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CANABBAIA
Sonntag, 29. November 2009
 
Höchst ungewöhnlich: Auf welchem Weihnachtsmarkt, zumal in Frankfurt a. M., gibt es heute noch Glühwein für 1,- Euro?
Es gibt sie noch, die Vereins-Weihnachtsmärkte. Heppenheim hatte einen sehr schönen "Nikolausmarkt", und wir haben ihn vor einigen Jahren sehr genossen. Doch auf der Rückfahrt haben wir bitterlich gefroren, weil der Zug nicht beheizt war. Heute sind wir nicht mehr ganz so reiselustig (dabei war das erst vor 5 Jahren - in 2004); nach Eberbach am Neckar wären wir freilich gefahren (vgl. meinen Eintrag vom Vorjahr "Altdeutscher Weihnachtsmarkt in Eberbach: Gebrannte Erdnüsse gab's bei den Goten"), doch hielt uns die Wettervorhersage davon ab. Dazu kam noch der Umstand, das "unser" Italiener, Signore Parisi, sein kleines Café schon seit längerer Zeit geschlossen hat: wo würden wir dann bei Regen sitzen? Den ganzen Tag im Zelt auf dem Weihnachtsmarkt - das wäre denn doch etwas zu lange.

Also haben wir wieder einen ganz neuen Weihnachtsmarkt entdeckt, in Höchst. Nicht in der Stadt Höchst im Odenwald, sondern im Ortsteil Höchst von Frankfurt a. M..

Höchst am Main(jetzt knapp 14.00 Einwohner) hatte das Pech, nach Frankfurt eingemeindet zu werden (1928). Im Eingemeindungsvertrag gemachte Zusagen, wie z. B. der Bau einer Mainbrücke, wurden über Jahrzehnte nicht eingehalten, zunächst wohl wegen der Wirtschaftskrise und später gab es in Frankfurt irgendwie immer andere vorrangige Projekte. (Vgl. den ausführlichen Wikipedia-Eintrag zur Geschichte von Höchst.)

Aber noch in anderer Weise als durch die Entfremdung des hohen örtlichen Steueraufkommens (ehemalige Farbwerke Höchst!) dürfte die Eingemeindung der Stadt geschadet haben: ihre höchst attraktive Altstadt (dazu mehr bei dem speziellen Wikipedia-Stichwort) dämmert im Schatten der Frankfurter "Sehenswürdigkeiten". Sicherlich, der "Kaiserdom" St. Bartholomäus in der Frankfurter Altstadt ist größer als die Höchster Justinuskirche: aber die ist, in Teilen ihrer noch vorhandenen Bausubstanz, weitaus älter. Die "Stiftergemeinschaft Justinuskirche" war auch auf dem Weihnachtsmarkt vertreten, der überhaupt vom Vereinsring organisiert (aber auf dessen Webseite nicht sonderlich aktiv beworben) und von den Vereinen beschickt wird.

Gleichwohl ist er recht groß, über drei Plätze verteilt: dem vor der Justinuskirche, einem Platz vor dem Höchster Schloss (einst offenbar eine Wasserburg; im breiten Burggraben jetzt ein stimmungsvoller Park) und schließlich im Schloßhof selbst. Auf den Geländern der Brücke über den Schloßgraben zum Schloss waren große Tellerkerzen aufgestellt, auf einem Platz knisterte ein Holzfeuer (es wärmte auch, aber kalt war es ohnehin nicht an diesem 1. Adventssamstag).

Ein schöner Weihnachtsmarkt (auch wenn meine fest akkreditierte Kulturkonsulentin etwas indisponiert und deshalb weniger enthusiasmiert war als ich).

Was es sonst noch an Sehenswürdigkeiten gibt (nicht zuletzt zahlreiche authentische Fachwerkbauten, die hundert Mal schöner sind als die Disneyland-Ostzeile am Römerberg in der Frankfurter Altstadt) und an stimmungsvollen Ecken, zeigen zahlreiche Fotos bei den Wikimedia Commons.
Wäre die Stadt noch selbständig, wäre sie zweifellos auch ein gut besuchtes Reiseziel. Auf jeden Fall ist sie einen (oder genauer: mehrere) Besuche wert. Weitere Bilder z. B. hier auf einer privaten Webseite und selbstverständlich auch auf den verschiedenen Fotoportalen, z. B. bei Fotocommunity.de.

Also: wenn Sie mal in der Gegend sind, versäumen Sie nicht einen Abstecher in das höchst anmuthige Höchst. Und wenn Sie gar am 1. Adventswochenende in den Frankfurter Raum kommen: genießen Sie den Weihnachtsmarkt im historischen Ambiente rund um die karolingische Justinuskirche und das (nicht ganz so alte) Schloss mit seinem markanten Turm.

Ach ja, Bilder vom Höchster Weihnachtsmarkt wollte ich Ihnen ja auch noch zeigen. Keine eigenen: wir kamen leider erst bei Dunkelheit an (der Markt beginnt am Samstag um 14.00 h; um ihn richtig zu genießen, sollte man noch bei Tageslicht kommen). Außerdem kämpfe ich noch mit der Bedienungsanleitung meiner neuen Digitalkamera: 170 Seiten wollen erst einmal gelesen werden! Also nachfolgend ein Foto von Maik Reuss (die Karte lag dort an den Ständen aus) und ein sehr schöne Gemälde (im Stil der Naiven Malerei) von Allmuth Gutberlet-Bartz (diese Karte erstand ich bei der Stiftergemeinschaft der Justinuskirche; hier die Abbildung eines weiteren schönen Weihnachtsmotivs von Oberursel -?- mit dem Feldberg im Taunus im Hintergrund):























P. S.: Glühwein habe ich übrigens nicht getrunken; der hat mir früher des Öfteren Magenprobleme bereitet. Und wenn man liest, was in manchen dieser "Weine" drin ist, wird einem schon bei der Lektüre ganz anders.
Von solchen Berichten musste wohl auch jener Verein schon gehört haben, der als Vertrauen bildende Manahme mit dem Hinweisschild warb: "Unser Glühwein unterliegt der ständigen Qualitätskontrolle durch das Standpersonal".
Heißen Apfelwein gab es jedoch auch (wenn auch nur an 1 oder 2 Ständen), und natürlich noch andere "geistige" Getränke.


Nachträge 01.12.2009
Hier noch einige Links zu Berichten und/oder Bildern vom (Frankfurt-)Höchster Weihnachtsmarkt:
Hier einige Photos (vom Weihnachtsmarkt 2006) im Blog eines Hanspeter Jochmann. (Besonders schön - als Foto wie in der Wirklichkeit - die 'Fackelkerzen' (oder wie man die Dinger nennt) auf dem Geländer der Schlossbrücke - s. o.).
Die Katzennothilfe ist mir zwar nicht aufgefallen, war aber auch präsent.
22.000 Iren können nicht irren. Das Höchster Kreisblatt vom 21.10.2009 vermeldet (in einem relativ langen Bericht): "Höchst exportiert den Weihnachtsmarkt. Iren in Tralee sind ganz verrückt nach dem „cosy“ Budenzauber" (meine Hervorhebungen):
"... An dem kalten Dezemberabend aber, als die irischen Gäste mit großen Augen vorm festlich beleuchteten Weihnachtsbaum auf dem Höchster Schlossplatz stehen, umgeben von Lebkuchenduft und beschaulichen Buden mit Spritzgebäck und Selbstgemachtem, da wird ihnen bewusst, dass in Tralee noch etwas fehlt: ein stimmungsvoller Weihnachtsmarkt, einer wie in Höchst.
Der große Frankfurter Markt hatte das Herz der Nordeuropäer weniger erwärmen können. «Der war ihnen zu kommerziell», erinnert sich Thomas Meder, der als Vereinsringvorsitzender die partnerschaftlichen Beziehungen intensiv betreut. «Unseren Markt fanden sie dagegen very cosy», zitiert er die Gäste; gemütlich also, fast schon kuschelig. Und so wurde die Idee geboren, schon im Jahr 2009 in Tralee einen Markt nach Höchster Vorbild aufzubauen, den ersten Weihnachtsmarkt in der 800 Jahre alten Stadtgeschichte. ...
"
Und irgendwo in dem Artikel wird auch die Einwohnerzahl der irischen Stadt Tralee erwähnt: 22.000.
Der Rhein-Main-Wiki zeigt einige Bilder und die Lokalisierung des Marktes auf dem Stadtplan.




Textstand vom 04.12.2009. Auf meiner Webseite
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O alte Gratisherrlichkeit: wohin bist du entschwunden? Handelsblatt hegt "Premium Content" ein.
Dubai hat es voll erwischt - und mich hat es bei Dubai erwischt. Nicht, dass ich dort investiert hätte: jene Groschen, welche ich allenfalls als Kleinstanleger in einen geschlossenen Immobilienfonds hätte stecken können, habe ich schon vor einigen Jahren auf dem Altar des Neuen Marktes als Rauchopfer dargebracht.

Indes hätte ich gern den Kommentar "Staatsfinanzen: Dubai zeigt die Probleme billiger Liquidität" vom 26.11.2009 gelesen. Beim Anfang geht das noch:
"Hohe Haushaltsdefizite und ultra-niedrige Zinsen haben viele Märkte gepusht und dazu beigetragen, die globale Rezession zu beenden. Dubais Probleme zeigen allerdings, dass der staatlich geführte Blitzkrieg nicht alle Exzesse des Kreditbooms ausradieren kann. Ein gefährlicher Nebeneffekt der Politik des leichten Geldes zeigt sich auch im Kursverfall des Dollar."
Doch dann kommt der Zaun:
"Dieser Artikel ist Teil unseres Premium-Contents, der nur für registrierte Premium-Kunden zur Verfügung steht. Um keinen der Vorteile von Handelsblatt Premium zu verpassen, registrieren Sie sich noch heute!"

Eine ganze Reihe von anderen Artikeln zum Thema ist frei zugänglich, z. B. (alle vom 27.11.2009):
- "Ökonomen-Warnung: Dubai-Krise könnte neuen globalen Crash auslösen";
- "Geschlossene Fonds: Dubai-Anleger zittern um ihr Geld";
- "Hintergrund: Wer hinter Dubai World steckt" und eine Bildstrecke:
- "Dubai vor Staatsbankrott: Das Ende von Tausendundeiner Nacht": "Noch vor kurzer Zeit galt Dubai als Synonym für großes Geld – und noch größere Bauten. Doch nun steht das Emirat vor der Pleite. Ausgerechnet die Immobilienbranche, in der Vergangenheit das Zugpferd von Dubais Wirtschaft, droht zu zerfallen – und versetzt die weltweiten Märkte in Angst und Schrecken."

Weitere Artikel folgten am 28.11.09:
- "Krise im Emirat: Daimler hält an Dubai fest, DIHK warnt" [für mich ein nicht sehr erhellender Titel, denn es geht nicht um eine Investition von Daimer, sondern darum, dass die Firma arabische Großinvestoren hat: "Daimler setzt ungeachtet der Dubai-Krise weiter fest auf seine beiden arabischen Großaktionäre". Hier setzen allenfalls die Investoren auf Daimler; welche Meinung die Firma dazu äußert, ist ausgesprochen gleichgültig!] und
- "Finanzspritzen: Abu Dhabi gibt sich bei Dubai-Hilfe wählerisch"

Aber eine ganze Reihe von Berichten und Kommentaren zum Thema Dubai (bzw. aus dem thematischen Umfeld) (und natürlich auch zu anderen Themen) ist nur gegen Bares zu haben (die Veröffentlichungsdaten sind auf den jeweiligen Einstiegsseiten nicht angegeben, wenn man auf der Hauptseite über die Suchfunktion kommt sieht man aber, dass es sich um Artikel aus dem Oktober bzw. November 2009 handelt):
- "IWF sieht neuen Bauboom am Golf" ("KONJUNKTUR- AUSBLICK: Der gestiegene Ölpreis führt zu Wachstum und Überschüssen in den Haushalten") und, genau konträr (einige Tage später erschienen):
- "Dubais Büromarkt droht Kollaps Im Emirat am Persischen Golf steht bald die Hälfte aller Büros leer. Die Mieten fallen rasant."
- "Dubai World: Gläubiger mit schwachen Händen": "Die Restrukturierung bei der wichtigsten Dachgesellschaft des Emirats, Dubai World, ist die größte, die der Golf je erlebt hat. Die wenigen vorangegangenen Ereignisse ähnlicher Art in Kuwait und Saudi-Arabien werden Geldgebern wenig Trost spenden, denn Gläubiger hatten mit widrigen Gesetzen zu kämpfen und zudem Schwierigkeiten, Ansprüche auf Kreditsicherheiten durchzusetzen." (Ein Kommentar von breakingviews).

Gern hätte ich auch den Kommentar "Dubai zahlt für übermäßigen Ehrgeiz": "Das Emirat ist hoch verschuldet und könnte seine Kreditwürdigkeit verspielen. Jetzt muss es umdenken, auf solide Wirtschaftsentwicklung statt auf Glitzereffekte setzen" zur Kenntnis genommen, denn schon immer fand ich das Kalkül hinter der Wirtschaftspolitik von Dubai ausgesprochen doof.

Die Erwartung war ja: 'Bis das Öl alle ist, sind wir ein attraktives Touristenzentrum geworden'.
Das ist, wenn man in einer geistigen Engführung eingespannt ist, eine vernünftige Überlegung; freilich lautet sie dann (und so haben sich das die Dubaier - Dubaitis? Dubaianer? - wohl auch gedacht): 'Wenn wir kein Geld mehr an der Ölförderung verdienen, weil unsere Vorräte verbraucht sind, wollen wir Geld an Touristen verdienen.'
Das ist nicht sonderlich intelligent, weil es danach allenfalls noch wenige Jahre dauern kann, bis die Ölvorräte auch anderswo zur Neige gehen.
Und die Auswahl von Urlaubsdestinationen wird nach dem Erreichen des Ölfördermaximums (Peak Oil) die allergeringste Sorge der Menschen sein.
Ausdauernde Leser meines Blogs bzw. meiner Blotts kennen freilich schon eine Vielzahl von Beispielen für inkonsequentes bzw. widersprüchliches Denken.


Aber momentan steht für mich ein anderes Thema im Fokus, und dafür hätte ich halt gern den Kommentar über die Probleme billiger Liquidität (ebenfalls von "breakingviews") informiert.

Ich arbeite nämlich an einem Text unter dem Arbeitstitel: "Wie hat der Rentner seinen Tod überlebt". Unbefangene Leser werden von dort zur Niedrigzinspolitik nicht leicht eine Brücke schlagen können; worum es geht, habe ich in zwei Kommentaren (unter dem Pseudonym Cangrande) vorab angedeutet:
- Im Blog "Freiheit360°" von Sven Scheffler auf den Handelsblatt-Webseiten u. d. T. "Wir müssen den Kapitalismus vor den Kapitalisten retten" ("“Lesetipp: Roger de Weck, Nach der Krise. Gibt es einen anderen Kapitalismus?”") vom 26.11.2009 ("Cangrande") und am 24.11.09 zu dem Beitrag
- von Norbert Reuter "Erwiderung auf den Beitrag von Elmar Altvater" im Blog "Diskurs. Die DGB-Debatte".

Es geht um meine Verwunderung darüber, dass bzw. angesichts der offenkundigen Kapitalschwemme die Geldkapitalbesitzer überhaupt noch beachtliche Renditen erzielen können. John Maynard Keynes hatte die Kapitalüberfülle vorhergesehen und für diese Situation die "euthanasia of the rentier" vorausgesagt; die erste deutsche Übersetzung von Fritz Waeger im Jahre 1936 hatte daraus (und darauf bezieht sich der Titel meines derzeitgen Überlegungsprojektes) einen "sanften Tod des Rentners" gemacht. (Mittlerweile hat Jürgen Kromphardt Keynes Hauptwerk "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" - "The General Theory of Employment, Interest and Money" - neu ins Deutsche übertragen und aus dem "Rentner" einen "Rentier" gemacht.)

Der Handelsblatt-Artikel über die Auswirkungen des leichten Geldes auf den Bauboom in Dubai, d. h. wohl über die Folgen von Fehlanreizen eines allzu niedrigen Zinssatzes, hätten mich insofern interessiert, als ich u. a. auch der Frage nachgehe, ob es denn (aus anderer Perspektive betrachtet, denn grundsätzlich bin natürlich auch ich keineswegs glücklich über die leistungslosen Einkommen der Rentiers) überhaupt wünschenswert ist, einen niedrigen Zinssatz (speziell: einen negativen Realzins, also einen Zinssatz unterhalb der Inflationsrate) zu haben.


Davon später mehr, wenn ich die Frage geklärt habe, wie der Rentner seinen Tod überlebt hat. ;-)


P. S.: Die neue Handelsblatt-Strategie, den Inhalt der Webseiten teilweise nur noch zahlenden Abonnenten zugänglich zu machen, kann ich in ihrer ökonomischen Logik durchaus nachvollziehen. Allerdings konterkariert sie in gewissem Umfang das Bestreben des Blattes, möglich oft von Bloggern referenziert zu werden (vgl. meinen Blott "Twingly als teuflische Versuchung: Intellektuelle Jingle Mail von mir zum Handelsblatt?").
Auf jeden Fall bedaure ich, dass ich nun vieles nicht mehr werde lesen können:
"... nie kehrst du wieder, gold'ne Zeit,
wo ich surft' frei und ungebunden
."
However: It certainly was fun while it lasted!



Links betr. "Dubai-Krise":

"Dubai Broken Dreams" im Blog Blick Log vom 29.11.09.

"Weissgarnix" (Thomas Strobl) macht seinem Namen alle Schande und erzählt uns, was er (eben doch!) über Dubai weiß: "Erinnerungen an Schon-Morgen-Pleiteland". (Dazu auch eine teilweise recht informative Folgediskussion, deren Kommentatoren auch Links zu anderen einschlägigen Quellen einbringen; ein "piaster" verlinkt z. B. zu der sehr kritischen Dubai-Betrachtung von Frank Davis aus dem Jahr 2006 "FEAR AND MONEY IN DUBAI". Diesen langen Artikel möchte ich Lesern, die einen Blick hinter die Glitzerkulissen werfen möchten, sehr herzlich ans Herz legen!!!
(Von dort führt ein Link zu dem anscheinend interessanten - teilweise auch pikanten - Blog "Secret Dubai diary".)
"Kreditgetriebene Fata Morgana" titelt Steffen Bogs seinen Eintrag vom 28. November 2009 im Blog "Wirtschaftsquerschüsse". Auch er hat eine Reihe von Zahlen aus dem Internet zusammengetragen (und, was besonders erfreulich, und leider nicht selbstvertändlich ist, auch zu den jeweiligen Quellen verlinkt).

Handelsblatt-Bericht vom 18.03.2008 von Pierre Heumann: "Gastarbeiter: Ganz unten in Dubai":
"Sie haben wenige Rechte, hausen in Baracken und müssen auch noch bei 40 Grad Hitze sechs Tage die Woche ran: Arbeiter in Dubai werden von ihren Chefs ausgebeutet und häufig auch um ihren Lohn gebracht. Das Leben der Gastarbeiter in der Wüstenwunderstadt."





Textstand vom 30.11.2009. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 22. November 2009
 
Adventskalender als Dekadenzsymptom: Geht das Weihnachtsfest vor die Hunde?
Es tut eigentlich nichts zur Sache, dass ich diesen Adventskalender für Hunde während unseres Urlaubs Mitte Oktober in Oberstdorf fotografiert habe, und dass er von der Drogeriekette Müller angeboten wurde: das alles ist peripher.









Wesentlich ist lediglich, dass heutzutage Adventskalender für Hunde verkauft (und also offenbar auch gekauft) werden, und zu einem Preis von 14,95 Euro, also rund 15,- Euronen oder knapp 30,- DM alter Währung. [Nein, daran ist natürlich der Euro nicht Schuld, an Adventskalendern für Haustiere!]









Handgebackene Hundekekse von Jeffo sind da drin.
Wohl bekomm's - allen jenen, die mit Ihrem Geld nichts Vernünftigeres anzufangen wissen, als einen Adventskalender für ihren Hund zu kaufen!




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Sonntag, 15. November 2009
 
Von der Grundversorgung im Internet Explorer zur Rundumverwöhnung beim Mozilla Firefox Browser: Das ist wie vom HO zum KADEWE
So wie ich nach dem Wechsel zum Feuerfuchs müssen sich die DDR-Bewohner gefühlt haben, als sie im November 1989 unmittelbar nach Öffnung der Mauer nach Berlin ins Kaufhaus des Westens (oder in andere bundesdeutsche Orte in die Kaufhäuser des Westens) strömten: überwältigt von der Fülle des Angebots.

Was im Warenhaus die Warenfülle, ist beim Browser die Fülle der Erweitungerungen (Add-ons). Meine (4) Symbolleisten sind mittlerweile gespickt mit einer Fülle von Symbolen, von denen ich gar nicht in allen Fällen genau weiß, was man damit alles anfangen kann. Das ist die Kehrseite der Fülle (beim Software- wie beim Warenangebot): ein wenig technikaffiner Mensch wie ich fühlt sich da schnell überwältigt. Und manchmal überrumpelt: wenn irgend etwas nicht funktioniert.

Man muss also zwar nicht seine Seele dem Teufel verschreiben, um Firefox zu benutzen, aber so manche Stunde (des Schlafs) geht schon drauf, bis man als relativer Computerlaie wenigstens von den Grundzügen her begreift, welche Funktionalitäten die verschiedenen Zusatzprogramme bieten, und bis man eine Reihe von Problemen (besonders ärgerlich: verschwundene Bookmarks - Lesezeichen, Favoriten -) in den Griff bekommen hat.
(Ich schaue schon furchtsam in die Zukunft: beim nächsten Update des Browsers wird es wiederum Probleme mit den - alten - Erweiterungen geben!)


Jedenfalls bin ich, wenn der Firefox Browser halbwegs stabil bleibt, nach meinem jetzigen 2. Anlauf für den Microsoft-Browser wohl endgültig verloren.
Der dabei für mich entscheidende Gesichtspunkt ist weniger der vielfältig gebotene Schnickschnack sondern die Möglichkeit, Lesezeichenordner und Lesezeichen-Links mit Beschreibungen (in anscheinend unbegrenzter Länge?) und die Lesezeichen selbst auch mit Tägs für erleichtertes Wiederfinden versehen zu können.
Das sollte mir das Leben mit meinen zwanzigtausend (oder so) Lesezeichen deutlich erleichtern.

Ein ganz besonders erwünschtes Feature ist für mich auch die Möglichkeit, Textpassagen auf Webseiten nach Art eines Leuchtstiftes zu markieren. Schade nur, dass man den Text anscheinend nicht direkt "glossieren" kann, also gewissermaßen Randbemerkungen machen wie in Büchern. Es wäre schön, wenn man unmittelbar zu einer markierten Stelle einen Kommentar einfügen könnte und dieser dann nach Art der Kommentarfunktion im "Word"-Programm erscheinen würde (und nach Speicherung in den Lesezeichen auch erhalten bliebe.

Aber gut: Wunderbares habe ich schon genug in den Firefox-Addons entdeckt; Unmögliches zu realisieren dauert für die fleißige Entwicklergemeinde offenbar etwas länger ;-).





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Dienstag, 10. November 2009
 
Shanghai in Kempten
Bei unserem Besuch in der Stadtbücherei in Kempten habe ich nicht nur Erkenntnisse über die ökonomische Funktion von Staatsschulden in der Zeit des Absolutismus gewonnen (vgl. Blott Keynes in Kempten?), sondern auch Einsichten in die chinesische Geschichte gewonnen.

Schon in meiner Kindheit war ich ein profunder China-Kenner: damals habe ich nämlich ein Buch über das Land gelesen und das, weil es so spannend war, gleich mehrfach. Zwei Titel habe ich aus dem Buch in Erinnerung (das Buch besitze ich wohl auch noch, doch käme eine Suche in meinem Bücherschrank einer archäologischen Ausgrabung gleich), nämlich: „Im Reiche des Goldenen Drachen“ und „Durch die Höhlen und Schluchten des Wu-Tai-Shan“. Das Internet verrät mir jetzt, dass es sich um ein dreibändiges Werk handelt, bei dem „Im Reiche des Goldenen Drachen“ der Gesamttitel und „Durch die Höhlen und Schluchten des Wu-Tai-Shan“ der Bandtitel war. Es soll um 1920 erschienen sein und enthielt, was meine Phantasie damals besonders angeregt hat, auch einige Tafeln mit gemalten farbigen Bildern.
Von Löß ist in dem Wikipedia-Eintrag Wutai-Shan nicht die Rede; auch nicht in dem englischsprachigen Pendant Mount Wutai von „Loess“; vielleicht bezieht sich das Buch auf ein anderes Gebiet. Ich erinnere mich jedenfalls sehr deutlich, dass der Held der Geschichte (ein als Mandarin - also chinesischer Staatsbeamter - verkleideter Westler) seine mancherlei Abenteuer in einem Lößgebiet bestand. Dieses sehr weiche Gestein bildet jene bizarren Formen, deren Abbildungen man z. B. als Wanddekorationen in China-Restaurants begegnet.
Das Buch hatte ich, schon gebraucht, wohl von einer „Tante Emilie“ bekommen, an die ich mich sonst kaum erinnere; ich weiß auch nichts mehr über eventuelle verwandtschaftliche Bande zu ihr.
Obwohl z. B. in der Wikipedia von „durchgängige Reisebeschreibungen in mehreren Bänden“ die Rede ist, handelt es sich wohl um einen Roman. Der Autor Otfried von Hanstein war ein sehr fruchtbarer Schreiber, insbesondere auch von Jugendbüchern, und um eine für die Jugend bestimmte Abenteuergeschichte handelt es sich vielleicht auch bei den Schilderungen aus dem Reich des Goldenen Drachen.

Die oben erwähnte Tante Emilie könnte mir auch, wohl später, noch ein weiteres China-Buch gespendet haben. Von diesem erinnere ich mich weder an den Titel noch an den Autor, und nur vage an den Inhalt. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, hatte es einen roten Halbledereinband, etwa im Schulbuchformat, während der Pappteil des Einbandes hell war. Ich besitze das Buch nicht mehr und habe es wohl auch nur einmal gelesen.
Inhaltlich handelte es sich um die Erinnerungen eines deutschen oder jedenfalls deutschsprachigen Emigranten an seine Zeit in Shanghai. Wahrscheinlich hatte es ein Jude geschrieben, der vor den Nazis nach Shanghai geflohen war; von diesen historischen Hintergründen wusste ich damals allerdings nichts. Ein Schutzumschlag fehlte; falls die historischen Umstände etwa in einer Einleitung beschrieben waren, habe ich sie vergessen oder damals nicht verstanden.
An Einzelheiten des Buches kann ich mich nur in zwei Punkten erinnern. Zum einen lobt der Autor die Chinesen für ihre Fürsorge für die Flüchtlinge. Diese Information kann ich mit dem, was ich jetzt im Internet über die damalige Situation lese, nicht recht zusammenbringen. In dem pdf-Dokument "Die Emigration jüdischer Deutscher und Österreicher nach Shanghai als Verfolgte im Nationalsozialismus" von Wiebke Lohfeld und Steve Hochstadt auf der Webseite www.exil-archiv.de (der Else Lasker-Schüler-Stiftung) lesen wir das anders (meine Hervorhebung):
"Die verletzten Personen [bei einem US-Bombardement des japanisch besetzten Shanghai am 17.07.1945] unter den Emigranten und unter der chinesischen Bevölkerung wurden mit großen Einsatz gleichermaßen versorgt, wofür sich die chinesische Bevölkerung anschließend ausdrücklich bedankt hat. Aus einer zuvor ablehnenden Haltung der Chinesen erwuchs nun nach vielen Jahren des Zusammenlebens erstmals so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Gruppen."
Was die Hilfe für die Ausgewanderten angeht, ist in dem o. a. Text keine Rede von chinesischen Hilfsorganisationen, sondern nur von westlichen bzw. internationalen, insbesondere jüdischen, Hilfskomitees.

Das aber nur als Anmerkung am Rande; was ich für mein Leben aus dem Buch mitgenommen habe war eine Story, die gar nicht die Lebensumstände von Auswanderern betraf, sondern die einer bestimmten Gruppe von Chinesen.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Autor den Sachverhalt teilweise aus eigener Anschauung kannte, oder ihn nur als Bericht von Dritten wiedergab. Selbst wenn die Darstellung nicht wahr sein sollte, wäre sie auf jeden Fall gut erfunden gewesen. (In diesem Zeitungsartikel ist davon die Rede, dass das größte Gefängnis Asiens in der Nähe des Ghettos lag; der Autor könnte also Kontakte dorthin gehabt haben.)

Es ging um chinesische Strafgefangene; die waren in ihren Gefängnissen ziemlich verlaust oder verwanzt (oder beides). Die Gefangenen hatten sich vermutlich an ihre Körperbewohner gewöhnt. Ein amerikanischer Missionar wollte sie jedoch von diesen Plagegeistern befreien und intervenierte bei dem zuständigen Beamten (Gefängnisdirektor oder Gouverneur). Der schuf tatsächlich Abhilfe. Chemische Mittel zur Insektenbekämpfung waren, aus welchen Gründen auch immer, nicht verfügbar. Also wurde den Gefangenen bei Androhung von weiteren Strafen befohlen, täglich eine bestimmte Menge an Ungeziefer abzuliefern.

Das erwies sich als eine wirksame Bekämpfungsmethode, doch gerade deshalb tauchte ein neues Problem auf. Diesmal keins aus der Kategorie Hygiene, sondern ein Bürokratie-Problem vom Typ „Befehl ist Befehl“. Durch die erfolgreiche Ungezieferjagd konnten die Gefangenen ihr Plansoll an abgelieferten Insekten nicht mehr erfüllen. Da sie somit gegen die Anordnungen verstießen, wurden sie bestraft. Diese Zusatz-Strafen waren offenbar noch unangenehmer als die Insekten; jedenfalls passten sich die Gefängnisinsassen an die neue Lage dadurch an, dass sie die Insekten nunmehr systematisch auf ihren eigenen Leibern züchteten. So konnten sie wieder die vorgeschriebenen Mengen abliefern und den Vorschriften Genüge tun.

Dieses Beispiel stand mir fortan immer vor Augen, wenn irgendwo von Bürokratie als Selbstzweck die Rede war oder ich solche selbst wahrnahm.

Ich hätte den eher schmalen Band „O China, Land auf alten Wegen“ von Hans-Heinz Hinzelmann wohl wieder in das Flohmarktregal der Kemptener Stadtbücherei zurück gestellt, zumal der Titel, aus heutiger Perspektive betrachtet, nicht gerade prophetisch war. Doch hatte die genannte Jugendlektüre mein Interesse am Leben der jüdischen europäischen Verfolgten in ihrem Exil in Shanghai geweckt. So habe ich einen Euro geopfert und hatte eine weitere nette Urlaubslektüre. Da der Autor, im Gegensatz zu den meisten anderen Emigranten, auch Kontakte mit der chinesischen Bevölkerung hatte, und (angeblich oder tatsächlich) sogar der Kuomintang bei der Sprengung einer für die japanischen Truppenbewegungen wichtigen Brücke außerhalb der Stadt geholfen hatte, ist das (mit knapp 200 S. nicht allzu umfangreiche) Buch (erschienen 1948), eher noch spannender als die beiden Islandkrimis (aus unserer Ferienwohnung in Oberstdorf bzw. vom Flohmarkt in Kempten). Und zudem war es eine interessante „Reise“ in das alte Shanghai, in die chinesische und zugleich die deutsche (und sogar auch in die japanische) Geschichte, und in gewisser Hinsicht eben auch eine Reise in meine eigene Jugendzeit. (Dass ich gleichzeitig den "Vorleser" von Bernhard Schlink gelesen habe, war zwar reiner Zufall, aber natürlich eine den Holocaust-Hintergrund intensivierende Leseerfahrung.)
Jedenfalls hat mich das Buch von Hinzelmann zu erneuter Internet-Suche nach Informationen zum Thema „Exil in Shanghai“ ermuntert, deren Erträge ich zu Nutz und Frommen eventuell Interessierter nachfolgend verlinke.

Fortsetzung 13.11.09:
Der Feuerfuchs ist ein faszinierender Browser, mit dem ganzen Warenlager seiner Add-ons. Aber wenn irgend etwas nicht klappt, kann das einen Webtechnischen Otto Normalverbraucher wie mich auch ziemlich zur Verzweiflung bringen. Zwar gibt es vielfältige Hilfe, auch in Foren. Aber manche Dinge erfordern tiefe Eingriffe ins System, man muss nach versteckten Ordnern suchen usw. Das ist mir einfach zu kompliziert.
So habe ich auch nicht herausgefunden, wohin der Firefox meine gesammelten Shanghai-Emigranten-Links verschleppt hat, die ich mir jetzt ergänzend herausgesucht hatte. (Nicht nur die übrigens, sondern anscheinend mehr oder weniger alles was ich seit einigen Tagen oder seit meinem Umstieg auf Firefox vor ca. 2 Wochen in den Bookmarks neu gespeichert hatte.) Lediglich die vom Internet-Explorer importierten, schon früher gefundenen Links sind noch da.

Die Mühe einer Rekonstruktion mache ich mir nicht; der Link zum längsten online-Text ist zum Glück noch vorhanden:
"Die Emigration jüdischer Deutscher und Österreicher nach Shanghai als Verfolgte im Nationalsozialismus" von Wiebke Lohfeld und Steve Hochstadt auf der Webseite "Exil-Archiv".

Interessant auch der Bericht über eine Einzelperson, einen Herrn Paul S. Adler u. d. T. "Überleben mit Schiffskarten, Whiskey und Geschäften in Shanghai".

Zahlreiche weitere Links enthält der englischsprachige Wikipedia-Eintrag "Shanghai Gehtto".









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