Mittwoch, 13. Mai 2009

Arcandor = Arcan d'or? Vergewaltigt Angela Merkel den Markt oder stellt deutsche Bundesregierung Kaufhausketten unter Denkmalschutz?

"Ar|ka|num das; -s,...na ‹aus lat. arcanum "Geheimnis" zu arcanus "geheim"›: 1. a) Geheimnis; b) ..." erfahren wir in einer Internet-Vorschau auf den einschlägigen Lexikon-Artikel im Fremdwörter-Duden (und hier erfreut uns eine "Brachialpoetin" mit 21 Arkanum-Gedichten).

Unter Arkanum (oder Arcanum) verstanden (bzw. verstehen) Alchemisten insbesondere die Kunst, aus Dreck Gold zu machen; in anderen Zusammenhängen steht der Begriff auch für das Geheimnis des ewigen Lebens.

Ob Arcandor das Geheimnis des ewigen Lebens gefunden hat, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Es spricht allerdings einiges dafür: wenn die Regierung derartige Versager-Firmen finanziell fördert, kann man das nur unter die Kategorie "Denkmalschutz" einordnen; mit Wirtschaft hat das nichts mehr zu tun.
Der Arcandor-Konzern könnte dann freilich von sich behaupten, herausgefunden zu haben, wie man sich Schulden staatlich vergolden lässt.

Bei solcher Art von Wirtschaftsförderung wird nicht nur Canabbaia zornig.

Bereits am 22.04.2009 forderte der 'Konsumenten-Blogger' Stefan Winterbauer: "Arcandor gehört zerschlagen":
"Dass diese von Thomas Middelhoff heruntergewirtschaftete Firma jetzt auch noch mit Staatshilfe liebäugelt ist eine Frechheit. Hart und schmerzvoll gesagt: Arcandor gehört zerschlagen!"

Über eine "Sanierung ohne Ende bei Arcandor" hatte Christoph Schlautmann im Handelsblatt bereits am 21.04.2009 berichtet und am 12.05.09 hieß es: "Arcandor darf mit Staatshilfe rechnen".

Dass die Konkurrenz gegen die Staats-Stütze für den Wettbewerber wettert, überrascht nicht. "Metro wehrt sich gegen Arcandor-Hilfe" lesen wir im Handelsblatt vom 13.05.09:
"Nicht alle werden es überstehen, und das ist auch gut so. Dieses Motto könnte man aus der Rede von Metro-Chef Eckhard Cordes auf der Hauptversammlung heraushören. Er ist nämlich dagegen, dass der Wettbewerber Arcandor Hilfe vom Staat bekommt.
Die angekündigte Staatshilfe für den angeschlagenen Handelskonzern Arcandor stößt auf massive Kritik des Düsseldorfer Konkurrenten Metro. „Wir betrachten staatliche Eingriffe bei Wettbewerbern als eine uns benachteiligende Intervention, die ordnungspolitisch fragwürdig ist“, erklärte Vorstandschef Eckhard Cordes gestern auf der Hauptversammlung ..
.".

Thomas Hanke fährt in seinem Handelsblatt-Leitartikel "Staatshilfen: Die Stunde der Desperados" vom 13.05.09 regelrecht aus der Haut:
"Beihilfen will die Bundesregierung jetzt auch an Unternehmen vergeben, deren Problem nichts mit der Finanzkrise zu tun haben. Ein Wortbruch und eine riskante Politik, die eher krisenverschärfend wirken könnte.
Man fragt sich, ob diese Regierung völlig den Halt verloren hat: Sie schimpft auf das Versagen von Managern, sie will ihnen schärfere Haftungsregeln aufbrummen - aber gleichzeitig schüttet sie immer mehr Mittel aus, um unternehmerische Fehlentscheidungen mit Staatsprämien zu belohnen. Union und SPD betätigen sich als ein Krisenhilfswerk, das quasi Boni an Pleitebetriebe vergibt.
Der großkoalitionäre Rettungsfonds Deutschland ist bereit, auch bei Unternehmen wie Arcandor oder Opel einzuspringen, die weder ein Opfer der maroden Finanzmärkte sind noch eine solche Sonderstellung haben, dass ihre Insolvenz ein Problem für die ganze Volkswirtschaft heraufbeschwören würde. Hoch und heilig versicherte Unterscheidungen wie "von der Finanzkrise ausgelöst oder nicht", "systemrelevant oder nicht" sind mittlerweile völlig passé. Arcandor stand - damals noch als Karstadt-Quelle - schon vor fünf Jahren vor der Pleite. Weder die hektischen Reorganisationen noch die Opfer der Belegschaft haben etwas gebracht. Welchen Sinn hat es da, nun auch noch die Steuerzahler bluten zu lassen?
"
(Lassen Sie sich auch den Rest des Artikels im gleichen Tonfall (berechtigter) heftigster Entrüstung nicht entgehen und klicken Sie sich zum Handelsblattdurch!)

Nachtrag 17.05.09
Unter der Überschrift "Einzelhandelskonzerne. Metro greift nach Karstadt" berichtet das Handelsblatt am 17.05.2009 nicht nur:
"Der Handelskonzern Metro will die 121 Karstadt-Warenhäuser des angeschlagenen Konkurrenten Arcandor übernehmen und mit seinen Kaufhof-Häusern zusammenlegen",
sondern auch (meine Hervorhebung):
"Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dämpfte unterdessen die Hoffnungen von Arcandor auf Unterstützung der Regierung.
„Managementfehler dürfen nicht Anlass für den Staat sein, mit Hilfeleistungen einzuspringen“, sagte Guttenberg der „Welt am Sonntag“. Bedingung dafür sei vielmehr, dass die Probleme des Unternehmens aus der Wirtschafts- und Finanzkrise herrühren. Arcandor hat mit seinen Warenhäusern bereits seit längerem Probleme.
"

Mal sehen, ob er sich daran hält. Ich vermute mal: eher nicht. Aber von nun an steht er unter verschärfter Beobachtung; hoffentlich nicht nur bei mir, sondern in der Öffentlichkeit insgesamt.


Nachtrag 05.06.09
Übrigens bin ich nicht der Erste, der Arcandor mit "Arcan d'or" assoziiert. Auf dieser Brainstorming-Webseite findet sich dieselbe Assoziation (unter Nr. 33).




Textstand vom 05.06.2009. Auf meiner Webseite
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1 Kommentar:

  1. Eine Zerschlagung dieses so künstlich aufgeblasenen Konstrukts wäre vermutlich wirklich nicht die schlechteste Idee. Es hat sich ja doch eindeutig gezeigt, dass in so einem Zusammenschluss jede Sparte zu kurz kommt, egal wie viele Unterzusammenschlüsse man noch bilden mag. Staatshilfen darf man in so einem Fall jedenfalls auf gar keinen Fall gewährleisten, das würde doch ein Fass ohne Boden öffnen. Die Arbeitsplätze die beim Ende von Arcandor draufgehen würden, werden über kurz oder lang zu einem großen Teil bei der sich durchsetzenden, besseren Konkurrenz neu entstehen, denn der Mark verschwindet ja nicht gänzlich mit.

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