Freitag, 20. Juni 2008

Präludien über das Thema Ressourcenkriege: Doch keine Kriege ums Öl? Oder Europa rüsten für den Ölkrieg? Oder wollt ihr die totale Osteomalazie?


Wenn aus einem Haufen rauer Soldatenkehlen das Gebrüll ertönen würde: "Peak Oil, Peak Oil, Peak Oil" – ob das nicht fast so klänge wie "Sieg Heil …"?

Irgendein Heil von der Verknappung fossiler Energieträger oder einen Endsieg über die Natur können wir allerdings nicht erwarten; dafür aber jede Menge an Unheil. Denn wenn (vielleicht schon bald) Erdöl wirklich zu einer immer schneller verschwindenden Mangelware werden wird, wird uns wahrscheinlich das, was traditionell ein wesentlicher Bestandteil von "Geschichte" war, nämlich gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen politischen Einheiten, wieder einholen.
Dafür haben Trendscouts wie wir ihren eigenen Schlachtruf: "Be prepared" oder "bereit sein ist alles".  
Die erste Stufe zum Bereitsein ist das Informiertsein.

Sonntag, 8. Juni 2008

MONUMENTI E NATURA A FRANCOFORTE SUL MENO oder ZWEI FÜCHSE AUS WÄCHTERSBACH ZU BESUCH BEI IHREM FRANKFURTER ARTGENOSSEN

Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts begaben sich die Bürger der Weltstädte an schönen Wochenenden zum Zwecke der Rekreation gern in die Vororte.
Wächtersbacher pflegen diesen alten Brauch noch heute, und was man für die damalige Zeit z. B. für die Stadt Leipzig bei Karl Heinrich Krögen ("Freye Bemerkungen über Berlin, Leipzig und Prag" - heutige Schreibweise: Freie Bemerkungen über Berlin, Leipzig und Prag) nachlesen kann, hat der Blogger Cangrande unter dem Suchlabel "Tagesausflüge" erfasst.

Freitag, 6. Juni 2008

Unsystematische Sammlung von Linkfunden mit überdurchschnittlich substanzhaltigen Artikeln zum Thema Peak Oil (Ölfördermaximum)

Erneut führte mich die Nachverfolgung eines Suchzugriffs auf meinen Blog zu einigen interessanten Artikeln zum Thema Peak Oil.
Unter diesen waren einige ungewöhnlich lange, informationsreiche und ausbalancierte. Zu schade eigentlich, um in meiner ohnehin schon überlangen Favoritenliste zu versauern.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, solche "Ausreißer" (im positiven Sinne) aus der üblichen (zwar auch nicht schlechten, aber doch knapperen und häufig auch einseitigeren) Berichterstattung hier zu posten.

Nachtrag 20.07.2008:
Mittlerweile habe ich hier auch eine Reihe allgemeinerer Links zu Portalen und Studien versammelt.

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Die Wirtschaftspresse 'von Keller Stimpel', Berlin, beschreibt sich selbst so:
"Wir verstehen uns als kleines, feines Fachpressebüro mit hohem Qualitätsanspruch. ..... Unsere Stärke ist die Verbindung von präziser Recherche, Texthandwerk und Presseproduktion auf der einen Seite sowie gründlicher Fachkenntnis auf der anderen. Unser Ziel: Besser schreiben als Experten - mehr wissen und vermitteln als andere Journalisten."
Jedenfalls in dem Beitrag "Fossile Energien. Öl vor dem Aus?", auf der Webseite des Pressebüros als Arbeitsprobe (leider ohne Datumsangabe) veröffentlicht, scheint mir dieser Anspruch erfüllt zu sein. (Ursprünglich hatte ich den Artikel in einem Forum gefunden, wo der Moderator "McSaug" ihn, ohne Quellenangabe, am 04.05.08 eingestellt hatte.)

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Der Journalist Derek Brower glaubt nicht daran, dass "Peak Oil" in Kürze bevorsteht. Trotzdem sieht auch er den Ölpreisanstieg positiv: "Die Ölpreise sind noch gar nicht hoch genug. Man sollte sich schon einmal daran gewöhnen". Erschienen ist der Aufsatz im Blog von Robert Amsterdam (so heißt der Blogmeister), wo "Ansichten über Russland, Europa und Internationale Angelegenheiten" veröffentlicht werden. Auch bei "Readers Edition" ist der Artikel (von Ende Mai 2008) zu lesen.

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Guy Wagner, Chefvolkswirt der Banque de Luxembourg, erörtert in einem Artikel vom 29.05.06 mit einem sehr umfassenden Ansatz den aktuellen Ölpreis. U. a. macht er auf einen wenig beachteten, jedoch für die Ölverfügbarkeit für uns äußerst wichtigen Sachverhalt aufmerksam, nämlich den stark steigenden Eigenverbrauch der Ölförderländer:
"Auf der Angebotsseite haben die Öl produzierenden Länder keinen Anreiz, die Produktion zu erhöhen, und zweigen außerdem zunehmend vorher exportierbares Öl für den Binnenverbrauch ab. Man redet viel über das so genannte Ölfördermaximum ('peak oil'), aber der zuletzt genannte Punkt wird selten erwähnt. Angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums behalten Öl produzierende Länder zunehmend Öl für die eigenen Bedürfnisse zurück, so dass es zu einem gewissen Ressourcen-Nationalismus kommt."
Wagner bezweifelt, mit substantieller Begründung, dass die Spekulanten für den Preisanstieg beim Öl Schuld sind:
"Es ist Mode geworden, Finanzinvestoren und Spekulanten für den jüngsten Ölpreisanstieg verantwortlich zu machen. Indem sie große Geldmengen in Ölterminkontrakten anlegen, würden die Investoren den Ölpreis in die Höhe treiben. Auch wenn dieser Gedanke zunächst einleuchtend scheinen mag: er ist nicht zu Ende gedacht. Was das Rohöl (und die meisten Waren und Rohstoffe) angeht, beeinflussen Terminkontraktpreise kaum die Kassapreise, da diese von der Nachfrage nach und dem Angebot an Öl bestimmt werden, das für die tatsächliche Verwendung gehandelt wird. Die auf Waren- und Rohstoffmärkten gehandelten Terminkontrakte sind im wesentlichen Wetten auf die künftige Preisentwicklung. Die eigentlichen Käufer sind aber am Ende die Verbraucher, nicht die Investoren."

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Godwael, nach seiner Selbstbeschreibung "Chemielaborant, Diplom-Chemiker (Uni Hamburg), seit 2007 freischaffender Journalist und Blogger", hat eine 4-teilige Blogfolge zur Erdölthematik publiziert. Nicht nur sind die ausführlichen Texte (die ich aus Zeitmangel nur anlesen bzw. überfliegen konnte) sehr informativ, sondern ebenso die zahlreichen weiterführenden Links. Hier seine Beiträge:

"Peak Oil – Teil 1: Schlechte Nachrichten" (24.05.08);

"Peak Oil - Teil 2: In der Not ..." (27.05.08). Hier macht der Autor auf einen Gesichtspunkt aufmerksam, der in der breiten Debatte praktisch nicht vorkommt, aber dennoch von erheblicher Bedeutung für die Ölversorgung ist: die Qualität der verfügbaren Rohölsorten:
"Der Anteil leichten, süßen Öles an der Gesamtförderung ist seit spätestens 2000 rückläufig, wie man zum Beispiel auch dem Opec-Marktreport für August 2005 entnehmen kann: [folgt Zitat auf Englisch]
Das entspricht über drei Millionen Barrel weniger. Im gleichen Zeitraum produzierte die OPEC absolut etwa eine Million Barrel leichtes Öl zusätzlich, bleibt ein Minus von etwa zwei Millionen Barrel täglich.
Diese Feststellung bedeutet zweierlei. Zum einen sehen wir hier, dass praktisch im Windschatten der Produktionszahlen die Qualität des geförderten Produktes schon seit Jahren abnimmt, ein weiteres Warnzeichen zukünftiger Verknappung. Zum anderen bedeutet das, dass der EROIE unseres Öles immer schlechter wird: Gleichbleibende Produktionsmengen bringen uns netto betrachtet immer weniger Energie, und um die geht es ja letztendlich.
" [Hervorhebungen von mir]

"Peak Oil – Zwischenspiel: There ain't no such thing as a free lunch" (29.05.08); und

Im abschließenden "Peak Oil - Teil 3: Blick in die Zukunft" (02.06.08) stellt "Godwael" Überlegungen zur kurzfristigen Preisentwicklung an:
"Die zentrale Botschaft der ersten beiden Beiträge war ja, dass die Ölpreise langfristig erheblich steigen werden, weil immer weniger von dem Zeug vorhanden ist, man es mit immer teureren Methoden fördern muss und der Netto-Energiegewinn immer geringer wird. Das heißt aber nicht, dass der Preis von jetzt an immer kontinuierlich steigen wird. Es gibt im Gegenteil eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, dass Öl zumindest in nächster Zeit wieder ein bisschen weniger kosten wird."

Über Alternativen erfahren wir ebenfalls vieles, u. a. zur Frage, ob "Die Kohleverflüssigung vor der Renaissance" (14.11.2007) steht und welche Auswirkungen das hätte (auch hier ein für den Laien ganz unerwarteter Aspekt: wesentliche Probleme resultieren aus einem hohen Wasserverbrauch bei der Verflüssigung).

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Steffen Bogs aus Berlin betrieb den Blog "Querschüsse zum Thema Wirtschaft und Finanzmärkte", der jetzt kurz "Querschüsse" genannt wird.
Auch er bringt, schon seit längerem, einen ganzen Strauß materialreicher und vielfältig verlinkter Artikel, u. a.:

"Peak Oil - Finale Ölkrise?" (11.6.07) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Das dunkle Zeitalter. Peak Oil kommt mit deutlichen Worten im Mainstream an!" (16.06.07) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Peak Kredit, Peak Öl und Peak Mensch" (10.09.07)
"Peak Oil ist Realität" (24.10.08)
"Peak Oil in greifbarer Nähe" (03.05.08)
"Peak Oil im Mainstream angekommen" (21.05.2008) [Kein aktueller Link auffindbar]
"Ölexporte rückläufig - Nachfrage aus Schwellenländer ungebrochen!" (3.6.08)

(Interessant sind häufig auch die Kommentare der Leser; sei es, dass sie ergänzende Informationen und Links einbringen, sei es, dass sie jene Realitätsverweigerung ausformulieren, welche implizit die ganze Gesellschaft beherrscht.)

Nachtrag 22.07.08: Bogs betrieb den o. a. Blog; dass er plötzlich und unerwartet verschwunden war habe ich (bereits vor einiger Zeit) auch daran gemerkt, dass ich hier einige Suchzugriffe von Nutzern hatte, die wohl Näheres über dieses merkwürdige Verschwinden wissen wollten. Leider weiß ich auch nicht mehr als "Blogspot":
"Blog wurde entfernt. Leider wurde das Blog unter wirtschaft-querschuss.blogspot.com entfernt. Diese Adresse ist für neue Blogs nicht verfügbar."
Immerhin erfahre ich jetzt beim Googeln, das Bogs Autor der linken Zeitschrift "jungeWelt" war.

Nachtrag 27.10.08:
Nein - er ist (lt. Profil ab September 2008) wieder da, der Querschuss. Also habe ich mir die Mühe gemacht (weil seine Artikel es wert sind), meine Links zu aktualisieren.




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Weitere Informationen zum Thema Ölkrise auch in meinem Blott "Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht" vom

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Nachfolgend Links zu einigen einschlägigen aktuellen Interviews:

Astrid Schneider hat ein Gespräch mit dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, geführt. Dieses wurde u. d. T. »Die Sirenen schrillen« in der Ausgabe April 2008 der Zeitschrift "Internationale Politik" publiziert. Aus dem einführenden Absatz:
"Energiehunger trifft Energieknappheit: Während die Nachfrage nach Öl wächst, sinkt die Förderung – es drohen Lieferklemmen, eskalierende Preise, Inflation. Im Gespräch mit der Energiepolitikerin Astrid Schneider fordert der Chefökonom der IEA, Fatih Birol, die Mitgliedsstaaaten zu einem Politikwechsel auf. Sein Motto: Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt."
Dass die International Energy Agency in Paris nunmehr derartige Aussagen macht, ist lobenswert. Allerdings ist es keine große prognostische Leistung, eine Krise zu konstatieren, wenn man schon mitten drin steckt. Deshalb ist es vielmehr ein Skandal, dass uns diese Organisation noch vor kurzem Sand in die Augen gestreut und eine problemlosen Verfügbarkeit von Rohöl für absehbare Zeit propagiert hat. (Unabhhängige Beobachter hatten die Desinformationsstrategie der IEA schon vor Jahren -ohne öffentliche Wirkung- demaskiert; vgl. z. B. den taz-Artikel "Die wunderbare Ölvermehrung" von HAUKE RITZ v. 04.11.2005.)


Hans-Josef Fell, Bundestagsabgeordneter und Sprecher für Energie und Technologie von Bündnis 90/Die Grünen hat sich in einem Gespräch mit dem Fernsehsender n-tv am Montag, 31. März 2008 (Titel: "Ein Wettlauf mit der Zeit") geäußert. Einführungstext:
"Das Fördermaximum ist längst erreicht, sagt Hans-Josef Fell. Der Energieexperte der Grünen ist jedoch skeptisch, ob die Welt den Kopf noch aus dem Sand ziehen wird. Das Problem sei, dass die Themen Klimawandel und Energiesicherheit immer getrennt diskutiert werden. Zwei Szenarien sieht Fell für die Zeit nach dem Peak: erneuerbare Energien - oder Armut." [Nach meiner Einschätzung ist nur ein Szenario von den beiden realistisch, nämlich das zweite. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.] Der Gesprächspartner Hubertus Volmer kam auch auf die Rolle der Grünen in der Debatte über das Ölfördermaximum zu sprechen:
Frage: "Auf der Website abgeordnetenwatch.de gibt es ein Statement von Hans-Christian Ströbele zu Peak Oil. Dort sagt er, er sei "nicht der Meinung, dass die Ölreserven so schnell zu Ende gehen". Offenbar sind auch die Grünen nicht wirklich am Thema dran."
(Ehrliche) Antwort: "Ich will's mal so sagen: Auch bei den Grünen war in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit nicht in dem Maße vorhanden, wie ich das für richtig gehalten hätte. Es gilt aber auch, dass die Grünen die Partei sind, die sich dem Thema am intensivsten widmen." [Hervorhebung von mir]

Ebenfalls bei n-tv.de finden wir ein Gespräch (vom 3. April 2008) mit Prof. Wolfgang Blendinger Deutschlands einzigem Professor für Erdölgeologie (an der TU Clausthal, im Harz). Titel: "Ein Tropfen auf den heißen Stein"
Einführungsabsatz:
"Früher oder später werden die Erdölgesellschaften schon eingestehen, dass Peak Oil Realität ist, sagt Wolfgang Blendinger, Deutschlands einziger Professor für Erdölgeologie. Die Prognosen der Konzerne seien nur Augenwischerei. 'Wir sind zu 98 Prozent abhängig von importiertem Öl. Mit ein bisschen Phantasie kann sich jeder die Folgen von Peak Oil selbst ausmalen.' Ohne eine Abkehr vom "Wachstumsdogma" werde diese Krise nicht zu bewältigen sein."
Prof. Blendinger hat auch einen ernüchternden Text über Ölschiefer verfasst. Die "ASPO Deutschland" ("Association for the Study of Peak Oil"), deren Vorsitzender er lt. Wikipedia-Eintrag ist, betreibt das Internet-Portal www.energiekrise.de mit zahlreichen Informationen zum Thema. (Zur besonders rührigen irischen "Mutter" der mittlerweile in mehreren Ländern entstandenen "ASPOS" vgl. meinen Blott "Dieser Ire irrt sich nicht: Das Ölfördermaximum ist kein Märchen aus Tausendundeine Nacht".)
Fritz Vorholz rechnet Blendinger in seinem (gleichfalls vorzüglichen) "Zeit"-Report "Angst vor der zweiten Halbzeit" (vom 20.04.06) zu den "Pessimisten". In meinen Augen ist freilich noch ein Optimist, wer glaubt, dass wir mit einer Abkehr vom Wachstumsdogma den Ressourcenmangel (der sich außerdem auch bei dem Düngemittel Phosphor und bei vielen Metall schon abzeichnet) bewältigen können. (Aber Vorholz meint natürlich Ressourcenpessimismus, was nicht logisch zwingend einen Krisenbewältigungspessimismus nach sich ziehen muss.)

Nachtrag 16.06.2008
Dipl.-Kfm. Jörg Schindler und Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH, Ottobrunn/Deutschland sind die Autoren einer Studie "Zukunft der weltweiten Erdölversorgung". Ursprünglich im Oktober 2007 auf Englisch erschienen ("C R U D E O I L. T H E S U P P L Y O U T L O O K. Report to the Energy Watch Group. October 2007. EWG-Series No 3/2007" "sponsored by Ludwig-Bölkow-Stiftung, Ottobrunn, Germany"), kam im Mai 2008 eine überarbeitete deutsche Fassung heraus ("mit freundlicher
Unterstützung des Club Niederösterreich
" - www.clubnoe.at). Mit gut 100 S. zu lang für mich, aber zum Glück geht es auch kürzer.
Die Autoren gehen davon aus, dass das Ölfördermaximum bereits im Jahre 2006 erreicht wurde.
Mehr über die (trotz ihrer englischsprachigen Bezeichnung deutschen) "Energy Watch Group" erfahren wir auf der Seite "Auftrag":
"Energiepolitik braucht objektive Informationen
Energiewirtschaft und Regierungsorganisationen pflegen den Glauben an die unbegrenzte Verfügbarkeit billiger Energie aus konventionellen Quellen. Energiepolitik braucht aber objektive Informationen.
Deshalb wurde auf Initiative des deutschen Parlamentariers Hans-Josef Fell und weiterer Parlamentarier aus anderen Ländern die Energy Watch Group gegründet. Träger ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung. In diesem Projekt erarbeiten Wissenschaftler unabhängig von Regierungs- und Unternehmensinteressen Studien über
- die Verknappung der fossilen und atomaren
Energieressourcen,
- Ausbauszenarien für die Regenerativ-Energien
sowie
- daraus abzuleitende Strategien für eine
langfristig sichere Energieversorgung zu
bezahlbaren Preisen.
Die Wissenschaftler erheben und analysieren also nicht nur ökologische, sondern vor allem ökonomische und technologische Zusammenhänge. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen über die Fachkreise hinaus in die politisch interessierte Öffentlichkeit transportiert werden.
"
Es geht also nicht nur um Rohöl, sondern um Energie allgemein; die verschiedenen bislang erstellten Studien kann man hier herunterladen.

Der oben erwähnten Kurzfassung der jüngsten Studie zur geologischen Rohölverfügbarkeit verdanke ich den Hinweis auf eine schwedische Dissertation (in englischer Sprache) vom März 2007 an der Universität Uppsala. Autor ist Frederik Robelius; Titel: "Giant Oil Fields - The Highway to Oil: Giant Oil Fields and their Importance for Future Oil Production".
Hier das "Abstract", also die Zusammenfassung:
"Since the 1950s, oil has been the dominant source of energy in the world. The cheap supply of oil has been the engine for economic growth in the western world. Since future oil demand is expected to increase, the question to what extent future production will be available is important.
The belief in a soon peak production of oil is fueled by increasing oil prices. However, the reliability of the oil price as a single parameter can be questioned, as earlier times of high prices have occurred without having anything to do with a lack of oil. Instead, giant oil fields, the largest oil fields in the world, can be used as a parameter.
A giant oil field contains at least 500 million barrels of recoverable oil. Only 507, or 1 % of the total number of fields, are giants. Their contribution is striking: over 60 % of the 2005 production and about 65 % of the global ultimate recoverable reserve (URR).
However, giant fields are something of the past since a majority of the largest giant fields are over 50 years old and the discovery trend of less giant fields with smaller volumes is clear. A large number of the largest giant fields are found in the countries surrounding the Persian Gulf.
The domination of giant fields in global oil production confirms a concept where they govern future production. A model, based on past annual production and URR, has been developed to forecast future production from giant fields. The results, in combination with forecasts on new field developments, heavy oil and oil sand, are used to predict future oil production.
In all scenarios, peak oil occurs at about the same time as the giant fields peak. The worst-case scenario sees a peak in 2008 and the best-case scenario, following a 1.4 % demand growth, peaks in 2018.
"
Robelius betont also die überragende Bedeutung der großen Ölfelder (die fast alle schon vor langer Zeit entdeckt wurden und dementsprechend leergepumpt sind) für die Bestimmung des voraussichtlichen Zeitpunkts des Ölfördergipfels und erwartet diesen im Zeitraum von 2008 - 2018.

Eine Kuriosität findet sich im Blog "Our Finite World", nämlich eine Ansprache des "Rear Admiral Hyman Rickover" vom 14.05.1957 (!) an die "Minnesota State Medical Association" u. d. T. "Energy Resources and Our Future".
Über den Inhalt (den ich selbst erst noch lesen muss) sowie über den Redner erfahren wir:
"Rear Admiral Hyman Rickover gave an amazing speech in 1957 that predicted many of the energy-related issues we are now dealing with. Among other things, the speech talks about
• The relationship between fossil fuels and economic growth.
• The relationship between fossil fuels and military power.
• The fact that oil, natural gas, and coal are expected to peak, and the approximate timeframe.
• The responsibility of Rickover’s generation to tell later generations about the fact that fossil fuels will deplete, so that they can start very early making plans for the difficult transition away from fossil fuels.
Rear Admiral Hyman Rickover is known as the father of the nuclear submarine. He was also instrumental in getting the United States started using nuclear power to generate electricity. He was an advisor to Jimmy Carter, who is known for his interest in renewable energy
."
Nachtrag 27.01.2011: Eine Übersetzung der Rickover-Rede und weitere Informationen zur Person in meinem Blott "Salut für den Atom-Admiral! Hyman Rickovers visionäre Energie-Rede von 1957 hier auf Deutsch" vom 27.07.2008.

Nachtrag 15.07.08
Wei Gu (Nachrichtenagentur Reuters) berichtete über die massive Subventionierung von Öl in China: "The hidden costs of fuel subsidies". Der Artikel wurde hier am 4.6.2008 in der International Herald Tribune veröffentlicht; die Suche nach evtl. weiteren Links zu diesem Artikel führte mich zu einer umfassenderen Darstellung Fuel Subsidies Around the World", gleichfalls vom 4.6.08, in einem Blog namens "By The Fault" (kann ich mir nichts drunter vorstellen; aber jedenfalls ist der Artikel informativ und wichtig).
Blogs, die sich mehr oder weniger (soweit ich das auf den ersten Blick beurteilen kann) dem Thema "Ölfördermaximum" bw. Ressourcenverknappung widmen, sind z. B.
"Resource Insights" von Kurt Cobb. Kurziographie im Nutzerprofil: "Kurt Cobb is a freelance writer who speaks and writes frequently on energy and the environment. He is a columnist for the Paris-based science news site Scitizen -pronounced like 'citizen'- and his work has also been featured on Energy Bulletin, 321energy, Le Monde Diplomatique, EV World, The Wall Street Journal Online and many other sites. Kurt is a founding member of the Association for the Study of Peak Oil and Gas—USA "; über diesen informativen Artikel im 'Scitizen' kam ich zu seinem Blog. (Einleitungstext: "Energy researcher Charlie Hall's balloon graph challenges the notion that alternative energy sources will provide a smooth transition to a post-fossil fuel society. Scale and energy return remain huge obstacles.") Hier seine Artikelübersicht im Scitizen.
"Peak Energy" sammelt anscheinend einschlägige Nachrichten aus anderen Medien.
Von da kommt man dann auch zu einem "Energy Webring" der sich auch "Peak Oil Webring" nennt.

Nachtrag 20.07.2008
Für die USA hat der "National Petroleum Council" im Juli 2007 einen umfangreichen Bericht u. d. T. "Hardtruths. Facing the Hard Truths About Energy" erstellt. (Untertitel: "A comprehensive view to 2030 of global oil and natural gas." Einführung: "The American people are very concerned about energy—its availability, reliability, cost, and environmental impact. Energy also has become a subject of urgent policy discussions. But energy is a complex subject, touching every part of daily life and the overall economy, involving a wide variety of technologies, and deeply affecting many aspects of our foreign relations. The United States is the largest participant in the global energy system—the largest consumer, the second largest producer of coal and natural gas, and the largest importer and third largest producer of oil. Developing a framework for considering America’s oil and natural gas position now and for the future requires a broad view and a long-term perspective; both are provided in this study."). Ich fand ihn ursprünglich auf der Webseite des republikanischen US-Abgeordneten ("Representative") Roscoe Bartlett, der sich sehr stark in Energiefragen engagiert und auf seiner Webseite auch weitere einschlägige Texte oder Links anbietet.
Darunter ist auich ein Bericht ("Report to Congressional Requesters", also wohl auf Anforderung von Abgeordneten des US-Kongress erstellt) des "United States Government Accountability Office" ("GAO"; vergleichbar unserem Bundesrechnungshof?)mit der Überschrift "CRUDE OIL. Uncertainty about Future Oil Supply Makes It Important to Develop a Strategy for Addressing a Peak and Decline in Oil Production" vom Februar 2007.
Zumindest die Zusammenfassung der Studie ("Results in Brief") sollte überfliegen, wer noch immer nicht an den Ernst der Lage glaubt:
"Most studies estimate that oil production will peak sometime between now and 2040, although many of these projections cover a wide range of time, including two studies for which the range extends into the next century. The timing of the peak depends on multiple, uncertain factors that will influence how quickly the remaining oil is used, including the amount of oil still in the ground, how much of the remaining oil can be ultimately produced, and future oil demand. The amount of oil remaining in the ground is highly uncertain, in part because the Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) controls most of the estimated world oil reserves, but its estimates of reserves are not verified by independent auditors. In addition, many parts of the world have not yet been fully explored for oil. There is also great uncertainty about the amount of oil that will ultimately be produced, given the technological, cost, and environmental challenges. For example, some of the oil remaining in the ground can be accessed only by using complex and costly technologies that present greater environmental challenges than the technologies used for most of the oil produced to date. Other important sources of uncertainty about future oil production are potentially unfavorable political and investment conditions in countries where oil is located. For example, more than 60 percent of world oil reserves, on the basis of Oil and Gas Journal estimates, are in countries where relatively unstable political conditions could constrain oil exploration and production. Finally, future world demand for oil also is uncertain because it depends on economic growth and government policies throughout the world. For example, continued rapid economic growth in China and India could significantly increase world demand for oil, while environmental concerns, including oil’s contribution to global warming, may spur conservation or adoption of alternative fuels that would reduce future demand for oil.
Results in Brief
In the United States, alternative transportation technologies face challenges that could impede their ability to mitigate the consequences of a peak and decline in oil production, unless sufficient time and effort are brought to bear. For example:
• Ethanol from corn is more costly to produce than gasoline, in part because of the high cost of the corn feedstock. Even if ethanol were to become more cost-competitive with gasoline, it could not become widely available Page 4 GAO-07-283
Peak Oil Production
without costly investments in infrastructure, including pipelines, storage tanks, and filling stations.
• Advanced vehicle technologies that could increase mileage or use different fuels are generally more costly than conventional technologies and have not been widely adopted. For example, hybrid electric vehicles can cost from $2,000 to $3,500 more to purchase than comparable conventional vehicles and currently constitute about 1 percent of new vehicle registrations in the United States.
• Hydrogen fuel cell vehicles are significantly more costly than conventional vehicles to produce. Specifically, the hydrogen fuel cell stack needed to power a vehicle currently costs about $35,000 to produce, in comparison with a conventional gas engine, which costs $2,000 to $3,000.
Given these challenges, development and widespread adoption of alternative transportation technologies will take time and effort. Key alternative technologies currently supply the equivalent of only about 1 percent of U.S. consumption of petroleum products, and DOE projects that even under optimistic scenarios, by 2015 these technologies could displace only the equivalent of 4 percent of projected U.S. annual consumption. Under these circumstances, an imminent peak and sharp decline in oil production could have severe consequences, including a worldwide recession. If the peak comes later, however, these technologies have a greater potential to mitigate the consequences. DOE projects that these technologies could displace up to the equivalent of 34 percent of projected U.S. annual consumption of petroleum products in the 2025 through 2030 time frame, assuming the challenges the technologies face are overcome. The level of effort dedicated to overcoming challenges to alternative technologies will depend in part on the price of oil; without sustained high oil prices, efforts to develop and adopt alternatives may fall by the wayside.
Federal agency efforts that could reduce uncertainty about the timing of peak oil production or mitigate its consequences are spread across multiple agencies and generally are not focused explicitly on peak oil. For example, efforts that could be used to reduce uncertainty about the timing of a peak include USGS activities to estimate oil resources and DOE efforts to monitor current supply and demand conditions in global oil markets and to make future projections. Similarly, DOE, the Department of Transportation (DOT), and the U.S. Department of Agriculture (USDA) all have programs and activities that oversee or promote alternative transportation technologies that could mitigate the consequences of a peak. However, officials of key agencies we spoke with acknowledge that their efforts—with the exception of some studies—are not specifically designed to address peak oil. Federally sponsored studies we reviewed have expressed a growing concern over the potential for a peak and officials from key agencies have identified some options for addressing this issue. For example, DOE and USGS officials told us that developing better information about worldwide demand and supply and improving global estimates for nonconventional oil resources and oil in “frontier” regions that have yet to be fully explored could help prepare for a peak in oil production by reducing uncertainty about its timing. Agency officials also said that, in the event of an imminent peak, they could step up efforts to mitigate the consequences by, for example, further encouraging development and adoption of alternative fuels and advanced vehicle technologies. However, according to DOE, there is no formal strategy for coordinating and prioritizing federal efforts dealing with peak oil issues, either within DOE or between DOE and other key agencies.
While the consequences of a peak would be felt globally, the United States, as the largest consumer of oil and one of the nations most heavily dependent on oil for transportation, may be particularly vulnerable. Therefore, to better prepare the United States for a peak and decline in oil production, we are recommending that the Secretary of Energy take the lead, in coordination with other relevant federal agencies, to establish a peak oil strategy. Such a strategy should include efforts to reduce uncertainty about the timing of a peak in oil production and provide timely advice to Congress about cost-effective measures to mitigate the potential consequences of a peak. In commenting on a draft of the report, the Departments of Energy and the Interior generally agreed with the report and recommendations.
"

Weiterhin verlinkt Bartlett zu den beiden sog. "Hirsch-Reports":
"PEAKING OF WORLD OIL PRODUCTION: IMPACTS, MITIGATION, & RISK MANAGEMENT" vom Februar 2005 und
"Economic Impacts of U.S. Liquid Fuel. Mitigation Options" vom 08.07.2006.

Nachtrag 28.07.08
Dr. Michael E. Mills, Associate Professor Psychology Department, Loyola Marymount University, Los Angeles, hat ein Unmenge von Informationen und Grafiken zum Thema "Evolutionary psychology and peak oil: A Malthusian inspired "heads up" for humanity" zusammengestellt. Hier seine Einleitung:
"Overview.
I initially developed this webpage for my students, especially those in
my Ecological Psychology course. The goal was to provide a succinct
overview peak oil, and "heads up" about the social and personal challenges
we will need to confront in the near future.
This web page is divided into the following topics, which will be explored
in turn:
Ecological overshoot as a general problem in population biology. The possibility of avoiding a human Mathusian collapse via
a Kurzweillian "techno-fix"
Peak oil as a an example of human ecological overshoot.
Possible economic and social scenarios following peak oil.
Contributions by psychological science, and evolutionary
psychology in particular, that may help to mitigate these problems.
"

Nachtrag 30.07.2008:
Dipl.-Ing. Dietrich Beitzke hat auf seiner Webseite "Heizungsbetrieb" auf der Unterseite "ab 2005 - die letzte Ölkrise. Womit heizen wir in 20 Jahren?" eine umfangreiche kommentierte Linksammlung von z. T. auch deutschsprachigen Artikeln usw. zusammengestellt; dieses i. d. R. ältere Material ist für einen Rückblick sicher interessant. Hübsch auch das einleitende Zitat:
"Wir alle sollten uns um die Zukunft sorgen, denn wir werden den Rest unseres Lebens dort verbringen." Charles F. Kettering, amerik. Industrieller (1876-1958)


Nachtrag 28.11.2008:
Es gibt, im Stil der berühmten Wette über die Entwicklung der Rohstoffpreise zwischen Paul Ehrlich und Julian Simon (vgl. Wikipedia-Stichwort "Simon-Ehrlich wager"), mittlerweile auch eine Wette (aus dem Jahr 2005) über die Entwicklung des Ölpreises (im Jahr 2010). Die neue Wette heißt "Simmons-Tierney bet" und hat es ebenfalls zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht; man kann aber auch hier in der New York Times den Artikel von John Tierney über seine Wette mit dem 'Peakist' Matthew Simmons lesen.




Textstand vom 27.01.2011. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 1. Juni 2008

Steuern senken oder Staatsfinanzen konsolidieren? Deutsche Fiskalpolitik bei Prämisse einer raschen Ressourcenverknappung ("Peak Oil" usw.)

In Zeiten des nicht mehr allzu weit entfernten Wahlkampfes für die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag im Jahre 2009 kommen die Populisten aus ihren Löchern. Sie wollen, wie immer, Widersprüchliches: zahlreiche Wohltaten an unterschiedliche Gruppen auszuschütten planen bzw. verlangen die einen. Die anderen (nicht selten mit ersteren identisch) wollen uns ein wenig (ganz gewiss nicht alles!) von dem zurück geben, was sie uns vor wenigen Jahren abgenommen haben.

Samstag, 31. Mai 2008

Allgäu-Ideen

Ein Boy Scout war ich zwar nie, aber das Motto "be prepared" ist in vielerlei Lebenssituation nützlich. Bis zu meiner Verrentung dauert es noch ca. 2 1/2 Jahre, doch sind wir schon jetzt auf der Suche nach einer Gegend (in Deutschland), wo die Landschaft schön ist, aber die Mieten bezahlbar sind. Und wo ein brauchbares Bahnliniennetz uns die Möglichkeit gibt, bequem größere und kleinere Ausflüge zu unternehmen.

Unter diesen Prämissen haben wir jetzt das Allgäu ins Visier genommen. Bei meinen Surftouren auf verschiedenen Allgäu-Webseiten stieß ich u. a. auf die Seite "Allgäu Initiative", die anscheinend von einigen (meist wohl größeren) Unternehmen gesponsert wird.
Es scheint sich um feste Organisation zu handeln, in der Rechtsform einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR). In der Selbstbeschreibung stellt sie sich als "eine freiwillige Gemeinschaftsinitiative der Städte Buchloe, Füssen, Immenstadt, Kaufbeuren, Kempten, Lindau, Lindenberg, Marktoberdorf, Memmingen, Bad Wörishofen, Oberstdorf, Sonthofen,
der Landkreise
Lindau, Oberallgäu, Ostallgäu, Unterallgäu,
der Industrie- und Handelskammern für Augsburg, Schwaben, Lindau-Bodensee
" vor und die Handwerkskammer für Schwaben ist auch noch mit im Boot.

Es gibt einen Vorsitzenden und einen Geschäftsführer, aber sehr viel "Content" ist auf der Webseite nicht zu sehen; es scheint, als sei die Initiative (wie bei derartigen in ihrer Zielsetzung etwas unscharfen Unternehmungen nicht überraschend) nach der ersten Begeisterung wieder erlahmt.

Im Jahre 2006/2007 hatte man einen Ideenwettbewerb durchgeführt:
"Mitmachen - Gewinnen, die Zukunft gestalten.
Um kreative und innovative Ideen zur Stärkung der Region Allgäu zu finden und weiterzuentwickeln, veranstalten die Allgäu Initiative und die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) der vier Allgäuer Landkreise den Ideenwettbewerb „Neue Ideen für´s Allgäu“. Gesucht werden Projektideen aus allen Lebensbereichen, die das Miteinander im Allgäu fördern und die Zukunft der Region erfolgreich gestalten. Zu folgenden Wettbewerbskategorien können Projektideen eingereicht werden: Wirtschaft,
Kultur, Natur / Landwirtschaft, Soziales, Gesundheit, Freizeit und Tourismus.
Die besten eingereichten Ideen werden mit Geldpreisen in einer Gesamthöhe von € 25.000 ausgezeichnet. Des Weiteren erhalten die ausgezeichneten Projekte eine professionelle Betreuung und Unterstützung, um sie umsetzungsreif zu gestalten.
Alle Projektideen werden öffentlichkeitswirksam präsentiert und fließen als wertvolle Hinweise und Anregungen in die Aktivitäten der LAG mit ein. Die Sieger werden durch eine Jury ermittelt. Die Preisverleihung wird im Frühjahr 2007 stattfinden."


Wie zu erwarten, sind die meisten der prämierten Vorschläge konventionell und kosten Geld. Ein Vorschlag freilich hat es ob seiner Originalität verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden:

"Die Allgäuer Türklingel
Entwicklung einer elektronischen Türklingel, die sich durch Kuhglockengeläut und das Muhen von Kühen auszeichnet, wobei die Endmontage in einer Firma stattfinden soll, in der primär schwer vermittelbare Arbeitslose ab 40 eingestellt werden sollen. Sabine Hartmann und Monika Appelt, Ziegelweg 6, 87660 Irsee."

Tja meine Herren: auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen!

Auch diejenigen Vorschläge, die anderswo bereits realisierte Einrichtungen auch im Allgäu einführen möchten, müssen natürlich nicht schlecht sein.
Mir als Nicht-Autofahrer behagt ganz besonders die Idee, einen allgäuweiten Verkehrsverbund einzuführen:

"Verkehrsverbund Allgäu
Verknüpfung des Schienennahverkehrs mit dem Linienbusverkehr und Optimierung der Liniennetzführungen beim Busverkehr sowie Einführung eines allgäuweit geltenden Tickets, das eventuell in Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern verschiedentlich genutzt werden kann, was zur Anregung des Konsums und der Steigerung der Touristenzahlen führen soll. Rudolf Protzel, Espanweg 19, 86869 Oberostendorf."
[Hervorhebung von mir]


Nachtrag 13.07.10
Unseren Ruhestandswohnsitz haben wir nun - während eines Urlaubsaufenthalts im Mai in Oberstdorf - gefunden. Nicht in Oberstdorf natürlich; da könnten wir die Mieten wohl kaum bezahlen. Doch dafür in Schwangau, im, sozusagen, Kini-County im Kini-country.
Dadurch entgeht uns ein Herbsturlaub im Oktober, der bestimmt sehr schön geworden wäre, in Pfronten (im Ortsteil Ried). Sehr entgegenkommend hat das Vermieterehepaar der Ferienwohnung uns einen kostenlosen Rücktritt vom Vertrag gestattet.
In Pfronten hätte ich, abgesehen davon, dass es ein netter Ort (oder genauer: eine nette Gruppe von Orten, gewissermaßen: eine nette Ortsgruppe) ist, auch deshalb gern einmal Urlaub gemacht, weil dort unter dem Motto "Pfronten macht mobil" im kleinen Maßstab der o. a. Vorschlag von Rudolf Protzel realisiert wurde.
Zwischen Nesselwang im Westen und Schwangau im Osten, am Weißensee und am Hopfensee hat der Urlauber mit seiner Kurkarte freie Fahrt in den Bussen des ÖPNV (Einheimische können günstig eine Jahreskarte kaufen). Großes Lob für diese Initiative!




Textstand vom 13.07.2010. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Donnerstag, 29. Mai 2008

Heute im Google-Shop: "Auslösung" ist knapp, nehmen Sie doch 'n Pfund "Auflösung"!

Vor knapp 3 Jahren hatte ich mich in einem Suchmaschinenforum beschwert, dass die Google-Suchfunktion -im Gegensatz zu Yahoo- nicht "pluraltolerant" war:

"Vor einigen Tagen hatte ich das Wort "Flaschenbürstenbohrungen" (eine Methode der Erdölförderung) gelesen. Auf der Suche nach einer Definition (zur Verwendung in meinem Blog http://beltwild.blogspot.com/) gab ich den Begriff im Singular ein, also als "Flaschenbürstenbohrung".
Bei Google kein Treffer, bei MSN auch nicht. Nur Yahoo wies alle Stellen aus, wo sich der Begriff - jedoch im Plural - findet.
Frage: hat Yahoo allgemeine eine tolerante Suche (was natürlich auch zu vielen Treffern führen würde, mit denen man nichts anfangen kann), oder sucht es automatisch Pluralformen bei Eingabe des Singulars (und ggf. umgekehrt?) mit? Das wäre ein ungeheurer Vorteil im Vergleich zu Google. ...
"

Ein Forenteilnehmer hatte dort geantwortet: "Im Gegensatz zu google schafft yahoo zumindest ansatzweise das Zurückführen auf den Wortstamm, das sog. "stemming" (Bsp.:Flaschenbürstenbohrungen). Dies ist jedoch etwas anderes wie das Erkennen zusammengesetzter Wörter (Bsp.:rechtlegal)".

Die Google-Programmierer schienen sich meine Kritik zu Herzen genommen zu haben, denn mittlerweile findet Google bei der Singular-Suche auch die Pluralform, jedenfalls heute und in diesem konkreten Falle.
Ob jedoch durch "stemming" möchte ich fast bezweifeln; beinahe scheint es so, als habe diese SuMa anstelle der Pluraltoleranz eine Buchstabentoleranz eingeführt.

Denn für die Sucheingabe "auslösung mehrere arbeitsverhältnisse" bekam ich (in den von mir überflogenen wenigen der knapp 100.000 Ergebnissen) nichts als "Auflösungen" geliefert.
Auch die Eingabe über die "erweiterte Suche" bringt keine anderen Resultate.
Das ist ausgesprochen schlecht, denn wer "Auslösung" sucht, kann nichts mit "Auflösung" anfangen.

Google verdient gut in Deutschland; da wäre es schon angemessen, wenn die Burschen ihrem Programm auch mal ein wenig Deutsch beibringen würden! Es ist ja nichts dagegen einzuwenden (sondern im Gegenteil sehr zu loben), wenn uns bei einer geringen Trefferzahl z. B. für "Drohnenkäfig" (1 Treffer; fiel mir gerade so ein, ohne dass ich mir etwas darunter vorstellen könnte) die Suchmaschine zurückfragt: "Meinten Sie Dornenkönig?". Wenn ich auf diese Alternative klicke, bekomme ich 5.300 Treffer.

Aber dass die Suchmaschine uns in einer Form von wohlwollender Diktatur (benevolent dictatorship) einfach selbstherrlich einen völlig anderen Begriff (wenn auch nur mit einem einzigen ausgetauschten Buchstaben) vorgoogelt (um uns, wenn auch nicht in diesem Fall, mit möglichst viel Werbung zuzumüllen?), das ist schon dreist!

Yahoo und Live Search (Microsoft) machen solche Mätzchen nicht. Da möchte ich mir doch auch von Google etwas mehr Respekt ausbitten: vor der deutschen Sprache, vor allem aber vor den Wünschen der Benutzer! Die sind nämlich nur selten so blöd, dass sie "Auslösung" suchen, wenn sie "Auflösung" meinen!



Textstand vom 29.05.2008. Auf meiner Webseite
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Sonntag, 25. Mai 2008

Vom Tagebuch zum Weblog? Zur Ausstellung "Absolut privat!? Vom ..." im Museum für Kommunikation Frankfurt

Das kann ja wohl nicht sein: Im Wächtersbacher Vorort Frankfurt a. M. wird eine Ausstellung über die Blogs oder Weblogs oder über das Bloggen gezeigt - und ich hätte sie nicht gesehen? Da sei James Rizzi davor!

Rizzi kannte ich schon von der Straßenbahn. Genau so: nicht "aus" einer Bahn, sondern "von" dieser: in Heilbronn. (Hier kann man selbige selber sehen). Auch in Baden-Baden hatten wir was gesehen (Bilder? Poster?).
Fröhliche Kunst; kann man gebrauchen. Seine Werke gefallen mir mächtig; auch in seinem Freudenhaus (na, na, das war aber jetzt ein doofer Sprachwitz!) in Braunschweig (hier die Haus-Home-Seite) zu leben könnte mir durchaus gefallen (wobei letztlich beim Wohnen aber doch die 'inneren Werte' am meisten zählen: Schall- und Wärmedämmung z. B.).

Tut's doch auch!

"Hier, fühl mal!" sagte meine Frau und reicht mir 2 Päcken Servietten, Marke "kokett", von Aldi, beide mit der gleichen Produktnummer 22120960.

Die Herstellerin (Metsä Tissue GmbH, Euskirchen) hat sie auf der Packung genau beschrieben: 3-lagig sind sie, 33 x 33 cm groß und die Packung enthält 30 Stück.
Nicht deklariert ist, was die sensiblen Hausfrauenhand dennoch sofort erspürt: es gibt einen Gewichtsunterschied.

Die digitale Küchenwaage ("Tischwaage") bestätigt: das eine Päckchen wiegt 169 Gramm. Das andere 16 g = 9,5% weniger: 153 gr. (Preis, vermute ich mal, unverändert.)

Im Ergebnis also eine Preiserhöhung, doch so gestaltet, dass sie sich kaum in den offiziellen Statistik niederschlagen wird.
Die Inflation nimmt Anlauf, aber wahrscheinlich ohne dass unsere statistischen Messinstrumente deren wirklichen Umfang voll widerspiegeln.


Textstand vom 25.05.2008. Auf meiner Webseite
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Donnerstag, 22. Mai 2008

Werden wir in Deutschland nur von Idioten regiert - oder von Verbrechern?

 
Ein Öffentlichkeitsarbeiter bin ich nicht, man könnte mich aber als eine Art von öffentlichem Arbeiter bezeichnen. (Nicht nur) deshalb pflege ich im allgemeinen eine relativ disziplinierte Ausdrucksweise.
In der alltäglichen Konversation im vertrauten Umfeld kann man sich, selbst wenn man ganz unterschiedliche Vorstellungen damit verbindet, fast immer auf eines einigen: dass nämlich die Politiker "alles Verbrecher" sind. Dabei geht es meist um Diätenerhöhungen und Ähnliches ("Die machen sich nur die Taschen voll"); aber selbst wenn man die für ungerechtfertigt hält (was keineswegs durchgängig der Fall sein muss), ist die Etikettierung "Verbrecher" ziemlich starker Tobak und vor allem außer Verhältnis zu einer ggf. durch Diätenanstieg usw. verursachten Schädigung des Fiskus und unserer Interessen als Bürger. So ganz ernst gemeint ist das auch selten, und schriftlich würde sich niemand so äußern.

Mittwoch, 21. Mai 2008

613a BGB: Eine unbefriedigende Regelung eines Interessenausgleichs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern


 

Geht ein Betrieb (oder ein Betriebsteil) auf einen anderen Inhaber über, so tritt nach § 613a BGB der neue Inhaber in die Rechte und Pflichten aus denjenigen Arbeitsverhältnissen ein, die im Zeitpunkt des Übergangs bestanden haben. (Das Gesetz spricht von einem Übergang "durch Rechtsgeschäft", aber dieser scheinbar einschränkenden Bedingung kommt kaum praktische Bedeutung zu.)

Da man es bei einem Betriebsübergang mit den neuen Betrieben zu tun hat, also nicht mit den u. U. insolventen Firmen der "alten" Betriebsinhaber, geht der Gesetzgeber offenbar davon aus, dass die Arbeitnehmer eventuelle Lohnrückstände hier problemlos einziehen können. Trotzdem sind jedenfalls in Insolvenzfällen auch die Nachfolgebetriebe meist wohl finanziell eher schwachbrüstig und in aller Regel nicht in der Lage, die von der alten Fa. ‚geerbten' Arbeitsentgeltrückstände voll und/oder sofort zu begleichen.

Ich bezweifle (nicht nur für Insolvenzfälle), dass die Norm des § 613a BGB in ihrem derzeitigen Umfang den Interessenausgleich von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen in sinnvoller Weise justiert.

Die tragende Idee hinter der gesetzlichen Regelung dürfte die Überlegung gewesen sein, den Arbeitnehmern, die ja schließlich den Betrieb wesentlich mit aufgebaut haben, bestimmte im Ergebnis eigentumsähnliche Mit-Ansprüche auf den Betrieb einzuräumen. Deshalb sollte beim Verkauf eines Betriebes nicht nur der Alteigentümer einsacken, sondern den Arbeitnehmern sollten zumindest ihre ggf. rückständigen Arbeitsentgeltansprüche sicher sein. Außerdem sollte ihr Besitzstand dadurch gewahrt werden, dass der neue Arbeitgeber sie weiterbeschäftigten muss, und zwar (mindestens) zu den gleichen Konditionen wie der alte Arbeitgeber. (Als weiteres Ziel wird die Kontinuität der Betriebsvertretung angesehen.)

Die Regelung geht also in zeitlicher Hinsicht in 2 Richtungen: in die Vergangenheit, soweit Arbeitsentgeltansprüche (und evtl. Pensionsansprüche) ausstehen, und in jedem Falle in die Zukunft, indem sie den Arbeitnehmern ihre Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen garantiert.

Das beides gehört nicht zwingend zusammen und vor allem passt es auch in vielen Fällen nicht zusammen. Nach (nicht nur:) meiner Überzeugung ist es im Hinblick auf die Arbeitsplatzerhaltung kontraproduktiv, wenn man den neuen Arbeitgeber mit eventuellen Rückständen der alten Firma belastet. (Es gibt auch eine weiter gehende Kritik, bei der das Risiko einer Arbeitsplatzvernichtung hauptsächlich in der Fortgeltung bisheriger, im Marktvergleich evtl. ‚überhöhter' Löhne usw. gesehen wird, aber diese Fragestellung interessiert hier nicht. Anders als beim Wegfall der Haftung, für den die Arbeitnehmer auf andere Weise abgesichert sind, greifen solche Forderungen auch massiv in die Interessensphäre der Arbeitnehmer ein.)


 

Vor Einführung des Konkursausfallgeldes mag es sinnvoll gewesen sein, Betriebsübernehmer für Arbeitsentgeltrückstände haften zu lassen. Mit der Einführung des Konkursausfallgeldes (jetzt: Insolvenzgeld) sowie mit der Sicherung betrieblicher Pensionsansprüche (i. d. R. wohl nur für größere Betriebe relevant) hätte diese Form der Sicherung des Arbeitsentgelts eigentlich hinterfragt werden müssen; aus meiner Sicht ist sie seither überflüssig, u. U. sogar schädlich für die Arbeitnehmer (ggf. vermeidbarer Arbeitsplatzverlust) sowie eine funktionell fragwürdige Einschränkung der Eigentumsfreiheit gegenüber den (neuen) Arbeitgebern.

Unter den veränderten Umständen Mitte der 70er Jahre –Einführung des Konkursausfall- bzw. Insolvenzgeldes und der Pensionssicherung- hätte sich der Gesetzgeber m. E. damit begnügen können und sollen, bei einem Betriebsübergang dem neuen Arbeitgeber die Beschäftigten aufzudrücken. Die Entgeltrückstände und Pensionsansprüchen der Arbeitnehmer sind jetzt in einem vernünftigen Umfang gesichert. Zumindest in Insolvenzfällen dürfte der Wert des alten Betriebes selten so groß zu sein als dass es gerechtfertigt wäre, einen Betriebsnachfolger außerdem noch für die rückständigen Arbeitsentgeltansprüche der Arbeitnehmer haften zu lassen. Und in den anderen Fällen müssten ja die Löhne und Gehälter vom bisherigen Arbeitgeber gezahlt worden bzw. notfalls durch Zwangsvollstreckung einziehbar sein.


 

Bei einer bestimmten Fallgestaltung hat die Rechtsprechung die Ent-Haftung des Betriebsübernehmers im Ergebnis (wenn auch nicht in der juristischen Begründung) tatsächlich auch schon vorgenommen.

Das Bundesarbeitsgericht hatte nämlich bereits mit Urteil vom 17.01.1980 (Az. 3 AZR 160/79; hier eine Version ohne die Randnummern in der Juris-Datenbank) entschieden, dass ein Betriebsübernehmer nicht für rückständige Ansprüche aus der Zeit bis zur Insolvenzeröffnung haftet. Diese Entscheidung hat das BAG allerdings nicht mit dem Interesse der Arbeitnehmer (und der Gemeinschaft) am Arbeitsplatzerhalt begründet und auch nicht mit Billigkeitserwägungen (fehlende Werthaltigkeit der übernommenen Unternehmen). Vielmehr hielt es eine "teleologische Reduktion" (also eine einschränkende Auslegung der Norm aufgrund ihrer –von der Rechtsprechung unterstellten- Zielsetzung) für geboten, um logische Widersprüche zur (damaligen) Konkursordnung zu vermeiden (Rd.Nr. 30 bzw. II.3.c). [Interessant für die vorliegenden Überlegungen sind in diesem Urteil auch die Ausführungen Rd.Nr. 22 ff. zur Entstehungsgeschichte des § 613a BGB und zu den Motiven des Gesetzgebers.]


 

Während die ratio legis des § 613a BGB im Bereich des Arbeitsplatzschutzes und des Fortbestandes des Betriebsrats auch und gerade im eröffneten Konkursverfahren (und jetzt entsprechend im Insolvenzverfahren) eingreift, sieht das BAG die Arbeitnehmer gegenüber den anderen Konkurs-(jetzt: Insolvenz-)gläubigern unangemessen bevorzugt, und die anderen Gläubiger aufgrund der dann zu erwartenden Wertminderung des Betriebes unangemessen benachteiligt, wenn man auch die haftungsrechtlichen Folgen dieser Regelung bei einem Betriebsübergang im Konkursverfahren zulassen würde (Rd.Nr. 31).


 

Aus Rd.Nr. 34ff. wird allerdings deutlich, dass die Absicherung der Arbeitnehmer durch den Pensionssicherungsverein und das Insolvenzgeld eine notwendige Voraussetzung für dieses Urteil bildet.

Hier untersucht das BAG, ob seine einschränkende Auslegung in das System des gesetzlichen Insolvenzschutzes der betrieblichen Altersversorgung passt und bejaht dies. Anders gesagt: Nur vor dem Hintergrund, dass die Arbeitnehmer durch den PSV geschützt sind, erscheint dem BAG seine den Gesetzeswortlaut einschränkende Auslegung vertretbar. Gäbe es nicht die Insolvenzsicherung von betrieblichen Pensionsansprüchen und das Insolvenzgeld für Arbeitnehmer, hätte das BAG die Betriebsübernehmer nicht aus ihrer Haftung für rückständige Ansprüche aus der Zeit vor der Insolvenzeröffnung entlassen.

Im Rahmen seiner Begründungssystematik folgerichtig lässt das Gericht den Betriebsübernehmer dann auch nicht erst mit der Betriebsübernahme, sondern bereits in dem Moment wieder in die Haftung eintreten, wo der Insolvenzschutz der Arbeitnehmer endet, nämlich mit der Insolvenzeröffnung (Rd.Nr. 38: "Für den nach der Konkurseröffnung erdienten und nicht vom Insolvenzschutz erfassten Teil der Betriebsrente findet ein anderer Schuldnerwechsel statt: nach § 613a BGB muss der Erwerber eines Betriebes in alle Verpflichtungen des Veräußerers eintreten. Das gilt auch für die zur Zeit der Betriebsveräußerung noch bestehenden Versorgungsanwartschaften.").

Indem es für die Zeit vor Insolvenzeröffnung auf den Anspruchsübergang (auf den es eigentlich nicht ankommt) der Versorgungsansprüche vom ANer auf den PSV abstellt und hier davon spricht, dass ein "anderer Schuldnerwechsel" stattfindet, verdeckt das BAG etwas die für seine einschränkende Gesetzesauslegung unabdingbare Voraussetzung der Absicherung der ANer im Insolvenzfall durch den PSV und das Kaug/Insg.


 

Die "Übersicherung" der Arbeitnehmer war kein tragender Grund für dieses Urteil, denn auch bei einer Insolvenzabweisung mangels Masse sind sie durch die Haftung des Betriebsübernehmers und des PSV / Insolvenzgeldes doppelt abgesichert; für diese Fälle gilt die BAG-Rechtsprechung aber nicht.


 

Lediglich der Umstand, dass eine solche Übersicherung in einem eröffneten Insolvenzverfahren die anderen Konkurs- bzw. Insolvenzgläubiger benachteiligt, war eine (weitere) notwendige Voraussetzung für das Urteil. Denn erst die Tatsache, dass ein Konflikt mit dem Haftungsrecht der Konkurs- bzw. Insolvenzordnung vorlag, und das dieser letztlich zu einer Benachteiligung der anderen Gläubiger führen konnte (durch die Wertminderung eines nach § 613a BGB belasteten Betriebes bei Verkauf durch den Konkurs- bzw. Insolvenzverwalter), erlaubte es dem BAG, hier eine Entscheidung gegen den klaren Wortlaut der Vorschrift zu treffen um einen Normenkonflikt zu lösen.

Dies wird z. B. auch in der Begründung zu dem Urteil 9 AZR 645/03 vom 19.10.2004 (derzeit, also im Jahre 2008, noch auf der Webseite des BAG eingestellt) aus Rd.Nr. 15 deutlich: "Auch unter der Insolvenzordnung gilt - wie schon vorher unter der Konkursordnung - der Eintritt der Haftung des Betriebserwerbers für rückständige Forderungen (§ 613a Abs. 1 Satz 1 BGB), nur eingeschränkt. Soweit die besonderen Verteilungsgrundsätze des Insolvenzrechts eingreifen, gehen diese als Spezialregelung vor. Damit wird sichergestellt, dass alle Gläubiger gleichmäßig befriedigt werden." Der Folgesatz "Außerdem werden Betriebsübernahmen in der Insolvenz erleichtert" hat lediglich deklaratorischen Charakter, eine logische Funktion innerhalb der Begründungssystematik kommt ihm allenfalls indirekt zu (wenn man an die Wertminderung eines haftungsbelasteten Betriebes denkt).

Dogmatisch sind dagegen die unmittelbar anschließenden Ausführungen bedeutsam:

"Besondere Verteilungsgrundsätze bestehen nur hinsichtlich der Forderungen, die ein Gläubiger als Insolvenzgläubiger geltend zu machen hat (§§ 38, 174 ff. InsO). Dagegen sind Forderungen, die sich als Masseverbindlichkeiten gegen die Insolvenzmasse richten, aus dieser ohne irgendwelche Beschränkungen vorweg zu berichtigen (§ 53 InsO). Die insolvenzrechtliche Beschränkung des Eintritts der Haftung nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ergreift deshalb lediglich Insolvenz-, nicht jedoch Masseforderungen (dazu Senat 18. November 2003 – 9 AZR 95/03- .....usw.)."

Es wäre als bloße Rechtsauslegung nicht mehr zu rechtfertigen gewesen, wenn das BAG seine Entscheidung etwa mit allgemeinen wirtschaftspolitischen Erwägungen begründet hätte. Das zu beurteilen, ist Sache des Gesetzgebers [s. a. Anm. (1) am Textende].


 

Abgesehen davon, dass es dazu im konkreten Fall keine Veranlassung hatte, durfte das BAG also die Betriebsübernehmer bei anderen Arten von Insolvenzereignissen (also bei Abweisung mangels Masse bzw. Betriebseinstellung mit Masseunzulänglichkeit) auch gar nicht von ihrer rückwirkenden Haftung freistellen, wenn es nicht die der Rechtsprechung gesetzten Grenzen überschreiten wollte.


 

Das BAG-Urteil führt jedoch im Vergleich zu den anderen Insolvenzarten zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Privilegierung von Betriebsübernahmen bei (nach) Insolvenzeröffnungen. Eine Korrektur steht nur dem Gesetzgeber zu; allerdings gibt es keinen vernünftigen Grund, diese auf Insolvenzfälle zu beschränken.

Denn entweder hat der alte Arbeitgeber die Entgelte bis zum Betriebsübergang bereits gezahlt oder ist jedenfalls zahlungsfähig und kann von den Beschäftigten erfolgreich in Anspruch genommen werden. Dann ist eine Mithaftung des Betriebsübernehmers überflüssig.

Oder der alte Arbeitgeber ist pleite: dann sind die Betriebsrenten der Arbeitnehmer über den Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) und Lohnrückstände bzw. Gehaltsrückstände (bis zu 3 Monate lang) durch das Insolvenzgeld gesichert.


 

Für die Zeit zwischen einem Insolvenzereignis und einem späteren Betriebsübergang würde allerdings der Schutz des Arbeitnehmers wegfallen, wenn der Gesetzgeber den Betriebsübernehmer ganz aus der Haftung für rückständige Ansprüche entlassen würde. Dies erscheint mir jedoch vertretbar; tatsächlich nimmt auch das BAG, wie die o. a. Entscheidung 9 AZR 645/03 vom 19.10.2004 zeigt, im Einzelfall um der systematischen Folgerichtigkeit willen durchaus massive Nachteile für Arbeitnehmer in Kauf (hier: keine Haftung des Betriebsübernehmers für Ansprüche aus Altersteilzeit in der Freistellungsphase).


 

Ob im Bereich der Pensionsansprüche Sonderregelungen erforderlich wären, um die Ansprüche der Arbeitnehmer zu sichern, kann ich nicht beurteilen.

Auf jeden Fall ist eine Begrenzung der Haftungsbeschränkung von Betriebsübernehmern auf Übernahmen in eröffneten Verfahren sowohl wirtschaftlich (Sicherung von Arbeitsplätzen) wie auch rechtlich (Gleichbehandlung) unbefriedigend.


 

Missbräuche in der Weise, dass Firmen Betriebe mit der Absicht verkaufen, das Geld zu kassieren und anschließend pleite zu machen, dürften auf Einzelfälle beschränkt bleiben. Ohnehin könnte ein Missbrauch ja nur darin liegen, dass die Einnahmen aus einem Betriebsverkauf nicht in die Insolvenzmasse fließen, sondern wieder aus der Firma herausgezogen werden. Das ist aber keine Problematik, die sich auf Betriebsübergänge beschränkt; in gleicher Weise können Betriebseinrichtungen und offene Forderungen der Insolvenzmasse entfremdet werden.


 

Tatsächlich geschieht das auch bei manchen (oder vielen, aber sicherlich nicht allen) "Firmenbestattungen". Da das Problem allgemeiner Natur ist, müssten mögliche Gegenmaßnahmen des Gesetzgebers einen allgemeinen Charakter haben; es wäre verfehlt, hier bei den Betriebsübergängen ansetzen zu wollen.


 

Die Anfechtungsrechte nach der InsO bieten insoweit m. E. einen ausreichenden Schutz, der aber natürlich nur bei eröffneten Insolvenzverfahren auch praktisch wirksam wird. Für alle anderen Fälle wäre zumindest theoretisch eine persönliche Haftung des Geschäftsführers für eine unterbliebene bzw. grob unvollständige Buchhaltung, etwa in Form einer Beweislastumkehr, denkbar. Als Korrelat der haftungsrechtlich privilegierten Stellung von Kapitalgesellschaften gegenüber Einzelfirmen und Personengesellschaften erscheint das sachlich auch gerechtfertigt.

Ein praktisches Problem könnte allerdings darin liegen, dass wegen der Konkurrenz unterschiedlicher europäischer Formen von Kapitalgesellschaften diejenigen mit dem geringeren Risiko einer persönlichen Inanspruchnahme der Handelnden die anderen wahrscheinlich verdrängen würden (gewissermaßen eine Art Greshamsches Gesetz des Gesellschaftsrechts innerhalb der Europäischen Union).


 

Zusammenfassend können wir jedenfalls feststellen, dass vieles dafür und so gut wie nichts dagegen spricht, den Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei Betriebsübergängen in der Weise neu zu justieren, dass er nur noch die Weitergeltung (mindestens) der alten Verhältnisse bei einem neuen Arbeitgeber regelt, diesem aber keine Haftung für frühere Verbindlichkeiten aufbürdet.


 

Gesetzestechnisch wäre das wahrscheinlich sehr einfach durch den Einschub von 3 Worten zu erledigen:

"Geht ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen anderen Inhaber über, so tritt dieser AB DIESEM ZEITPUNKT in die Rechte und Pflichten aus den im Zeitpunkt des Übergangs bestehenden Arbeitsverhältnissen ein."


 

Anmerkung (1)

Diese Grenze hatte das BAG in einer Entscheidung vom 3. Juli 1980, Az. 3 AZR 751/79 allerdings bereits überschritten. In seinem Urteil vom 20.11.1984, Az. 3 AZR 584/83, hat es offenbar erkannt, dass es damit die einer Gesetzesauslegung gesetzten Grenzen überschritten hatte und sich deshalb korrigiert (Rd.Nr. 22 + 23):


 

"22. In einem späteren Urteil vom 3. Juli 1980 (BAG 34, 38 = AP Nr. 22 zu § 613 a BGB) hat der Senat die insolvenzrechtliche Ausnahme von § 613 a BGB wesentlich erweitert. Nach dieser Rechtsprechung soll der PSV auch dann eintreten müssen, wenn vor der Betriebsveräußerung die Konkurseröffnung über das Vermögen des Veräußerers mangels Masse abgelehnt wurde. Bei der Veräußerung notleidender Betriebe sei abzuwägen zwischen dem Insolvenzschutz der Anwartschaftsberechtigten und dem wirtschaftlichen Interesse, notleidende Betriebe mit anderen Trägern fortzuführen und damit Arbeitsplätze zu erhalten. Bei einer solchen Interessenabwägung sei ein Fall der Masselosigkeit nicht anders zu beurteilen als ein Fall der Konkurseröffnung. An dieser Auffassung hält der Senat nicht fest. Liquidationen außerhalb des Konkursverfahrens können nicht zu einer Einschränkung der Haftung nach § 613 a BGB führen.

23. Die tragende Überlegung für die einschränkende Interpretation des § 613 a BGB ist nicht die Gewährleistung eines angemessenen Insolvenzschutzes der versorgungsberechtigten Arbeitnehmer. Für diese ist die Haftung des Betriebserwerbers nicht ungünstiger als die Einstandspflicht des PSV. Deshalb kann auch eine interessenorientierte Betrachtung hier nicht ansetzen. Vielmehr beruht die Grundsatzentscheidung vom 17. Januar 1980 (aaO) auf einer konkursrechtlichen Überlegung. Der Grundsatz der gleichmäßigen Gläubigerbefriedigung wäre in einem vom Gesetzgeber nicht gewollten Maße durchbrochen, wenn langjährige Versorgungsbesitzstände bei der Betriebsveräußerung im Rahmen der Kaufpreisberechnung realisiert werden müßten. Aber außerhalb eines Konkursverfahrens gilt der Grundsatz der gleichmäßigen Gläubigerbefriedigung nicht. Deshalb läßt sich hier eine Einschränkung des § 613 a BGB nicht begründen (ebenso Willemsen in Anm. zu AP Nr. 22 zu § 613 a BGB)."


 


Nachtrag 30.05.2008:
Informationen zur gesetzlichen Regelung der Arbeitnehmerrechte in Großbritannien gibt's beim "BERR": "Employment rights on the transfer of an undertaking: a guide to the 2006 TUPE regulations for employees, employers and representatives" vom März 2007.
Das BERR ist das "Department for Business Enterprise & Regulatory Reform" und ein "TUPE" entspricht dem, was wir in Kurzform als "(Betriebsübergang nach) Paragraph 613a BGB" bezeichnen: "Transfer of Undertakings (Protection of Employment)", Regulations 2006. Mehr dazu auch hier in der englischsprachigen Wikipedia. Im übrigen ist aber die o. a. Broschüre des "BERR" selbst für Laien wie mich vorzüglich lesbar. So bringt man das Recht verständlich unter das Volk - da könnte sich die eine oder andere von unseren staatlichen Institutionen 'ne Scheibe von abschneiden!
Die Gewerkschaften sind aber mit den Regelungen anscheinend noch nicht ganz zufrieden; hier ein Forschungspapier des britischen Unterhauses zu einer kürzlich von einem Abgeordneten vorgeschlagenen Neufassung des Gesetzes.



Zusammenhangsferner Nachtrag vom 25.07.2010
Auf welche Weise ich von der Suche nach dem "islamischen Ornament" zur Webseite eines gewissen Klaus Heitmann kam, weiß ich nicht mehr.
Gewiss aber ist, dass er unter dem Titel "Eine Pizza für die Wahrheit" eine heitere Betrachtung (ich sag's mal ziemlich unscharf, für eine genauere Zuordnung - wie leider auch für ein umfassendes Studium seiner anscheinend außerordentlich interessanten Webseite - fehlt mir die Zeit): "Der Jurisprudenz" produziert hat.



 

Textstand vom 25.07.2010. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 11. Mai 2008

Sprachpanscher

Zugegeben: Im Gegensatz zu anderen Mitbürgern agiere ich selbst weder hier noch dort als Aktivist für die Reinhaltung der Deutschen Sprache.


Was mich aber nicht hindern soll, an dieser Sprachenpickerei der Marke Mövenpick herumzupicken, weil das selbst mir über die Hutschnur geht:
Was bitte ist eine "Süßgebäckrange"?
Vielleicht eine Gebirgskette im Gehirn von sprachpanschenden Marketing-Managern? Müssten dann aber wohl Kalkfelsen sein.
Da kann der Konsument (ok: Verbraucher!) nur hoffen, dass deren Lebensmittel nicht ebenso gepanscht sind wie deren Werbesprüche.

Ich jedenfalls meine: "Süßgebäcksortiment" tät's auch tun, gelle? Aber offenbart führt die Firma Mövenpick den Begriff "Sortiment" nicht im Sortiment.

Textstand vom 21.05.2008

Sonntag, 4. Mai 2008

Bad Reichenhall: Das geplante Hallenbad, Sportbad oder Familienbad wird kein Spaßbad – für den Steuerzahler


Vorbemerkung: Hervorhebungen innerhalb der Texte stammen jeweils von mir


ALLGEMEINE INFOS ZU HALLENBÄDERN IN DER GEGEND
             

Das Schwimmbad stirbt, das Erlebnisbad boomt        RP1   
Rupertigau-Nachrichten; Katrin Detzel 14.12.2005
Der Artikel berichtet über die Situation Hallenbäder in kleinen Gemeinden der Gegend zwischen Chiemsee und Berchtesgaden. Auszug:
"Sie sind marode und ein riesiger Defizitbetrieb: die klassischen Schwimmbäder. Den Gemeinden bleibt oft nur die Schließung. Im Oktober 2002 war es in Rimsting soweit, seit Februar gibt es in Aschau kein Bad mehr, Unterwössen steht auf der Kippe. Schade für Einheimische, Touristen, vor allem aber den Schul-Schwimmunterricht. Der Gegentrend: Erlebnis- und Wellnessbäder boomen. Prienavera in Prien, Badepark Inzell, Chiemgau-Therme in Bad Endorf, Vita Alpina in Ruhpolding, Rupertustherme in Bad Reichenhall - alle in den vergangenen Jahren eröffnet oder großzügig erweitert. Ein Bad ohne Defizit gibt es nicht." … die Reit im Winkler brauchen nicht um ihr Bad bangen: «Bei dem Image als Wintersportort setzt der Gast ein Hallenbad voraus», so Bürgermeister Fritz Schmuck. Reit im Winkl könne es sich nicht leisten, sich das Bad nicht zu leisten. … Mehr Attraktivität und Energie sparen sind die Schlagworte für die Zukunft. …Der Inzeller Bürgermeister Martin Hobmaier nennt eine solche Einrichtung ein «unbedingtes Muss» für einen großen Tourismusort."
Diese Darstellung (das geschilderte "Hallenbadsterben" kennt man ja ohnehin aus zahllosen Gemeinden) wird man im Auge behalten müssen, wenn man die Alternative "Hallenbad – Spaßbad" für Bad Reichenhall beurteilen will.      
 

Freitag, 2. Mai 2008

DIE BULAU oder THE HANAU EVERGLADES

Die Baulau hatte ich bereits in meinem Blott "Die Schlüsselblumen als Schlüssel zur Heimatkenntnis" beschrieben. Hier nun einige Fotos von diesem wilden Sumpfland mitten in Deutschland. Entstanden sind die Bilder auf verschiedenen Expeditionen in die Kinzig-Sümpfe zwischen Nieder-Rodenbach - Erlensee (Rückingen) und Hanau im Frühjahr 2007 und 2008:

Die Magie der Dinge. Fotografien anlässlich einer Ausstellung von Stilleben-Malerei im Städel-Museum in Frankfurt

Am Tag der Arbeit wollten auch wir etwas schaffen. Folglich haben wir eine Kunstausstellung besucht:
"Die Magie der Dinge. Stilllebenmalerei 1500–1800".













Montag, 28. April 2008

Zwei (schöne) Thermalbäder (Watzmann-Therme in Berchtesgaden, Rupertus-Therme in Bad Reichenhall). Und ein Säurebad für Steuergelder.


Über unseren Urlaub in Bad Reichenhall hatte ich bereits im vorangegangenen Bild-Blott berichtet ("I'm dreaming of a white - Ostern"). Um die Urlaubs-Trilogie komplett zu machen (vgl. auch "Ein Steinbruch der Unsterblichkeit"), lasse ich hier einen längeren Text folgen.
Zum einen bereichert er meine imaginäre Sammlung von Thermalbädern der Welt um die Watzmann Therme in Berchtesgaden.
Zum anderen und vor allem präsentiere ich eine Art "Fallstudie" (anhand eines in Bad Reichenhall geplantes Hallenbadbau) zum Thema Großmannssucht von Politikern und Bürgern und zu grundsätzlichen Problemen bei (und mit) basisdemokratischen Entscheidungen.

Sonntag, 27. April 2008

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main ist ein Kunstmuseum für Werktätige


Das ist freilich nicht dasselbe wie ein Kunstmuseum für die Werktätigen.
Denn man kann nicht behaupten, dass die werktätigen Massen im MMK Schlange stehen, um z. B. die aktuelle Ausstellung mit Werken von Bernard Buffet zu sehen. (Obwohl der Eintritt jeweils am 4. Samstag des Monats, also auch bei unserem Besuch, gratis ist.)
Aber dieser Kunsttempel schließt seine Pforten samstags schon um 17.00 Uhr, und das ist gut für die Werktätigen.
Wenigstens für diejenigen Arbeitnehmer, die dort beschäftigt sind.

Geht man vom Museum die Hasengasse hinauf, kommt man zur Frankfurter Stadtbücherei (im ehemaligen Gebäude der Stadtsparkasse bzw. später Frankfurter Sparkasse von 1822).
Das ist eine Bibliothek für Werktätige: die schließt samstags bereits um 16.00 h.

Es ist also reine Verleumdung, wenn die Marxisten immmer behaupten, dass sich der Kapitalismus nicht um die Bedürfnisse des Proletariats kümmert.
Zumindest die Stadtverwaltung ist (nicht nur in Frankfurt) eine fürsorgliche Arbeitgeberin.


Textstand vom 16.06.2023

Freitag, 25. April 2008

"E-Government" oder "Ihhhh, government!" ? Eine Frage zum Verzeichnis der für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge

Manchmal macht der Staat privates Vertragsrecht quasi zum Gesetz. So etwa, wenn er Tarifverträge, die zwischen Gewerkschaften einerseits und Arbeitgeberverbänden andererseits ausgehandelt wurden, für allgemeinverbindlich erklärt. Jeder Arbeitgeber muss sich dann an diese Regelungen halten und seinen Arbeitnehmer mindestens nach den tarifvertraglichen Konditionen vergüten. 

Samstag, 19. April 2008

Geschichte um 1500: Eine höchst kuriöse Webseite aus Wien. Nebst einigen zusammenhanglosen Bemerkungen über die Insel Elba

Das allerkurioseste an "pastperfect" ist sein hartnäckiges Sträuben gegen meine Bemühungen, es für meine Favoriten (Lesezeichen) einzufangen.

Auch sonst ist die Seite irgendwie unheimlich: Schwalbe eines medialen Hochsommers unserer Zivilisation? Man hat das Gefühl, sich in einer Endlosschleife verfangen zu haben. Aber als historisch Interessierter wird man dort ebenso amüsante Stunden verleben wie andere im Virtual Life.

Irgendwie geht es hier um nicht-lineare Texte (ja, ja, mit Nichtlinearität kenne ich mich aus: wann immer ich einen linearen Gedanken zu fassen versuche, verzweigt er sich in unendlichen Kapillarröhren.)

Ich sage wohl besser nicht allzu viel über die perfekte Vergangenheit oder die hyper-perfekte Darstellung vergangener Lebenswelten in den Texten von "pastperfect". Sonst könnte es auffallen, dass ich nichts davon verstanden habe.

Tummeln Sie sich einfach selbst auf diesen Seiten, ggf. auch über die Suchfunktion auf der Webseite der Universität Wien; vielleicht werden Sie ja schneller schlau aus diesem Spinnennetz historischer Wissensbeuten aus der Welt der Großen und der Kleinen, von Luther und Pietro Aretino, von Buchdruck und Pornographie, von der barocken Befestigung der Stadt Wien und vom "Eigensinn und Eigenwillen der kleinen Leute" um 1500.

Freitag, 18. April 2008

Das Possessivpronomen ist ein besitzanzeigendes Fürwort

Mit diesem Plakat wirbt die Kindernothilfe um Spenden für Kinder in der Dritten Welt.
Der Text lautet:
"Friedensstifter. Sie für Ihr Patenkind. Ihr Patenkind für seine Welt. Eine Patenschaft bewegt. Werden Sie Pate."

Möglich, dass dieser Slogan mir eine andere Botschaft verkündet als diejenige, welche die Texter rüberbringen wollten.

















Textstand vom 18.04.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (Blotts).
Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

Sonntag, 13. April 2008

I'm dreaming of a white - Ostern. Ein Urlaub der kleinen Katastrophen in Bad Reichenhall


Überraschend kam er, zum ersten Male bereits am Karfreitag im Spessart hinter Aschaffenburg: der Schnee. Und blieb über Ostern hinaus in Bad Reichenhall bei uns.

Unser Urlaub war kurz aber stilvoll. Wenn ich schon 24,- € für 2 Personen in einer Ferienwohnung hinblättere :-),
will ich zumindest in einer pompösen Gründerzeitvilla residieren.

Die Eckwohnung im Erdgeschoss haben wir übrigens für Sie übrig gelassen: die können Sie kaufen. Wir haben uns für ein Appartement auf der Rückseite entschieden. Dort haben die Entkerner und Sanierer zwar ein Stockwerk mehr reingequetscht, aber das spart schließlich auch Heizkosten: wer kann es sich denn heute noch leisten, die Raumhöhen der Gründerzeithäuser zu beheizen?

Sonntag, 6. April 2008

Ein Steinbruch der Unsterblichkeit


Es erscheint mir als passender Zufall, dass dieser Eintrag an meine "Mathematik-Mauer" anschließt. Denn wenigstens in luziden Momenten muss ich mir eingestehen, dass mir die Literatur (wie auch die sonstige Kunst) nicht weniger unzugänglich ist als die Mathematik.
Wahrscheinlich kann ich nicht richtig lesen. Legastheniker bin ich jedoch nicht, und den Roman "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera hatte ich in drei (Urlaubs-)Tagen durch. Schon die Handlung, soweit eine solche vorliegt (über weite Strecken beschäftigt sich Kundera in einer Art Parallelhandlung mit der Beziehung zwischen Bettina von Arnim und Johann Wolfgang von Goethe), habe ich nur halbwegs verstanden. Aber die Struktur und den Sinn (die französische Wikipedia versucht eine Mikro-Interpretation) fast gar nicht. Sonderlich spannend ist das Buch auch nicht, sondern stark – für meinen Geschmack zu stark – mit philosophischen Gedanken des Autors befrachtet, die für mich größtenteils entweder unverständlich sind oder mir irrelevant erscheinen. Was die philosophische Dimension angeht, vermute ich in Kundera einen Moralisten (was ich mir halt unter diesem Begriff vorstelle): "Mensch, werde wesentlich", scheint er uns zuzurufen. Ein solcher Satz (ausformuliert oder lediglich als Charakterisierung einer Position gedacht), erscheint mir indes als Symptom einer saturierten Kultur. Da ich befürchte, dass unsere Zivilisation vor einem Bruch steht und wir gezwungener Maßen samt und sonders schon in Bälde wieder "lean und hungry" sein werden, halte ich solche Appelle nicht für sonderlich zukunftweisend. Und deshalb fördern Kunderas abstrakte Exkurse großenteils auch nicht meine Lesefreude.

Donnerstag, 3. April 2008

Just like a rubber ball … pralle ich von der Mauer der Mathematik zurück


Also schleiche ich mich mal von hinten an: über die Geschichte. Die Geschichte der Null. Auch zu der kam ich über Umwege: Überlegungen und Lektüre von Internet-Texten (Wikipedia, auch mal ein paar Blicke in die Scholarpedia riskiert, usw.), zunächst zum Thema "Bewusstsein" (dieses Mal ausgehend von Thomas Nagels "What is it like to be a bat", der mir freilich zu sehr aus der Homunkulus-Perspektive gedacht ist; sehr viel interessanter und informativer ist da z. B. das Scholarpedia-Stichwort "Neural correlates of consciousness"), dann zum Themenkomplex "Emergenz" (eng. "emergence"), "Paradigmenwechsel" (eng. "paradigm shift"), "Komplexität" (hier zum englischsprachigen Wikipedia-Eintrag; der deutschsprachige ist derzeit -3.4.08- allzu dünn) (immerhin teilweise verständlich sind auch für einen Laien wie mich die einschlägigen Scholarpedia-Artikel "Complexity" und "Complex systems").
Irgendwie kam ich auf diesem Wege zur "Null", die ja für uns als selbstverständliches Element unserer täglichen Berechnungen eigentlich nichts Besonderes ist. Und doch musste ich bald feststellen, dass ihre Erfindung und Durchsetzung einen riesigen Schritt in der Menschheitsgeschichte darstellte: als geistige (Abstraktions-)Leistung ebenso wie in den Auswirkungen auf die Erleichterung und Beschleunigung des Rechnens, nämlich indem für die Darstellung von Zahlen die Null "erfunden" und das Dezimalsystem eingeführt wurde.

Sonntag, 16. März 2008

Home Office 2007 mit allen Schikanen ….

… jedenfalls mit der Möglichkeit, Blog-Einträge nunmehr direkt aus dem Word-Programm heraus zu machen. Toll!

     

     

     

     

    
 

Da wollen wir doch auch mal testen, ob ich jetzt endlich Tabellen einfügen kann.

    
 

Und Nummerierungen:



    
 




Und die Schriftart vergrößern? Und Worte durchstreichen?

    
 

Am Ende sogar noch Texte
einfärben?    Oder gleich einen ganzen Farbkübel drüberschütten?

Und in der Mitte positionieren?

Oder lieber am rechten Rand?

Sogar die Rechtschreibung prüft mir das Programm!

    
 

Endlich klappt es auch mit dem Unterstreichen!

    
 

Weblinks einfügen geht natürlich auch. Und die sind blau und unterstrichen? Ob auch im Blott? [Nein, da hätte ich den Text wohl extra unterstreichen müssen.]

    
 

Vor lauter Begeisterung werde ich in Zukunft wohl ganz vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte - J (Na, der Smilie sieht aber hier im Blog merkwürdig verändert aus :-) )



Nein, die Unterstreichung der Weblinks wird nicht in den Blott übernommen. Und vor lauter
"table border='0' style='border-collapse:collapse'colgroupcol style='width:318px'col style='width:318px'colgrouptbody valign='top'td style='padding-left: 7px; padding-right: 7px; border-top: solid black 0.5pt; border-left: solid black 0.5pt; border-bottom: solid black 0.5pt; border-right: solid black 0.5pt'td style='padding-left: 7px; padding-right: 7px; border-top: solid black 0.5pt; border-left: none; border-bottom: solid black 0.5pt; border-right: solid black 0.5pt'tdtrrtd style='padding-left: 7px; padding-right: 7px; border-top: none; border-left: solid black 0.5pt; border-bottom: solid black 0.5pt; border-right: solid black 0.5pt'tdtd style='padding-left: 7px; padding-right: 7px; border-top: none; border-left: none; border-bottom: solid black 0.5pt; border-right: solid black 0.5pt tdtrtbodytablep"

[da habe ich natürlich einige Zeichen rausgestrichen, die diesen Text zum HTML-Code machen]
finde ich meinen eigenen Text nicht mehr!

   
 

Aber das muss ich ja gar nicht, d. h. ich muss gar nicht in das "Dashboard" gehen, um Texte zu ändern, sondern kann sie über "Word" wieder aufrufen!

Irre, absolut irre: ich bin hin und weg: total begeistert!

Nur eines vermisse ich noch (das freilich schmerzlich): die Möglichkeit, Fußnoten einzufügen, von denen die Leser dann wieder in den Textkörper springen können.

Und nicht alles erscheint im Blog in gleicher Weise wie hier im Word-Programm. Die Zeilenabstände wollen nicht immer so, wie ich will, sondern gelegentlich eher wie sie selbst wollen.

 
 

Im übrigen ist das Microsoft-Office Programm Word 2007 verdammt gewöhnungsbedürftig.

Mir persönlich gefiel Word 2003 deutlich besser, aber vielleicht muss ich mich ja nur an die geänderte Funktionalität gewöhnen. Allerdings: alle paar Jahre mache ich so etwas nicht mehr mit; ich hoffe, dass ich mit diesem Programm (und mit meinem PC) für den Rest meines Lebens auskomme. Die Funktionen von "Vista" muss man schließlich auch erlernen; für solche Scherze geht mir langsam die Energie aus.

 
 

 
 

Textstand vom 16.03.2008. Auf meiner Webseite

<a href="http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm ">http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm </a>

finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge (<em><a href="http://beltwild.blogspot.com/2007/10/k-town-und-der-blott-oder-von-amerika.html">Blotts</a></em>).

Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.