischen Vorstellungen in diesen Kreisen zirkulieren.
Und ich weiß, dass Parteien, die mehr oder weniger von solchen Gestalten dominiert werden, in Deutschland keine Chance haben: Nicht nur gegen die Machthaber (die sie allein schon aus durchsichtig-eigensüchtigen Motiven ausgrenzen), sondern auch bei der großen Masse der Wähler kommen die Wiedergänger deutscher Großmanns- bzw. Großmachtssucht nicht an. 
Und das ist auch gut so!

Traurig ist nur, dass die ewiggestrigen deutschnationalen Polit-Trottel unseren Machthabern im Ergebnis wieder und wieder dabei helfen, jede ehrliche und vernünftige Vaterlandsliebe im Keim zu ersticken. 
Das ist  natürlich nicht das Ziel dieser rechtsradikalen bis rechtsextremen Flachpfeifen. Doch OBJEKTIV sind sie die allerbesten Verbündeten der Deutschland-Destruenten in den herrschenden "Blockparteien" (zu diesem Begriff vgl. beispielsweise hier).


Dieser Blogpost darf, mit Quellenangabe, beliebig weiterverbreitet werden.



Nachtrag 02.05.2023

Björn Höcke liest "seit Jahren praktisch keine etablierte Presse mehr", erfährt man in dem t-online-Artikel "Anklage wegen Nazi-Parole steht bevor. Immunität von Thüringens AfD-Chef Höcke aufgehoben" vom 21.04.2023. 
Genau wie seine rechtsradikalen Anhänger das auch tun, schließt er sich also von Informationen aus, die ihm missfallen. Hat er Angst, dass die Hetze (die es ja tatsächlich dort gibt!) der Mainstream-Medien ihn in seinem ultrarechten Glauben unsicher machen könnten? Jedenfalls hier entpuppt er sich auch hier wieder als eine erbärmliche GERMEMME! 
Ganz unabhängig von "rechtsextrem" usw. möchte ich zumindest ganz bestimmt nicht von einer Person regiert werden, die sich selber von einer großen Menge von Informationen ausschließt und die sich nicht mit Kritik - oder auch Hetze - auseinandersetzen mag, sondern lieber die Bettdecke über den Kopf zieht in der Hoffnung, dass der Buhmann dadurch verschwindet.


ceterum censeo
Ein Rechtsextremist aus Bornhagen
Tat nicht wagen, den VS zu verklagen.
Für die Partei ist das Mist,
Doch es ist, wie es ist:
Die AfD lässt vom Haldi* sich plagen.

*Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Hier stellvertretend auch für alle VS-Landesämter, die gegen die AfD vorgehen.
Textstand 02.05.2023

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