Donnerstag, 28. Mai 2009

Alles Madoff oder was? Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler (auch die US-Notenbank?) wollen (erneut) die Welt bestehlen. Jetzt durch Inflation.

There’s trillions of dollars of debt, in mortgage debt, consumer debt, government debt,” says Rogoff, who was chief economist at the Washington-based IMF from 2001 to 2003. “It’s a question of how do you achieve the deleveraging. Do you go through a long period of slow growth, high savings and many legal problems or do you accept higher inflation?”

Das Vorstehende ist ein Auszug aus dem Bericht "U.S. Needs More Inflation to Speed Recovery, Say Mankiw, Rogoff" der US-amerikanischen Wirtschafts-Nachrichtenagentur Bloomberg vom 19.05.2009. Daraus einige Zitate (Hervorhebungen von mir):
"What the U.S. economy may need is a dose of good old-fashioned inflation. So say economists including Gregory Mankiw, former White House adviser, and Kenneth Rogoff ... . “I’m advocating 6 percent inflation for at least a couple of years,” says Rogoff, 56, who’s now a professor at Harvard University. “It would ameliorate the debt bomb and help us work through the deleveraging process.” [D. h. er glaubt, dass sich dadurch die privaten Hauskäufer (darunter nicht wenige, die aus rein spekulativen Zwecken Häuser gehortet haben), ihrer Schuldenlast leichter entledigen können.] Dass bzw. warum das so einfach nicht läuft, erklärt der Artikel-Autor Rich Miller den Lesern:
"Such a strategy would be risky. An outlook for higher prices could spook foreign investors and send the dollar careening lower."
Harvard-Professor Greg Mankiw (Autor eines weit verbreiteten, auch in Deutschland in mehreren Auflagen erschienenen Lehrbuchs der Volkswirtschaftslehre) rastet in meinen Augen gleich ganz aus, wenn er sagt (bzw. implizit fordert) (meine Hervorhebung):
"If Americans were convinced of the Fed’s commitment, they’d buy and borrow more now".
So also stellt sich ein führender amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler die wirtschaftliche Erholung in den USA vor: Galoppierende Inflation und Kunden, die erneut mehr Geld borgen, als sie zurück zahlen können. Und da die Sparquote in den USA nicht ausreicht, um so viel Kredit aufzunehmen, läuft das Spiel ganz zwangsläufig darauf hinaus, dass wieder einmal die Führerscheinneulinge in den deutschen Landesbanken die Euros über den großen Teich verschiffen.
Für hinreichend bekloppt dürfen wir sie nach allen bisherigen Erfahrungen wohl halten, und die Intelligenz der deutschen Bankenaufsicht Bafin mit dem Ahnungslosen Jochen Sanio an der Spitze (Zitat aus Mai 2008: "Wir haben die Portfolios gesichtet, und mir ist seit längerem kein Institut bekannt, bei dem es Liquiditätsprobleme gibt", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).") kann ebenfalls unmöglich unterschätzt werden.

Warum die amerikanischen Schlaumeierstrategien dennoch nicht aufgehen werden, konnte man aber z. B. schon in dem Artikel "Icebergs" von John Riley, "Chief Strategist" des Finanzdienstleisters Cornerstone, vom 12/03/07 nachlesen.
Und bei Canabbaia in dem Blott " 'Ceci n’est pas une inflation' oder: Eine Inflation gibt es nicht!".
Erg. 19.2.10: Kritik kommt auch von der Bloomberg-Kommentatorin Caroline Baum u. d. T. "Inflation ‘Cure’ Exposed When In-Laws Move In" (22.05.09).

Ergänzung 06.09.09: Und bei "Dr. Doom" alias Nouriel Roubini in seinem Forbes-Artikel "Get Ready For 'Stag-Deflation'. That's stagnation/recession + deflation" vom 10.30.08 (meine Hervorhebungen):
"Finally, while in the short run a global recession will be associated with deflationary forces, some ask whether we should worry about rising inflation in the middle run? This argument--that the financial crisis will eventually lead to inflation--is based on the view that governments will be tempted to monetize the fiscal costs of bailing out the financial system, and that this sharp growth in the monetary base will eventually cause high inflation.
In a variant of the same argument, some posit that--as the U.S. and other economies face debt deflation--it would make sense to reduce the debt burden of borrowers (households and, now, governments taking on their balance sheets the losses of the private sector) by wiping out the real value of such nominal debt with inflation.
So should we worry that this financial crisis and its fiscal costs will eventually lead to higher inflation? The answer to this complex question: likely not.
First, the massive injection of liquidity in the financial system--literally trillions of dollars in the last few months--is not inflationary, as it accommodates the demand for liquidity that the current financial crisis and investors' panic have triggered. Thus, once the panic recedes and this excess demand for liquidity shrinks, central banks can and will mop up all this excess liquidity. [Das bleibt noch abzuwarten, ob die das wirklich schnell genug tun werden!]
Second, the fiscal costs of bailing out financial institutions would eventually lead to inflation if the increased budget deficits associated with this bailout were to be monetized, as opposed to financed with a larger stock of public debt. As long as such deficits are financed with debt--rather than by the printing presses--such fiscal costs will not be inflationary, as taxes will have to be increased over the next few decades and/or government spending reduced to service this large increase in the stock of public debt.
Third, to the question raised earlier: Wouldn't central banks be tempted to monetize these fiscal costs--rather than allow a mushrooming of public debt--and thus wipe out with inflation these fiscal costs of bailing out lenders/investors and borrowers? Not likely in my view. Even a relatively dovish Bernanke Fed cannot afford to let the inflation-expectations genie out of the bottle via a monetization of the fiscal bailout costs. It cannot afford to do that because a rise in inflation expectations will eventually force a nasty and severely recessionary Volcker-style monetary-policy tightening to get the genie back into its bottle.
Fourth, inflation can reduce the real value of debts as long as it is unexpected, and as long as debt is in the form of long-term nominal fixed-rate liabilities. An attempt to increase inflation would not be unexpected: Investors would write debt contracts to hedge against such a risk if monetization of the fiscal deficits does occur.
Also, in the U.S. economy, a lot of debts--of the government, of the banks, of the households--are not long-term nominal fixed-rate liabilities. They are, rather, shorter-term variable-rate debts. Thus, a rise in inflation in an attempt to wipe out debt liabilities would lead to a rapid repricing of such shorter term, variable-rate debt. And thus expected inflation would not succeed in reducing the part of the debts that are now of the long-term nominal fixed-rate form--i.e., you can fool all of the people some of the time (unexpected inflation) and some of the people all of the time (those with long-term nominal fixed-rate claims), but you cannot fool all of the people all of the time
."
Ganz so optimitisch wie Roubini bin ich mir allerdings nicht, dass die Notenbanken bzw. zumindest die US-Notenbank nicht versuchen werden (wird), die Schuldenlast teilweise wegzuinflationieren . Allzu plump können und werden die das natürlich nicht machen; man wird versuchen, die Inflation fein zu dosieren und gut zu verteilen, ggf. auch zu verstecken, indem man die Berechnung von Indizes ändert oder bestimmte Daten offiziell gar nicht mehr erfasst - das ist ja nichts Neues in den USA. Und hat nicht die ganze Welt jahrelang geglaubt, die amerikanischen Schuldner würden die Kredite tilgen können, und das US-Finanzwesen sei sicher, weil gut reguliert? Ben Bernanke selbst hat offenbar geglaubt, zumindest bis 2007, was er im Jahr 2002 der Welt vorgegaukelt hatte (meine Hervorhebung):
"Despite the adverse shocks of the past year [i. e. 2001], our banking system remains healthy and well-regulated, and firm and household balance sheets are for the most part in good shape."
Ob es damals noch "healthy" war, darüber mag man streiten. "Well regulated" war es längst nicht mehr.




Trotzdem werden wir und wird die Welt natürlich wieder gewaltigen Schaden nehmen.


Nachtrag 06.09.2009
An Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt der Bericht "Nur ein Vorgeschmack" in der Financial Times Deutschland (FTD) vom 25.05.2009 (aus der Artikelserie "Das Kapital"; meine Hervorhebungen):
"Auf die Liebhaber von Staatsanleihen kommt einiges zu: zunächst eine Emissionsflut, dann vermutlich Inflation. Da sind starke Nerven gefragt. .....
... verficht auch der Einwand der Deflationsmahner nur bedingt: dass das Zentralbankgeld wegen der gestörten geldpolitischen Transmission, der sinkenden Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes sowie des riesigen Kapazitätsüberhangs nicht inflationär wirken kann.
Vorläufig mag das so sein. Doch während die industriellen Kapazitäten in den USA wegen unterlassener Investitionen und Firmenpleiten bereits sinken, könnte die Geldumlaufsgeschwindigkeit schon bei den geringsten Anzeichen eines Preisauftriebs anspringen, wobei die Fastverdoppelung des Ölpreises infolge zartester Konjunkturhoffnung nur beunruhigen kann. [Vgl. dazu meinen Blott "Jauchzet, frohlocket: der Ölpreis steigt! Endlich dürfen wir auf die Wiederkehr der Inflation hoffen, deren wir nach Meinung mancher bedürfen!"] ...
... wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbanken ihre Bilanzen bei Bedarf tatsächlich wieder hinreichend verkürzen, wenn die Staatsschulden der G7-Länder 2010 im Durchschnitt auf 115 Prozent des BIP steigen, wie es der IWF vermutet? Das ist ja gerade das Dumme bei der wirtschaftspolitischen Antwort auf die Krise: dass diese auf noch höhere Schulden hinzielt.
Werden die Zentralbanken den Finanzministern und Privaten da wirklich unangenehme Refinanzierungsbedingungen aufbürden ...?
Und was, falls die nun verordnete Medizin nicht anschlägt? [Dann] würden Geld- und Fiskalpolitik dann wohl noch viel höhere Dosierungen verabreichen, so lange, bis sie die gewünschte Inflation kriegen. ...
... über Wechselkursmechanismen wird ihre [die amerikanische] Wirtschaftspolitik auf die ganze Welt ausstrahlen.
"


Nachtrag 7.6.09
Dass und in welchen Anlageklassen die Madoffs dieser Welt, bzw. spezifisch diejenigen in den USA, auch weiterhin Gewinn bringend aktiv sind, berichtet Tobias Bayer in dem Artikel "Lückenhafte Kontrolle. Betrüger entdecken den Rohstoffhandel" in der Financial Times Deutschland (FTD) vom 05.06.09


Nachtrag 27.06.09
Auch in den vorliegenden Kontext passt, was Dieter Wermuth, ein von mir wegen seiner Sachkunde und seiner profunden Analysen besonders geschätzter Volkswirt und „Hirte“ neulich in dem auf ökonomische Fragen spezialisierten ZEIT-Weblog „Herdentrieb“ schrieb.
Zwar geht es in seinem Blott Alle sparen – wie kann der Exportweltmeister reagieren? vom 11.06.2009 eigentlich um die aktuelle Weltwirtschaftskrise (WWK II), doch einige Ausführungen zum Thema Kapitaldeckungsverfahren in der Rentenversicherung passen insoweit auch vorzüglich in den vorliegenden Kontext, als er dort jene diversen 'Madoff'-Mechanismen beschreibt, mit denen die Schuldnerländer ihre ausländischen Gläubiger (teilweise allerdings auch ihre eigenen) enteignen können und tatsächlich auch expropiieren werden (meine Hervorhebungen):
In einer alternden Gesellschaft ist es ja plausibel, ausländisches Vermögen anzusammeln, von dem man später einmal leben kann, wenn die Arbeitskraft nachlässt. ..... Wer realistisch ist, muss aber damit rechnen, dass die Kinder das Geld, das sich die Eltern von diesen sparsamen Ländern geliehen hatten, nicht mehr zurückzahlen wollen, vor allem dann nicht, wenn die Eltern die Kredite nicht in die Verbesserung und Vergrößerung des Kapitalstocks gesteckt ..... sondern konsumtiv verjubelt hatten.
Die Gläubiger werden auf die unterschiedlichste Art enteignet, sei es, dass sich amerikanische Wertpapiere als Schrott erweisen, dass man also einem Pyramidensystem aufgesessen ist, oder weil die Kurse und Preise von General Motors-Aktien, des Ferienhauses in Florida oder des Flats in London in den Keller gerauscht sind, oder weil sich Dollar und Pfund stark abwerten, oder weil durch forciertes Gelddrucken (“quantitative easing”) die amerikanische oder britische Inflation dann doch einmal ins Galopieren kommen, wodurch die Kurse der festverzinslichen Wertpapiere einbrechen, einschließlich der von Staatsanleihen. Durch diese Prozesse schrumpft, in Euro gerechnet, der Wert unseres Auslandsvermögens, ... . All das erleben wir seit etwa einem Jahr – was noch fehlt, ist ein richtiger Dollarcrash
.“


Nachtrag 19.08.09
In dem "Handbook of Monetary And Fiscal Policy (Public Administration and Public Policy)" (Autor ist ein gewisser "Rabin"; erschienen ist das Buch im Jahr 1991) lesen wir in einem Kapitel über die optimale Inflationsrate unter dem Zwischentitel "Other Considerations" (meine Hervorhebung):
"Other factors might further increase the optimal rate of inflation. For example, the underground economy uses cash intensively and is difficult to reach with other tax instruments. Some additional inflation might be desirable as a tax on activity in this sector. Similarly, much of the stock of U.S. currency is held abroad, and it might be desirable to collect seignorage from foreigners. Quantitative information on the amount of money held abroad or used in the underground economy is sparse, however, and it is difficult to say how much these factors might raise the optimal inflation rate."
Timothy Cogley, Senior Economist der Federal Reserve Bank of San Francisco, hat den Text reproduziert [hat abgeschrieben? Oder geht er in beiden Fällen auf eine der bei Cogley genannten Quellen zurück?] in dem "FRBSF Economic Letter. 97-27; September 19, 1997" unter der Überschrift "What is the Optimal Rate of Inflation?"
Wie auch immer: die Idee, durch die Verbreitung der eigenen Währung bei den Ausländern abzukassieren, ist auch in Zeiten, wo der Münzprägegewinn unbedeutend ist, nicht ausgestorben. Und die "Seignorage" soll heutzutage nach den Vorstellungen einiger anscheinend auch durch ein bisschen gesteuerte Inflation aufgebessert werden.


Nachtrag 28.08.09
Auch in den USA gibt es natürlich (nicht wenige) kritische Stimmen gegen eine Inflation; nicht weil man die Interessen der ausländischen Geldschlepper im Blick hat, sondern Schaden für die eigene Wirtschaft befürchtet. ALLAN H. MELTZER schloss seinen Kommentar "Inflation Nation" in der New York Times vom 3.5.09 mit der Mahnung:
"Milton Friedman often said that “inflation was always and everywhere a monetary phenomenon.” The members of the Federal Reserve seem to dismiss this theory because they concentrate excessively on the near term and almost never discuss the medium- and long-term consequences of their actions. That’s a big error. They need to think past current political pressures and unemployment rates. For the next few years, they cannot neglect rising inflation."


Nachtrag 18.09.09
Im Handelsblatt vom 04.02.2009 erklärte Hugo Dixon von "breakingviews.com": "Inflation ist keine Lösung":
"Inflation ist unser Freund. So lautet der verführerische Gedanke, den eine wachsende Armee von Wirtschaftsgurus verbreitet. In einer deflationären Welt brauchen wir eine Politik, die gezielt die Inflation anheizt, sagen diese Experten. Denn dann verringere sich der "reale" Wert der weltweiten Schulden, ... . Aber sie haben unrecht.
Zunächst einmal ist es zweifelhaft, ob die vorgeschlagene Behandlung überhaupt wirkt. .....
Natürlich könnten die Politiker auch entscheiden, den Markt für Festverzinsliche zu ignorieren, wenn sie wirklich wild entschlossen sind, die Inflation anzukurbeln. In diesem Fall müssten sie nur die Notenpresse anwerfen. Aber eine solche Entwertung der Währung könnte auch leicht zu einer Hyperinflation führen. .....
Aber stellen wir uns einmal vor, die Inflationsmedizin habe kurzfristig gewirkt. Auch in diesem Fall wären die langfristigen Auswirkungen dramatisch. Die Sparer würden sich zu recht beraubt vorkommen. ... Und es würde ein falsches Signal aussenden. Warum sollte in Zukunft noch irgendjemand sparen? .....
Eine bewusste Inflationspolitik würde die moralischen Grundfesten des Kapitalismus erschüttern. Der Staat sollte sich darauf nicht einlassen.
"


Nachtrag 21.09.09
Lorenzo Bini Smaghi ist Italiener und Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Geldpolitisch ist er ein Hardliner, wie die Deutsche Bundesbank keinen besseren ausbrüten könnte. Es ist daher nicht als Kritik an ihm (und auch nicht an der EZB) zu verstehen, wenn ich sage, dass ich aufgrund einer Äußerung von ihm nunmehr ziemlich sicher einer Inflationspolitik der US-Notenbank erwarte.
In dem FTD-Artikel "Deflationsangst. EZB-Notenbanker warnt vor Überreaktion"
(zusammenfassender Vorspann: "Das EZB-Direktoriumsmitglied Bini Smaghi dämpft die Deflationsängste und lehnt vorbeugende Schritte ab. Mit seinen Aussagen stellt sich Bini Smaghi klar gegen Volkswirte und internationale Institutionen wie OECD oder IWF") referiert Mark Schrörs Äußerungen Binis (von einer Pressekonferenz?) wie folgt:
"Bini Smaghi prognostiziert, dass das Potenzialwachstum nach der Krise "erheblich niedriger" sein wird [als] zuvor. Hintergrund dafür ist auch, dass laut Bini Smaghi das Wachstum der vergangenen Jahre auf einem "exzessiven Wachstum bestimmter Sektoren" wie dem Finanz- oder dem Häusersektor basiert hat. Das müssten Fiskal- und Geldpolitik beachten. Für die Geldpolitik bedeute das etwa, dass die Produktionslücke kurzfristig kleiner ist: "Deshalb kann man den Leitzins weniger stark senken."
Was das mit der Geldpolitik des Federal Reserve System zu tun hat? Nun, die US-Amerikaner werden nicht verstehen und nicht glauben, dass mit dem fröhlichen Wachstum jetzt Schluss sein soll. Es wäre auch hart für die überschuldeten Wirtschaftssubjekte in dieser Scheinblütenwirtschaft, wenn sie ihre Verbindlichkeiten ohne Wachstum abtragen müssten. Es sei denn, sie entledigen sich der Schulden durch Inflation.
Die Fed wird auf Teufel komm raus Geld rausgeben, in der Hoffnung, auf diese Weise das Wachstum anzukurbeln - Greenspan-Style. Sollte den Akteuren bewusst sein, dass nachhaltiges Wachstum so nicht zu haben ist, werden sie bewusst Inflationspolitik betreiben, um die Schuldenlast zu mindern. Die Beobachter werden nicht sagen können, welche Motive die Fed wirklich hat, denn zu einer Inflationierung würden sich die Akteure natürlich nicht ausdrücklich bekennen.
Die Motive sind jedoch gleichgültig; in jedem Falle ist aufgrund des US-Verständnisses von Wirtschaft und der amerikanischen Interessenlage als Schuldnernation mit einer zunehmenden Dollarentwertung zu rechnen.


Nachtrag 02.10.09
Für einen späteren Rückblick speichern wir uns hier mal den Link zum FTD-Artikel "Politik auf Pump. US-Schuldenrekord bedroht Weltwirtschaft".
Werden die USA ihre Schulden abbezahlen - oder sie weginflationieren? Ich tippe mal auf weginflationieren - auf die Gefahr hin, Unrecht zu behalten.


Nachtrag 25.12.09
Freunden einer "maßvollen" Inflation sei eine Lektüre des Bundesbank-Jahresberichts für 1996 ans Herz gelegt, und zwar speziell des Kapitels "Vom Wert stabilen Geldes" (Seiten 82 ff.). Vor üertriebener Deflationsangst wird darin ebenso gewarnt wie vor dem Spiel mit kleiner Inflations-Flamme:
"In eine andere Richtung als der Deflationsvorwurf zielen dagegen Überlegungen, von vornherein nicht Preisniveaustabilität anzustreben, sondern eine optimale (positive) Inflationsrate, die bewußt mehr oder weniger mäßige Preissteigerungen in den Dienst der Wachstumsförderung zu stellen versucht. Dahinter steht die generelle Vermutung, daß eine „begrenzte Relativierung“ des stabilitätspolitischen Zieles für die Erreichung anderer Ziele nützlich oder doch wenigstens nicht schädlich ist, also keinerlei Nachteile gegenüber einem strengeren Geldwertmaßstab bringt. Eine permissive Geldpolitik und „etwas mehr Inflation“ wird gerade in Zeiten eines hohen Grades an Geldwertstabilität von manchem als zumindest tolerierbar angesehen, insbesondere wenn andere Ziele der Wirtschaftspolitik wie ein angemessenes Wirtschaftswachstum oder ein hoher Beschäftigungsstand verfehlt werden und damit in den Vordergrund treten. Diese Einstellung entspricht dem immer wieder beobachtbaren Verhaltensmuster, daß ein Ziel – einmal erreicht – nach einiger Zeit als etwas Selbstverständliches angesehen und mit abnehmender Wertschätzung bedacht wird. Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, den Wert stabilen Geldes analytisch stärker in das Blickfeld zu rücken und – wie in diesem Abschnitt ebenfalls beabsichtigt – in einen größeren Zusammenhang zu stellen. .....
Umgekehrt wird auch die Ausbeutung von Geldillusionen allenfalls ein konjunkturelles Strohfeuer entfachen, kann man doch nicht davon ausgehen, daß eine dauerhafte und stabile, wirtschaftspolitisch nutzbare wechselseitige Beziehung zwischen der Höhe der Inflationsrate und dem Beschäftigungsgrad besteht. Strukturelle Verwerfungen monetär zu überspielen und niedrige Realzinsen sowie Reallohnanpassungen auf diesem Wege herbeizuführen, bleibt ein untaugliches Unterfangen. Zu den Irrtümern einer solchen Politik zählt, daß dabei nicht zwischen Geld und Kapital und zwischen Liquidität und Ersparnissen sowie transitorischen und permanenten Wirkungen unterschieden wird. So werden die wirtschaftspolitische Steuerungsfähigkeit realer Prozesse überschätzt und das Problem der Kontrollierbarkeit in Gang gekommener inflatorischer Vorgänge unterschätzt.
Ebensowenig überzeugend ist die These, eine mehr oder weniger deutlich positive Inflationsrate sei nötig, um der Notenbank die Option offenzuhalten, bei entsprechender Konjunktursituation die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch negative Realzinsen stimulieren zu können. Da das Niveau der Nominalzinsen positiv sein muß beziehungsweise im Extremfall seine Untergrenze bei Null findet, liege dort im Falle der Preisstabilität auch die Grenze für das Realzinsniveau. Damit verliere die Geldpolitik in einer gesamtwirtschaftlich besonders bedrohlichen Lage jegliche Einflußmöglichkeit. Dieses Argument trifft jedoch nicht zu, da die Notenbank jederzeit die Möglichkeit behält, durch Käufe von Aktiva (Wertpapiere, Devisen) praktisch jede gewünschte Änderung der Geldmenge beziehungsweise Liquidität zu erzielen. [Das "Quantitative Easing", um das 'Hubschrauber'-Ben Bernanke solchen Wind gemacht hat, ist also ein alter Hut!!] Zum andern stellt sich auch grundsätzlich die Frage, ob die Zentralbank eine solche konjunkturpolitische Aufgabe übernehmen und auf die Politik des „stop and go“ setzen sollte. Schon in der Vergangenheit wurde die Geldpolitik damit oftmals überfordert. Eine überexpansive Zinspolitik legte häufig die Basis für einen neuen Inflationsschub, der dann mit umso höheren Zinsen wieder bekämpft werden mußte. Für eine mittelfristig orientierte Verstetigungsstrategie dürften negative Realzinsen kaum förderlich sein. Kaum zu überschätzen sind hingegen die Vorteile der Preisstabilität, zumal diese prinzipiell zeitlich unbegrenzt sind und Jahr für Jahr anfallen. Dies gilt auch im Vergleich zu einer niedrigen Inflationsrate, wenn eine weitere Rückführung gelegentlich als nicht mehr lohnend angesehen wird. Zu diesen Vorteilen ist zu rechnen, daß knappe Ressourcen, die der Umgehung der Inflationswirkungen dienen, eingespart und produktiveren Verwendungszwecken zugeführt werden können.
"



Nachtrag 04.01.2010
Sehr informativ betr. die Krisen-Aktivitäten der Zentralbanken, insbesondere der Fed, der englischen Notenbank und der ECB, ist der lange Eintrag (allerdings schon vom 21.03.2009) "Fiscal dimensions of central banking: the fiscal vacuum at the heart of the Eurosystem and the fiscal abuse by and of the Fed" im Blog "Maverecon" von Willem Buiter. Buiter kritisiert die Europäische Zentralbank dafür, dass sie nicht Staatspapiere ankauft (indirekt am Markt) und keine privaten Verbindlichkeiten, sondern nur Geld an Banken, und auch nur gegen Sicherheiten, verleiht. Im Grunde verlangt er aus meiner Sicht eine Subventionierung von Krediten durch die Länder der Eurozone via ECB. Das scheint mir doch recht fragliches Rezept zu sein; vor allem ist das Exit Szenario schwierig vorstellbar, wenn die Notenbanken Geld nicht verliehen, sondern durch Effektenkäufe in die Wirtschaft eingespeist haben. Zwar können sie die Wertpapiere bzw. Kredite wieder verkaufen; jedoch ist es gut vorstellbar (real bei der Fed, die US-Staatsanleihen im Wert von 1,6 Billiarden Dollar angekauft hat - vgl. HB-Artikel "Analysten sehen für US-Bonds schwarz" vom 4.1.10), dass sie diese Papiere später nicht mehr zu den Ankaufspreisen verkaufen kann. Dann hat sie nicht nur Verluste, sondern vor allem bleibt ein Teil der emittierten Liquidität im System hängen. Da die EZB lt. Buiter nur Kredite bis zu 6 Monaten vergibt, kann sie diesen Geldhahn relativ kurzfristig zudrehen.
Was die USA angeht, kritisiert Buiter die quasi-fiscal actions (Aufkäufe von Wertpapieren, Subventionen an Finanzinstitutionen) der Fed, weil sie ohne eine volle Garantie durch den Staat erfolgen. Im übrigen erwartet auch er, dass die Fed die US-Staatsschuld weginflationieren wird (meine Hervorhebungen):
"... little if any likelihood is attached [by the markets] to the scenario where the ECB colludes in inflating away the real value of Eurozone government debt.
I consider the opposite outcome to be more likely for the country with the least independent of the leading central banks - the USA. The Fed has always acted like what it is: a creature of Congress: “..the Federal Reserve is subject to oversight by Congress, which periodically reviews its activities and can alter its responsibilities by statute.” More recently, it has also consented to become an off-balance sheet and off-budget dependency of the US Treasury.
If, as I consider likely, the US Federal government will not be able to commit itself credibly to future tax increases or future public spending cuts of sufficient magnitude, US public debt will, during the next two or three years, build up to unsustainable levels. When faced with the choice between sovereign default and inflating away the real value of the public debt, there is little doubt about the alternative that will be chosen by the US Executive and the US Congress. The Fed will be instructed to inflate the public debt away. Either Ben Bernanke or a more pliable successor will implement these instructions
."


Nachträge 19.02.10:

In seinem New York Times Artikel "It May Be Time for the Fed to Go Negative" vom 18.04.2009 schlägt Mankiw sogar die Einführung von Schwundgeld vor (wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob er das ernst meint oder nicht). Hilfsweise soll die Fed negative Realzinsen durchsetzen. [Dass sich die Chinesen als Hauptgläubiger der USA für diese Idee erwärmen werden, darf bezweifelt werden!]

Die oben schon zitierte Bloomberg-Kommentatorin Caroline Baum weist in ihrem kritischen Kommentar "Higher Inflation Is a Lousy Cure for Meltdowns" vom 17.02.10 auf ein aktuelles (12.02.10) Arbeitspapier von Mitarbeitern des Weltwährungsfonds hin, in dem eine erhöhte Inflationsrate tendenziell positiv bewertet wird:
"Rethinking Macroeconomic Policy" von Olivier Blanchard, Giovanni Dell’Ariccia und Paolo Mauro.
Gewinnen die Inflationisten also an Boden?


Nicht unbedingt zum Thema (Inflationismus/Inflationisten), wohl aber zu meiner Überschrift "Alles Madoff ..." passt dieser Blog-Eintrag vom 05.03.2010 auf der Webseite "Naked Capitalism": "Complexity is the handmaiden of deception." Auf Deutsch z. B. so zu übersetzen: Komplexität ist die Tarnkappe der Täuschung.


Nachtrag 8.6.10
Alles Madoff, in der Tat!
Während die Financial Times Deutschland schon häufig über die amerikanischen Statistikfälschungen berichtet hat, hat nun im Handelsblatt vom 04.06.2010 Norbert Häring in einem relativ langen Artikel "Geschönte Wachstumsdaten: Der Statistik-Schmu der Amerikaner" die Methoden und Ziele der amerikanischen Verfälschungen wesentlicher ökonomischer Kennziffern der USA recht detailliert dargestellt:
"Mit ihrer starken Wirtschaft im Rücken haben die Amerikaner die wachstumsschwachen Europäer immer über die richtige Wirtschaftspolitik belehrt. Doch ein tiefer Blick in die amtlichen Statistiken zeigt, dass die Behörden im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihre Wachstums- und Inflationsdaten schönen."






Textstand vom 08.06.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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